Quadrat hoch zwei
KUNST. Das Bottroper Josef-Albers-Museum feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Festakt und einer Sonderschau.
Der Schauspieler Maximilian Schell schrieb es ins "Quadrat"-Gästebuch: "Das schönste Museum der Welt". (Foto: Museum)
Foto: Museum
BOTTROP. Zusammen mit dem Klever Kurhaus, das sich ähnlich perfekt in einen Park einschmiegt, ist das Bottroper Quadrat das schönste Museum an der Peripherie der Peripherie-Metropole Ruhrgebiet. Und wie das Kurhaus ist auch das Quadrat schon mal zum deutschen "Museum des Jahres" gekürt worden (2006). Ein Vierteljahrhundert lang, fünf Jahre zum Quadrat also, strahlt das Haus, das nach genialen Plänen des damaligen Bottroper Stadt-Baudirektor Bernhard Küppers elegant und schlicht errichtet wurde, heitere Gelassenheit in den umliegenden Stadtpark aus. Unter der Regie des Gründungsdirektors Ulrich Schumacher entwickelte es sich rasch zum Zentrum für abstrakte, konkrete und konstruktive Kunst.
Die Gründung des Museums 1983 war ein staatsoffizieller Akt der deutsch-amerikanischen Freundschaft in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl und des US-Vizepräsidenten George Bush. Seither beherbergt das Quadrat mehr Werke des gebürtigen Bottropers Josef Albers als jedes andere Museum der Welt - 91 Ölbilder und 208 grafische Blätter. Die hatte Anni Albers, die Witwe des Vorreiters der abstrakten Malerei, der Stadt Bottrop geschenkt. Mit der Auflage, ein Museum dafür zu bauen.
Donald Judd und der Farbwirkungsforscher
Nach dem gestrigen Festakt mit einem kundigen Vortrag des Baseler Kunsthistorikers Gottfried Böhm über den "Zauber des Quadrats" unterstreicht nun eine neue Sonderausstellung die Bedeutung des 1933 in die USA ausgewanderten Bauhaus-Lehrers Josef Albers für die Entwicklung der modernen, aktuellen Kunst: Das Museum kombiniert die Skulpturen und frühen Tafelbilder des minimalistischen Kunst-Raum-Gestalters Donald Judd mit Gemälden und Zeichnungen von Albers.
Albers wurde schließlich spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem der führenden Kunsttheoretiker und -lehrer in den USA, nicht nur für seine Schüler wie Robert Rauschenberg oder Richard Serra. Für Donald Judd, der als Maler begann, aber nie wollte, dass seine Bilder an der Wand hängen, ist das Quadrat (samt seinem großen Bruder, dem Rechteck) die Grundform für viele seiner kühl designten abstrakten Skulpturen, die anfangs noch aus rustikalen Materialien wie Sperrholz bestanden, später aber mehr und mehr zu Glas, Lack und Edelstahl tendierten. Die Verwandtschaft zwischen dem seit den sechziger Jahren Furore machenden Judd und dem von ihm hoch verehrten Farbwirkungsforscher Albers, der das Quadrat als Form der größtmöglichen Selbstverständlichkeit verwandte, wird in Bottrop augenfällig, auf eine höchst ansehnliche Weise. Schließlich widmete Judd seine erste Einzelausstellung in Deutschland 1977 in Bottrop niemand anderem als - Josef Albers.
Mit der neuen Ausstellung setzt der amtierende Museums-Chef Heinz Liesbrock sein Vorhaben fort, "Albers im Kontext" anderer Künstler zu präsentieren. Über die von Lies-brock veranlassten baulichen Veränderungen (etwa an den flexiblen Innenwänden), die den jüngst verstorbenen Architekten Bernhard Küppers bekanntlich aufs bitterste erzürnt haben, mag man streiten - nicht streiten kann man jedoch über die zugrunde liegende Absicht, die Werke von Josef Albers auch in der Ständigen Ausstellung in wechselnden Zusammenhängen immer wieder neu zu zeigen, um sie nicht ein für alle Male an den Wänden hängen und verstauben zu lassen. (NRZ) Bis 28. September,di-so 11-17 Uhr, so ab 10 Uhr. Ein Katalog (für 24 Euro) erscheint im Laufe der Ausstellung. Führungen: Tel: 02041/297 16.
www.quadrat-bottrop.de












