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Wieder ein Kreuz mit dem Kreuz?

04.10.2010 | 19:04 Uhr
Wieder ein Kreuz mit dem Kreuz?
Pressesprecherin Yvonne Bach betrachtet das neue Kreuz. Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf.Im Frühjahr sorgte die Entscheidung, im Neubau von Amts- und Landgericht keine christlichen Kreuze mehr aufzuhängen, für lebhafte Diskussionen. Zum Jahrestag der Wiedervereinigung hat das Verwaltungsgericht, das bisher ohne Kreuze war, eines aufgehängt.

Es ist gefertigt aus Material des Grenzzauns zwischen BRD und DDR als Symbol für Einheit und Freiheit. Das neue Kreuz wird kontrovers gesehen.

Wer das wuchtige Treppenhaus des Gerichtsgebäudes, ehemals Sitz der Stahl-Industrie, bis in die zweite Etage hinaufgeht, läuft genau darauf zu: Zwischen den schweren Holztüren zur Bibliothek hängt das neue etwa 50 Zentimeter große Kreuz.

Verweis auf NRW-Verfassung

Damit hängt es an prominenter Stelle, wirkt aber neben den monumentalen Gemälden mit Motiven aus der Stahlproduktion sehr zart. Es besteht aus zwei übereinander gelegten metallenen Zaungitter-Stücken, auf dem Kreuzpunkt liegt ein Kreis aus Stacheldraht. Vorbild ist ein ebenso gefertigtes Kreuz im Bergkloster Heiligenstadt in Thüringen. Ein Schild erklärt die Materialien und zitiert die Eingangsworte der NRW-Verfassung: „In Verantwortung vor Gott und den Menschen...“

Diese Worte markierten eine deutliche Absage an totalitäre, menschenverachtende Ideologien, hat Gerichts-Präsident Andreas Heusch den Mitarbeitern des Gerichts in einem Handzettel erklärt. Sie gäben Auskunft über die Herkunft des Menschenbildes, das die Verfassung geprägt habe.

Das Kreuz sei nicht als religiöses Symbol zu verstehen: Es verweise mit seinen Bezügen zur deutschen Geschichte „allein auf die kulturellen Grundlagen unserer Verfassung, auf die Wurzeln, aus denen sich unsere freiheitliche Ordnung speist.“

Sympathsich

Heusch hatte die Debatte um die Kreuze in Gerichten im Frühjahr aufmerksam verfolgt, sich auch in Vorträgen dazu geäußert. Im Altbau von Amts- und Landgericht hatten noch Kreuze die Wände einiger Verhandlungssäle geziert. Kirchenvertreter sahen in dem Verzicht auf die christlichen Symbole im Neubau einen Verlust wichtiger Werte, Gegner pochten auf die Trennung von Staat und Kirche.

Nach den Diskussionen wurde es als guter Kompromiss gefeiert, dass nun ein besonderes mosaikverziertes Kreuz im Büro des Landgerichtspräsidenten hängt.

Superintendent Ulrich Lilie reagiert erfreut, als er von dem neuen Kreuz im Verwaltungsgericht erfährt: „Das ist mir sehr sympathisch, dass mit dem Kreuz ein Bezug zur Verfassung und zum deutschen Staat hergestellt wird.“ Er habe in der Debatte auch immer darauf verwiesen, dass die Kreuze nicht nur kirchliche, sondern auch kulturelle Symbole seien. „Ich fühle mich da gut verstanden.“

Arroganz

Gar nicht positiv sieht dagegen Bildhauer und Karnevalswagenbauer Jacques Tilly das neue Kreuz: „Die können es wohl nicht lassen!“, war seine erste Reaktion. Er empfindet die Präsenz christlicher Symbole in öffentlichen Einrichtungen als Arroganz und Vormundschaft: „Die Justiz ist für alle da. Durch religiöse Symbole werden nicht-religiöse Menschen ausgeschlossen.“

Katharina Rüth

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Kommentare
05.10.2010
23:16
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von gerd44031 | #1

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