Strapazen im Eisparadies
20.10.2008 | 11:56 Uhr 2008-10-20T11:56:00+0200
Montblanc. Vom Nordkap nach Kapstadt - Joachim Franz befindet sich auf einer Expedition der besonderen Art. Er und seine Mitstreiter wollen das Thema Aids ins Bewusstsein der Menschen rücken. DerWesten verfolgt, wie die Gruppe bei ihrer Tour durch 20 Länder vorankommt. Heute: Aufstieg zum Montblanc.
Um 9 Uhr 15 ist es soweit: Die Banner Frankreichs (Dunkelziffer 210.000) und Italiens (250.000) flattern im Angesicht des Montblanc im Wind. Alexa, Regina, Dieter und Bergführer Ode haben es geschafft!
Um 6 Uhr in der Frühe haben sie sich aus den Schlafsäcken gepellt, sind aus dem Zelt in die Kälte hinaus gekrochen, haben sich auf den langen Weg zum Gipfel des Aiguille de Toule gemacht. Fünf Kilometer Gletscherquerung, erst im Zwielicht, dann taucht die aufgehende Sonne eine grandiose Gipfelkulisse in ihren flammend roten Schein. An Scharten und Kanten türmt sich der vom Wind herbei gewehte Schnee zu bizarren Figuren.
Unsere Leute passieren scheinbar grundlose Gletscherspalten, über die schmale Brücken aus Schnee führen – vor allem für Regina ist der Eiseshauch aus gähnender Tiefe ein neues und leicht gruseliges Erlebnis. Schließlich quälen sie sich noch ein steiles Schneefeld hinauf, tasten sich über den schmalen Gipfelgrat.
Der Rückmarsch zieht sich. Regina sagt später: "Das waren gefühlte 500 Kilometer." In 3.500 Metern Höhe macht sich jetzt die fehlende Akklimatisierung bemerkbar. Und das Gewicht der Rucksäcke drückt: An die 25 Kilo lasten auf den Schultern – Alexa schleppt also fast die Hälfte des eigenen Körpergewichts mit.
Derweil warten wir oben auf dem Aiguille du Midi, in 3842 Metern Höhe. Blicken über das gewaltige Bergpanorama. Über den Glacier du Geant – über diesen Gletscher müssen sie kommen! Dort unten stehen noch die beiden kleinen gelben Zelte, in denen sie die Nacht verbracht haben. Wo bleiben sie denn? Doch dann, endlich, tauchen vier winzige Punkte aus einer Senke im Eisparadies auf, bewegen sich scheinbar unendlich langsam über das glitzernde Parkett.
Der Empfang am Nordkap am 5. Oktober war der Auftakt der rund zweimonatigen Expedition "cape2cape".
Am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, ist die Ankunft in Kapstadt/Südafrika geplant.
Geplant ist, unterwegs die höchsten Erhebungen der 20 auf der Route liegenden Länder zu besteigen.
"cape2cape" ist Teil der "World Aids Awareness Expedition", bei der Joachim Franz und sein Team innerhalb von 18 Monaten 200 Gipfel in 200 Ländern erklimmen wollen.
Als die vier Gestalten am Biwakplatz anhalten, die Zelte abbauen, da wissen wir: Sie sind es. Es dauert dann allerdings noch fast eine Stunde, bis sie sich über den ebenso steilen wie schmalen Grat im Aufstieg zum "Midi" hinauf gearbeitet haben. Um 14.04 Uhr ist die Marter zu Ende. Sie lassen sich in die Arme schließen. Erleichtert. Mit gezeichneten, von Sonnencreme verschmierten Gesichtern. Mit einem glücklichen Lächeln.
Und während wir gemeinsam mit unseren vier Helden mit der Seilbahn wieder ins Tal abfahren, schwebt Markus erneut am Gleitschirm hinab, lässt die Aidsschleife auf dem dünnen Stoff noch einmal mahnend über Chamonix ziehen: Soll nur keiner glauben, es handele sich bei unserer Arbeit um eine Eintagsfliege!
- Tag 14: Die Besteigung am Montblanc hat begonnen
- Tag 13: Tag der Partnerschaften
- Tag 12: Auf der Zugspitze
- Tag 11: Unter Strom auf den Großglockner
- Tag 10: Der Berg ruft
- Tag 8: Die höchsten Gipfel Dänemarks
- Tag 7: Kein Empfang in Schweden
- Tag 5: Als anderer Mensch zurück ins Tal
- Tag 4: Ruhe vorm Sturm
- Tag 3: Die erste Pleite
- Tag 2: Gipfelsturm im Nebel
- Tag 1: Warmer Empfang am kalten Nordkap
- Vorbericht: Aufmerksamkeit für Aids auf dem Gipfel
- Fotostrecke: Lebenszeichen in der Todeszone
- Fotostrecke: Gipfelsturm für guten Zweck - Tagebuch in Bildern

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