Schillernder Ex-Stasi-IM wegen Raubes verurteilt
10.02.2010 | 11:59 Uhr 2010-02-10T11:59:00+0100Düsseldorf. Von einem „bunten Lebenslauf” sprach die Vorsitzende Richterin. Den hat der Angeklagte zu bieten. Er gab sogar zu, von der Stasi den Mordauftrag an DDR-Fußballprofi Lutz Eigendorf erhalten zu haben. Jetzt verurteilte ihn das Landgericht Düsseldorf wegen Raubs zu sechseinhalb Jahren Haft.
"Das ist eine Lüge!"
Bis zum Schluss der Verhandlung wies der kleine, kräftige 65-Jährige jede Schuld von sich: „Das ist eine ganz klare Lüge!” Er sei zwar am 28. August 2009 in dem Düsseldorfer Schleckermarkt gewesen, habe Kondome und einen Schokoriegel gekauft, habe aber bezahlt und sei mit dem Fahrrad wieder weggefahren. „Das ist alles gewesen.”
Das Gericht glaubte jedoch der Kassiererin, nach deren Aussage er an der Kasse plötzlich „Rück' die Kohle raus!” gefordert hatte, dabei ein Steakmesser in der Hand hielt. 400 Euro griff er dann aus der Kasse und verschwand. Bei der Polizei hatte die 25-Jährige sein Foto unter über 100 Bildern erkannt.
Kein Mangel an Selbstbewusstsein
„Ich würde niemals einer Frau etwas antun!”, wehrte sich der Angeklagte lauthals, verwies zur Bekräftigung auf seine vier Töchter sowie mehrere Enkelinnen und Urenkelinnen. Seinen Lebenslauf mit neun Kindern von sechs Frauen aufzudröseln, fiel dem Gericht nicht leicht, zumal der Angeklagte abschweifte und mit Zahlen und Daten um sich warf. Wenn es ihm an Stringenz mangelte, an Selbstbewusstsein nicht.
Schon früh sportlich talentiert wurde er bei der Volksarmee Kampfschwimmer: „Ich habe damals den Tauchrekord über 348 Sekunden aufgestellt.” Danach wurde er Boxer: „Ich hatte 210 Kämpfe, davon 180 gewonnen.” Zweimal war er DDR-Meister.
Verpflichtung unterschrieben
Ende der 70er Jahre saß er im Gefängnis, was nicht näher ausgeführt wurde. 1980 durfte er in den Westen ausreisen. Da habe er die Verpflichtung unterschrieben, Eigendorf zu töten. Der Spieler von Dynamo Dresden, dem Lieblingsverein vom Stasi-Chef Mielke, war kurz zuvor geflohen.
„Das ist mir später auf die Füße gefallen”, so der Angeklagte. Dass sich Eigendorf 1983 „vor den Baum gefahren” habe, damit habe er nichts zu tun. Er habe nur unterschrieben, damit auch seine Freundin ausreisen durfte. Den Auftrag habe er einfach nicht beachtet. Die Polizei habe drei Jahre gegen ihn ermittelt und nichts gefunden.
Fußballer "verbiltzt?"
Der Journalist Heribert Schwan hatte später in einem Buch und einem Film die These vertreten, Eigendorf sei von der Stasi „verblitzt” worden: Sie habe ihn betrunken gemacht, an einer gefährlichen Kurve geblendet und so den tödlichen Unfall verursacht.
Der Angeklagte hatte im Westen nicht an seine Glanzzeiten anknüpfen können, arbeitete als Kellner, Boxtrainer - „Ich habe dem Sven Ottke das Boxen beigebracht!” - und Anlageberater. Er hat neun Vorstrafen wegen kleinerer Delikte, zwei Bewährungen waren noch offen. Er lebte zum Schluss in einem Düsseldorfer Wohnheim. Probleme mit Alkohol bestritt er. Seine Verteidigerin hatte Freispruch gefordert, die Staatsanwältin acht Jahre.

0mitdiskutieren