Langer Atem, gute Nerven bei Rot-Weiß Oberhausen
15.10.2009 | 22:08 Uhr 2009-10-15T22:08:00+0200
Oberhausen. Mit Augenmaß, vernünftiger Arbeit, einem langen Atem und guten Nerven bei Rückschlägen könnte der Verein im deutschen Fußball langfristig eine Rolle einnehmen. Warum für Rot-Weiß Oberhausen ein neues Stadion noch wichtiger ist als ein Sieg Freitag gegen den FC St. Pauli.
Zweitligagspitzenspiel im Stadion Niederrhein – wer hätte das vor der Saison vermutet? Die Partie gegen St. Pauli könnte tatsächlich richtungsweisende Bedeutung erlangen – allerdings lediglich für diese Saison. Denn man muss nicht gleich wieder mit dem Modewort „Nachhaltigkeit” hantieren, um zu erkennen, wie man wirklich Weichen stellt. Bisher ist dies den Verantwortlichen von RWO durchaus gelungen.
Mit Augenmaß, vernünftiger Arbeit, einem langen Atem und guten Nerven bei Rückschlägen könnte der Verein im deutschen Fußball langfristig eine Rolle einnehmen, wie sie etwa Bochum oder Nürnberg spielen. Die Rolle eines Klubs also, der in der Bundesliga etabliert ist, selbst wenn er zwischendurch mal absteigt.
Der gewisse Komfort
Im Wettbewerb mit einem runden Dutzend Konkurrenten auf sportlicher Augenhöhe funktioniert das allerdings nur unter gleichen Voraussetzungen auch bei der Infrastruktur, wozu vor allem das Stadion zählt. Und damit liegt RWO auf Dauer schon entscheidend im Hintertreffen. Dabei geht es keineswegs um die Zuschauerkapazität, wie ahnungslose Kritiker mit Blick auf die Besucherzahlen spöttisch bemerken, sondern um Voraussetzungen, die zum Teil sogar für das Lizenzierungsverfahren des DFB vorgeschrieben sind.
Der Klub braucht unter anderem ein echtes Leistungszentrum mit Jugendinternat, er braucht neue Trainingsplätze, vernünftige Arbeitsbedingungen für die Medien, und – ja, das auch – wirtschaftliche Eintrittspreise. Also eine Arena, die einen gewissen Komfort besitzt. In der sich auch Frauen und Kinder wohlfühlen können, wo das Spiel zum Ereignis wird und folglich mehr Fans lockt. Und ob man will oder nicht, gehört dazu auch, dass der potenzielle Sponsor einen gewissen Standard erwartet, den er seinen Geschäftsfreunden präsentieren kann. Von der Familie ganz zu schweigen, die im Zweifel ebenfalls ein Wörtchen mitzureden hat bei der Entscheidung über ein finanzielles Engagement.
Ob die Oberhausener das alles wirklich wollen, steht dabei auf einem anderen Blatt. Wie fast immer, lässt sich auch eine Gegenposition einnehmen, und wie fast immer sind die Kritiker lauter als die Befürworter. „Wir brauchen kein Theater”, sagen vor allem diejenigen, die nicht hingehen. Nichtschwimmer wollen kein Spaßbad, Sportmuffel keinen Profifußball. Und ohne Zweifel: Auch Letzteres würde die Stadt überleben.
Aber genauso zweifellos zählt Profifußball inzwischen längst zu den oft zitierten „weichen Standortvorteilen”, die wie eine vernünftige Kulturszene oder eine ansprechende Städteplanung für die Außendarstellung einer Stadt wichtig bleiben.
Dass Bundesligaklubs gleichzeitig Arbeitgeber und mittelständische Wirtschaftsunternehmen sind, wird leicht unterschlagen. Oft von den gleichen Leuten übrigens, die kommentarlos hinnehmen, wenn (überspitzt gesagt) einer ansiedlungswilligen Firma mit fünf Arbeitsplätzen 100 Jahre lang die Gewerbesteuer erlassen wird.
Hilfe vom Land?
15 Millionen Euro kostet nach Vereinsangaben die Neugestaltung des Stadions, gehen wir also ruhig von 17 Millionen aus. Doch ehe die Hardliner hyperventilieren: Wenn nicht alles täuscht, muss (und kann) der Verein den Kapitaldienst aus eigener Kraft leisten, also seine Kreditraten von rund einer Millionen Euro pro Jahr selbst abbezahlen. Unklar scheint noch, inwieweit NRW hilft, zum Beispiel mit Bürgschaften. Auch das dürfte vielleicht nicht überall auf Zustimmung stoßen. Die meisten Oberhausener aber würden wohl auch fragen: Warum sollte uns versagt bleiben, was dem MSV Duisburg bei seinem Stadionbau vom Land zugestanden wurde?
10:26
Hallo Schleuse 13 !
Wie Du selbst sagst , aber ein guter Kommentar mit sehr interessanten Denkanstößen.
Hoffen wir, das sie irgendwo aufgegriffen werden.
15:43
@9
Glauben heißt nicht wissen - aber darauf kommt es überhaupt nicht an !
Ich persönlich würde eine Investition in das Stadion begrüßen - obwohl ich kein RWO - Fan bin - man könnte auch sagen keiner mehr bin - oder noch nicht wieder bin - aber auch das spielt keine Rolle !
Denn ich denke ein Neubau setzt positive Akzente und könnte mit einem erweiterten Service auch neu Arbeitsplätze bedeuten!
Ich möchte daher einmal zu bedenken geben, das vor 5-6 Jahren noch für die gleichen Investitionskosten, dass doppelte an Kapitalkosten angefallen wäre!
Mit anderen Worten – wegen der historisch niedrigen Zinsen hätte man nicht wie jetzt kalkuliert 1 Mio. Kapitaldienstkosten gehabt sondern 2 Mio. !
Auch wenn die Zocker bei den Banken längst nicht die Zinsvergünstigungen weiter gegeben haben, sondern eher wieder durch ihre Raffgier auffallen und CDU / FDP das auch noch
unterstützen, sind die Zinsen für eine solche Investition günstiger als sie je waren !
Wenn auch die von den Zockern künstlich verursachte Zinsklemme z.Z. die Kreditgewährung
schwieriger macht!
Daher mal ein Denkanstoss ins unreine geschrieben:
Wie wäre es wenn die Stadt Oberhausen, dem Verein das Stadion im Wege der Erpacht überlässt ?
Erbpachtverträge könne beliebige Laufzeiten haben z. Bsp. 10, 20, 30, 50, 100 oder sonst welche Jahre !
Der Verein könnte das Stadion belasten, somit die dingliche Sicherung des Kredits anbieten !
Einen schönen Nebeneffekt könnte das Ganze auch noch haben, durch die Vergabe im Wege der Erbpacht, bliebe das Grundstück der Stadt in der Bilanz erhalten und gleichzeitig könnte durch den Erbpachtzins eine zusätzliche Einnahme nachgewiesen werden.
15:40
Die sogenannte öffentliche Hand pumpt doch bekannterweise sehr, sehr viel Geld in die Kultur. Theater, Oper, Ballett etc. Was mn da manchmal zu sehen bekommt ist eine andere Frage die hier nicht erörtert werden sollte.
Meine Frage ist: Ist, gerade hier im Ruhrgebiet der Fussball nicht auch eine Art Kultur??
Warum schaut man hier sehr peinlich auf jeden Euro und lässt auf der abderen Seite die Euros oft sprudeln?
13:33
der Zuschauerschnitt wäre deutlich höher und es könnte mehr Eintritt je Zuschauer generiert werden.
Ob das für ne Mio reicht glaube ich aber nicht
13:02
Eigentlich geht es doch nicht darum, ob neues Stadion oder nicht. Sondern darum, wer das bezahlen soll oder kann.
Bei aller Träumerei sollte man realistisch bleiben, anstatt mit Gefühlen und Emotionen zu spielen.
12:31
Ach so ;neues Stadion dann kommen mehr Zuschauer?Träumer.Zweimal Verlieren und ihr steht wieder weit unten und keiner redet mehr vom Stadion um- oder Neubau!
11:10
Ein kleiner Hinweis für riraro. Bei diesem Stadion ein Schnitt von 7650 Zuschauern und bei einer Sportstadt wie Oberhausen ist eigentlich ganz okay. Ich behaupte steif und fest, das der Schnitt bei einem neuen, zeitgemäßen Stadion wesentlich höher wäre.
Zum Artikel von Herrn Fritsche kann ich nur sagen: Augenmaß und wirklichkeitsbezogen.
Halten wir alle den Daumen, dass ein neues Niederrheinstadion in nicht zu ferner Zukunft Wirklichkeit wird.
11:09
Ich als MSV Fan kann nur sagen, dass ich den Oberhausener ihr neues Stadion gönne. In Duisburg hat sich der Stadionbau auf jeden Fall gelohnt. Im alten Wedaustadion kamen damals auch nur 7500 Zuschauer im Schnitt. Heute sind es trotz mittelmäßiger Leistung immer noch knapp 14500 Zuschauer. Es macht Spaß in die MSV-Arena zu gehen. Ein Umbau des Niederrheinstadions wäre aus meiner Sicht auf jeden Fall wichtig für den Verein. Auch nicht nur aus Sicht der Fans, sondern auch aus der Sicht der Sponsoren. Welcher Sponsor möchte sich in so einer Bruchbude präsentieren.
09:45
die analyse von hannes fritsche ist vollkommen zutreffend! ich kann nur zustimmen!
00:17
rwo hat einen zuschauerschnitt von 7650. ohne das spiel gegen den msv sind es gerade mal 6000. mehr als ne 10000-mann-hütte wäre also reinste geldverschwendung. und die soll 17 mille kosten?!?