Alles andere als ein Aufbruch
03.06.2012 | 17:46 Uhr 2012-06-03T17:46:00+0200Die Betonlinken um Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht haben es geschafft. Auf Teufel komm raus haben sie den Reformer Dietmar Bartsch als neuen Parteichef der Linken verhindert und stattdessen Bernd Riexinger ins Amt gepresst. Wenn sich das mal nicht als grandioses Eigentor herausstellt.
Die Linke steht vor ihrer größten Zerreißprobe. Die Flügel sind so zerstritten, dass selbst die Alphatiere der Partei, Lafontaine und Gregor Gysi, aufeinander einprügeln. Mit Katja Kipping und Bernd Riexinger hat die Linke nun eine recht unerfahrene Parteispitze, die sich nicht kennt und Ruhe in den Laden bringen soll. Ob die 34-jährige Ostdeutsche und der 56-jährige Schwabe dazu das Format haben, ist mehr als zweifelhaft.
Kipping hat einen schweren Stand, weil Teile des Reformerlagers stinksauer sind. Sie werfen ihr vor, dass sie mit ihrer Kandidatur Bartsch als Parteichef verhindert hat. Mit Bartsch hätte die Linke einen Politprofi bekommen, der die Partei für ein Bündnis hin zur SPD hätte öffnen können. Mit dem Agenda-2010-Gegner Riexinger wird das kaum möglich sein. Er mag zwar die Seele der Gewerkschafter in der Partei streicheln können, doch in der Bundespolitik ist er ein Neuling. Mit dieser Wahl hat die Linke ihre Parteispitze ein Stück weit entprofessionalisiert. Gut eineinhalb Jahre vor der Bundestagwahl grenzt das an politische Dummheit.
Von einem Aufbruch ist die Linke Lichtjahre weit entfernt. Der könnte allenfalls gelingen, wenn Kipping und Riexinger in der nächsten Zeit eine immense Integrationsleistung vollbringen und nach außen hin wie Pech und Schwefel zusammenhalten. Zudem müssen die Parteimitglieder trotz aller Enttäuschungen der neuen Führung eine Chance geben. Doch wenn Kipping und Riexinger von Anfang an Knüppel zwischen die Beine bekommen, wie es bei Klaus Ernst und Gesine Lötzsch der Fall war, dann haben sie keine Chance auf Erfolg. Dann könnte die Linke wirklich auseinanderfliegen.

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