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"Ich habe es nicht verdient"

09.10.2009 | 20:10 Uhr

Washington. Dass er den Friedensnobelpreis erhält, hat den US-Präsidenten selbst überrascht. Außenpolitisch dürfte er damit zusätzliches Kapital erhalten haben. Innenpolitisch wird ihm die Verleihung wenig bringen. Im Gegenteil: Die Republikaner überziehen ihn schon mit Häme.

Statt der mit Spannung erwarteten Nasa-Bombardierung des Monds, staunten die Amerikaner am frühen Freitag Morgen nicht schlecht, als die Nachricht von der Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama über die Mattscheiben flimmerte. Erstmals seit 90 Jahren entschied sich das Nobelpreis-Komitee dafür, die hohe Auszeichnung wieder an einen amtierenden US-Präsidenten zu vergeben. Mit einem großen Unterschied. Theodore Roosevelt und Woodrow Wilson erhielten ihn während ihrer zweiten Amtszeit nachdem sie konkrete Errungenschaften vorzuweisen hatten. Und Obama? Der 44. US-Präsident hat, wie Henry Kissinger scharf beobachtet, gerade die Eröffnungszüge auf dem geopolitischen Schachbrett gemacht.

Ergebnisse hat er bisher nicht vorzuweisen

Es begann mit dem Versprechen, das Gefangenenlager von Guantanamo binnen Jahresfrist zu schließen. Dann benannte er mit George Mitchell einen Sondergesandten für den Nahen Osten. In Kairo warb Obama um „einen neuen Anfang” mit den Muslimen und leitete den Anfang vom Ende der amerikanischen Militärmission in Irak ein. Obama kam den Russen beim Raketenschild entgegen. Bei seinem Doppelauftritt vor der UNO bekannte sich der Präsident zur gemeinsamen Verantwortung für das Klima und legte seine Vision einer atomwaffenfreien Welt dar. Nun ringt er mit der Frage, ob er über die 21 000 Soldaten hinaus, die er bereits zusätzlich nach Afghanistan geschickt hat, weitere Truppen entsenden soll. Eine brisante Entscheidung. Ergebnisse hat Obama für diese Initiativen bisher nicht vorzuweisen. Unabhängig von der Beurteilung der Substanz sind sich Analysten einig, dass es dafür noch zu früh in seiner Präsidentschaft ist.

„Um ehrlich zu sein”, meinte der selber überraschte US-Präsident im Rosengarten des Weißen Hauses, er habe nicht den Eindruck, „dass ich es verdiene, in einer Reihe mit so vielen prägenden Führern zu stehen, die mit diesem Preis geehrt wurden”.

Seine Berater wissen, dass ihm der Friedensnobelpreis bei den innenpolitischen Schlachten um Gesundheit, Klima und Finanzmarktregulierung nicht helfen wird. Dafür bleibt das Land zu polarisiert. Während die Anhänger des Präsidenten in der Auszeichnung einen Beleg für das Potenzial ihres Hoffnungsträgers erkennen, beweist die Entscheidung aus Oslo der amerikanischen Rechten nur, wie sehr sich der Rest der Welt vom verführerischen Flötenspiel des „Rattenfängers” in die Irre führen lässt.

"Was hat Obama eigentlich erreicht?"

Entsprechend giftig fallen die Reaktionen im Lager der Republikaner aus, die voller Häme über das Nobelpreiskomitee herfallen. „Zuerst dachte ich, die Ankündigung des Preises sei ein Witz”, stichelt der langjährige Redenschreiber George W. Bushs, Michael Gerson. In der offiziellen Stellungnahme der Republikanischen Partei heißt es: „Die wirkliche Frage, die Amerikaner stellen, lautet: „Was hat Obama eigentlich erreicht?”

Für die Demokraten sind diese Reaktionen nicht mehr als der Nachweis einer Opposition, die jede Scham verloren habe. „Die Republikaner haben gefeiert, als Amerika die Olympischen Spiele nicht holte und kritisieren jetzt den Präsidenten dafür, den Friedensnobelpreis zugesprochen zu bekommen”, feuert es aus der Zentrale der Demokraten zurück. Der frühere Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger von 2007, Al Gore, findet, der Friedensnobelpreis „sei extrem verdient und eine Ehre für das Land”.

Gewinnn für den Präsidenten in der Außenpolitik

Unabhängige Analysten sehen den Gewinn für Obama in der Außenpolitik. Indem der Präsident den Ton auf der Weltbühne verändert habe, eröffneten sich neue Handlungsspielräume, die vorher nicht bestanden. Das Nobelpreiskomitee gibt Obama zusätzliches politisches Kapital, um die gewaltigen Probleme anzupacken, die ihm sein Vorgänger hinterlassen hat. Und es handelt dabei keineswegs ohne Präzedenz. Ähnlich räsonierte es bei der Auszeichnung Willy Brandts, der eine neue Ostpolitik versprochen hatte, ohne bereits viel vorweisen zu können. Oder bei Michail Gorbatschow, dessen Hand das Komitee für dessen Politik der Perestrojka stärken wollte.

Die Investitionen in Brandt und Gorbatschow erwiesen sich als richtig. Auf Obama ruht nun die Last, den Erwartungen, die mit dem Nobelpreis verbunden sind, gerecht zu werden. Weshalb er im Rosengarten versucht, die Bürde auf mehrere Schultern zu verteilen. „Ich akzeptiere diese Auszeichnung als Aufforderung zur Aktion, als Ruf an alle Nationen, sich den gemeinsamen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu stellen.” Er ahnt, dass die Reifeprüfung noch auf ihn wartet.

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Kommentare
10.10.2009
10:41
Ich habe es nicht verdient
von rote zora | #2

Wo der Mann recht hat hat er recht !

10.10.2009
07:32
Ich habe es nicht verdient
von Stoefi | #1

Ob jetzt wohl ein früherer Preisträger seinen Friedensnobelpreis zurückgibt?

Da hätte man ihm - Entschuldigung Herta Müller - für sein Yes we can noch eher den Literaturnobelpreis verleihen können.

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