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Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks

25.10.2012 | 13:23 Uhr
Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks
Die US-Lebensmittelbehörde ermittelt nach fünf ungeklärten Todesfällen gegen den Hersteller des Energy-Drinks „Monster“.

Essen.   Sie schmecken nach Gummibärchen, versprechen den ultimativen Kick: Energy-Drinks wie „Red Bull“, „Flying Power“ oder „Monster“ wirken vor allem durch Zutaten wie Zucker, Koffein und Taurin aufputschend. Doch die Muntermacher sind nicht ungefährlich. In den USA ermitteln die Behörden in fünf ungeklärten Todesfällen gegen einen Hersteller.

14 Jahre alt wurde Anais F. Sie trank zwei Dosen „Monster“ innerhalb von 24 Stunden, dann versagte plötzlich ihr Herz. Das war im Dezember 2011. Die Dosen enthielten insgesamt 480 Milligramm Koffein. Als Todesursache vermerkten die kalifornischen Ärzte in ihrem Autopsiebericht „Herzrhythmusstörungen durch Vergiftung mit Koffein“. Anais litt an einer seltenen Herzschwäche, sie ahnte nicht, dass Koffein für sie lebensgefährlich ist. Ihre Eltern verklagten nun den Produzenten des Getränks.

Nach Berichten über weitere vier Todesfälle nach dem Verzehr des Energie-Getränks „Monster“ leitete die US-Lebensmittelbehörde Ermittlungen ein. Es gebe indes keinen Beweis, dass allein das Getränk für die Todesfälle verantwortlich ist.

"Für Kinder, Schwangere und stillende Frauen nicht geeignet"

Auch in Deutschland wird der Drink verkauft – und zahlreiche weitere Marken. Hier müssen Getränke mit einem Koffeingehalt von mehr als 150 Milligramm pro Liter einen Warnhinweis tragen, sagt Monika Vogelpohl von der Verbraucherzentrale NRW. Ab Dezember 2014 muss dieser Hinweis erweitert werden durch den Zusatz: „Für Kinder, Schwangere und stillende Frauen nicht geeignet“. Mehr als 320 Milligramm Koffein pro Liter darf kein Energy-Getränk enthalten. Die Verbraucherschützer fordern aber deutlich sichtbare Warnzeichen auf den Verpackungen.

Energy-Drink
Nach Todesfall wird gegen Energy-Drink-Hersteller ermittelt

Nach dem Tod einer 14-Jährigen ermittelt die US-Lebensmittelaufsicht gegen den Energy-Drink-Hersteller "Monster". Das Mädchen war im vergangenem Jahr an einer "Herzrythmusstörung durch Vergiftung mit Koffein" gestorben. Sie hatte innerhalb von 24 Stunden zwei Dosen des Energy-Drinks getrunken.

Doch viele Jugendliche dürften Warnungen vor einem übermäßigen Konsum weniger als Abschreckung, sondern vielmehr als Herausforderung verstehen. Wenn beim schweißtreibenden Dauertanz in der Disco die Koffeindrinks wie Wasser zum Durstlöschen geschluckt werden, kann es zu Überdosierungen kommen.

Das Bundesamt für Risikobewertung hat die möglichen Auswirkungen von Energiegetränken untersucht und beschreibt Symptome wie Herzrhythmusstörungen, Krämpfe bis hin zu Nierenversagen. Die Behörde fordert weitere Studien über die Wirkungsweise der zum Teil exotischen Inhaltsstoffe der Drinks.

Die Kombination macht’s

Besonders die Kombination mit Alkohol oder Aufputschmitteln wie Amphetaminen (Speed) ist offenbar hochriskant, wissen Experten. Doch genau das reizt viele Jugendliche. Sie mischen Energy-Getränke mit Schnaps, was die Wirkung verstärkt. „Koffein in normalen Mengen ist nicht schädlich“, sagt Prof. Raimund Erbel, Kardiologe am Uni-Klinikum Essen. „Doch bei einer Dose bleibt es ja nicht, wenn die Nacht lang wird.“ Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen, Übelkeit und Übermüdung sind die möglichen Folgen, empfindliche Personen erleben Herzrasen und Schwindel.

Koffein wirkt in den Zellen des Körpers wie Adrenalin. Blutdruck und Puls steigen, man fühlt sich fit und leistungsfähig. Studien belegen, dass Jugendliche, die Aufputschdrinks zusammen mit Alkohol getrunken haben, von sich den Eindruck haben, sie seien noch nüchtern. Doch bei Tests sind ihre Reaktionszeiten deutlich verringert. Besonders beim Autofahren kann diese Selbstüberschätzung fatale Folgen haben.

Mit Herzrasen in die Notaufnahme

Alkohol stellt die Gefäße weit, was die Pumpleistung des Herzens verringert, zugleich treibt das Koffein den Herzmuskel zu Höchstleistungen an. Mit Herzrasen kommen Jugendliche dann in die Notaufnahme der Klinik und es sei schwierig, in solchen Fällen die genaue Ursache herauszufinden, sagt Erbel. Drogen, Energy-Drinks, Alkohol oder Herzfehler? Oder eine Kombination davon? „Solche Patienten müssen überwacht werden, bis das abgeklärt ist“ – um Todesfälle zu vermeiden.

Ernährung
Energy-Drinks bergen Gesundheitsrisiko

Vor allem Jugendliche mit hohem Blutdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten beim Genuss von Energy-Drinks vorsichtig sein. Schon ein halber Liter kann den Blutdruck um 8 Prozent ansteigen lassen.

Bei einer Vorschädigungen des Herzens kann ein exzessiver Koffeinkonsum gravierende Folgen haben, so Erbel. So war es wohl auch im Fall der 14-jährigen Anais F. Doch dabei gehe es nicht nur um chronische Herzfehler, bereits eine Erkältung oder Grippe könne das Herz bedrohlich schwächen, erklärt Erbel.

Kein Todesfall durch Energy-Drinks in Deutschland bekannt

In Deutschland sei ihm kein Fall einer tödlichen Koffeinvergiftung bekannt, sagt der Kardiologe Prof. Thomas Budde vom Alfried-Krupp-Krankenhaus in Essen. „Koffein ist nicht gefährlich. Sogar Herzpatienten bekommen Kaffee“, stellt er fest. Doch die Kombination mit anderen Medikamenten, Alkohol oder Sport sei unter Umständen bedenklich.

„Der plötzliche Herztod durch Rhythmusstörungen ist eine der Haupttodesursachen bei Jugendlichen“, sagt Martin Lehn, Kinder- und Jugendkardiologe in Dortmund. Oft würden Energy-Drinks vor dem Sport geschluckt, was wegen des Zuckergehalts nicht nur unsinnig, sondern zudem gefährlich sei.

Kein Nutzen

Ein direkter Zusammenhang zwischen den Koffein-Bomben und gesundheitlichen Folgen sei zwar möglich und wahrscheinlich, doch kaum zu beweisen, vor allem, wenn Patienten bereits zuvor Herzprobleme hatten. Ein Verbot dieser Drinks ist daher nicht zu erwarten. „Energy-Drinks sind nicht ohne Gefahr“, sagt Lehn. Und einen Nutzen hätten sie auch nicht.

Christopher Onkelbach



Kommentare
26.10.2012
13:51
Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks
von DerBiker72 | #6

So viel mir bekannt ist, sind die Mengen an Koffein in diesen Getränken in Deutschland begrenzt. 1 Dose =1 Tasse Kaffee.
Wer eine Herzschwäche hat und sowas in vlt. größeren Mengen trinkt, kann logischerweise Probleme kriegen, bishin zu Herzversagen. Man sollte sich aber mal fragen, wie viel davon verkauft und konsumiert wird und wieviele sterben...
Da ist wieder was im Busch, garantiert!

26.10.2012
00:29
Das war im Dezember 2011
von MeinLieberScholli | #5

Und jetzt, gerade in einer groß angelegten Brause Werbekampagne, mit Kerls die vom Himmel fallen, da wird der Konkurent plötzlich für tote verantwortlich gemacht?
1 Jahr später?
Die Meldungen dazu kommen komischerweise z.B. bei Pro7 genau an der Stelle wo sonst das neueste Apple Produkt oder anderer Blödsinn an den Mann gebracht wird.
Für zusätzlichen Absatz wird das bei beiden Firmen sorgen. Denn auch schlechte Werbung ist immer noch Werbung.

Kann mir aber sehr gut vorstellen, warum diese Meldung extra zurückgehalten wurde:
Leute können beim Extremsport zwar draufgehen, aber wenigstens ist unser Gesöff nicht tötlich.... Dann noch ein Bild vom Felix mit Flügeln als Engel, und schon wäre der Ruf wieder glattgebügelt.

Das ganze hat doch einen SEHR herben Beigeschmack.
Mal von dem Zuckerwasser abgesehen.
Ein sehr mißtrauischer Scholli.

25.10.2012
20:53
Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks
von WaddeHaddeDuddeDa | #4

Die 2 0,7l Dosen sollen wohl so viel Coffein gehabt haben wie 5 l Cola... ich finde das schon sehr viel.

25.10.2012
17:53
oh je...
von derwolf80 | #3

Wenn eine chronisch herzkranke 14-jährige 1,4 Liter Energy Drink in 12 Stunden zu sich nimmt, sollte man hier nicht auch die Umstände hinterfragen?
Diese Amok-Berichterstattung gleich schon derer, die bei zugedröhnten Ertrinkenden in Baggerseen und überalkoholisierten Jugendlichen vom Zaun gebrochen werden...

25.10.2012
16:45
Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks
von Ex-Ruhrgebietler | #2

Dieses Geschreibsel versetzt mich glatt fast 20 Jahre zurück. Damals, 1994, wurde Red Bull erstmals der breiten Öffentlichkeit bekannt. Damals kursierten unter uns Jugendlichen Gerüchte, wonach die Behörden Red Bull als Einstiegsdroge einstuften: "Man fängt mit Red Bull an, und irgendwann hängt man auf Koks oder Heroin". Alles haarsträubender Unsinn, kam RB aber sehr gelegen da das Gesöff in aller Munde war und man sich Millionen an Werbung sparen konnte. Könnte es sein das die Macher von der Plempe in USA sich an die Red Bull-Gerüchte erinnert haben?????

25.10.2012
16:22
Todesfälle in den USA - So gefährlich sind Energy-Drinks
von msdong71 | #1

wenn man überlegt das eine kleine tasse kaffee etwa 180mg hat wird hier wieder unnötig panik gemacht mit dem artikel.

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