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Cola statt Brokkoli - Wirbel in England um neue Abnehm-Bibel

08.06.2012 | 15:53 Uhr
Cola statt Brokkoli - Wirbel in England um neue Abnehm-Bibel
Viel schlafen, statt Frühstück nur schwarzer Kaffee und Eisbäder - mit kontroversen Abnehmtipps sorgt ein Fitness-Trainer für Aufsehen. Foto: ThinkStock

London.   Mit kontroversen Abnehmtipps hat sich ein Londoner Fitness-Trainer über Nacht zum Millionär geschrieben. So sollen die Abnehmwilligen auf große Mengen Obst und ihr Frühstück verzichten. Die „Oh-my-God“-Diätbibel von Venice Fulton ist restlos ausverkauft.

Viel schlafen, statt Frühstück nur schwarzer Kaffee und Eisbäder, statt Brokkoli lieber eine Cola: Mit kontroversen Abnehmtipps hat sich ein Londoner Fitness-Trainer über Nacht zum Millionär geschrieben. Die „Oh-my-God“-Diätbibel von Venice Fulton ist restlos ausverkauft. Als E-Book läuft es der Dukan- und Atkins-Schrumpfkur bereits den Rang ab. Was ist dran an der Diät, die eine ganze Branche durcheinanderwirbelt?

Ärzten stehen nach der Lektüre sicher die Haare zu Berge, was aber so sein muss, wenn man Venice Fulton glaubt: „In fünf Jahren Medizinstudium beschäftigen sie sich höchstens an einem Tag mit dem Thema Diät - sie wissen darüber fast nichts, also trau’ ihnen nicht.“ Munter, lustig und charmant stößt er also auf 270 Seiten ein Dogma nach dem nächsten vom Sockel. Wer abnehmen will, soll frühstücken? Fulton ist da anderer Meinung: Wer vor zehn Uhr morgens eine „gesunde“ Mahlzeit aus Joghurt, Obst und Toast zu sich nimmt, blockiert seinen Studien zufolge die Fettverbrennung für den ganzen Tag. Also, seufz, weg mit dem Marmeladenbrötchen!

Damit der Körper ungeliebte Glibberschichten verheizt statt aufpolstert, empfiehlt Fulton auf leeren Magen einen schwarzen Kaffee - quasi als Teilchenbeschleuniger, der Fettmoleküle öffnet und durch die Blutbahn jagt. Auf die Milch im Kaffee soll übrigens nicht wegen der Kalorien verzichtet werden, sondern weil sie dem Körper „leckeres Essen“ signalisiert und so die Insulin-Produktion anregt. Genau das, meint Fulton, sei aber kontraproduktiv.

Nach dem Kaffee ins kalte Wasser

Nach dem Nicht-Frühstück geht’s für eine Viertelstunde ab in 15 Grad kaltes Badewasser, wo der Körper an seinen Fettreserven zehrt, um die inneren Organe funktionstüchtig zu halten. Achtung: Herzkranke sollten das aber lieber nicht probieren: „Sterben ist nicht das ‚Oh my God’, das wir sehen wollen“, warnt der Autor. Immerhin.

Dass ausreichend Schlaf beim Abnehmen hilft und Orangensaft nicht, wissen Fitnessbewusste natürlich längst. Doch Venice Fulton schafft es, alte, lang ignorierte und aktuelle Studien über Stoffwechsel, Ernährung, Biochemie und Psychologie in ein unorthodoxes Konzept zu integrieren. 20 Pfund Fett weniger in nur sechs Wochen verspricht er, garniert mit dem strittigen Untertitel: „Werd’ dünner als all’ deine Freunde“. Damit bedient Fulton freilich den Wunsch vieler Übergewichtiger nach einfachen, schnellen Patentrezepten, allerdings tut er das auf so liebenswürdige, optimistische und amüsante Weise, dass sich ihm über Nacht eine riesige Fangemeinde auf die Fersen geheftet hat.

Weil Fulton zunächst bei mehreren Verlagen mit seiner Idee abgeblitzt war, hat er das Buch in Eigenregie drucken lassen. Mit einem persönlichen „Oh-my-God“-Erfolg: Der Diätschinken ist als Papierversion im Königreich vergriffen, als E-Book bricht er bei iTunes Verkaufsrekorde. Für eine siebenstellige Summe hat ein US-Verlag soeben die Nutzungsrechte an dem Werk gekauft; in Großbritannien bekommt der Diät-Guru einen vergleichbaren Scheck für die geplante Taschenbuch-Ausgabe obendrein.

Buch in der Stadtbücherei geschrieben

Ansonsten weiß man nur wenig über den geheimnisvollen Neu-Millionär „Venice Fulton“ - ein großspuriges Pseudonym, hinter dem sich im wirklichen Leben der 39-jährige Sportwissenschaftler Paul Khanna verbirgt. Seinen Bestseller hat der smarte Nord-Londoner neben seinen Jobs als Statist und Fitnesstrainer ganz bescheiden in der Zweigstelle der Stadtbibliothek von Finchley verfasst.

Die Top Ten der Oh-my-God-Diät:

1. Vertrau’ bei Deinem Körpergewicht weder dem Lob noch der Kritik von Freunden.

2. Viel Obst vermeiden, Smoothies sowieso.

3. Auf Frühstück verzichten, stattdessen 200 mg Koffein einnehmen und 15 Minuten in 15 Grad kaltes Wasser setzen. 30 Minuten Bewegung danach sind ideal.

4. Drei Stunden nach dem Sport nichts essen.

5. Den Plan auch am Wochenende durchhalten.

6. Snacks und „Grasen“ vermeiden. Drei Mahlzeiten am Tag sind besser.

7. Viele Gemüsesorten haben mehr Kohlenhydrate als eine Cola: Brokkoli, Erbsen, Möhren und Kürbis vom Teller schmeißen.

8. Drei Mal im Monat locker ein paar Gewichte heben oder Zirkeltraining absolvieren.

9. Für einen schlanken Bauch Luftballons aufblasen statt Sit-Ups machen.

10. Wiege Dich nicht öfter als ein Mal pro Woche.

Das Taschenbuch „Six Weeks to OMG: Get skinnier than all your friends“ von Venice Fulton erscheint am 5. Juli 2012 im Penguin-Verlag in Großbritannien.

Jasmin Fischer



Kommentare
11.06.2012
12:05
Cola statt Brokkoli - Wirbel in England um neue Abnehm-Bibel
von randori20 | #2

Für die Kunden eine offensichtlich erfolgreiche Diät, ihre Geldbörsen sind merklich dünner geworden.

09.06.2012
12:13
son Ärger!
von HansiwurstI | #1

jetzt hab ich gerade ne Tafel Schokolade geschluckt und lese nun, daß ich lieber Cola hätte trinken sollen. Kein Wunder, daß ich nicht abnehme...

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