Freizeit
Freizeitpark Efteling: Märchenwelt und Achterbahn
31.07.2009 | 17:50 Uhr 2009-07-31T17:50:00+0200
Kaatsheuvel. Der niederländische Freizeitpark Efteling rechnet 2009 mit einem Besucherrekord. Das ruhige Ambiente und das weitläufige Gelände locken auch Tausende Deutsche.
Wer den Freizeitpark Efteling betritt, der hört keine Kinder kreischen. Es rattert auch keine wilde Achterbahn an dem pompösen Eingangsgebäude mit dem spitz zulaufenden Dach vorbei. Stattdessen, rund eine Stunde Autofahrt von der Grenze nach Deutschland entfernt: Ruhe.
Ruderboote paddeln über einen großen See. Auf den Wiesen drumherum räkeln sich die Ersten in der Sonne und picknicken. Als Kulisse erheben sich gelbe und blaue Türme eines indischen Palastes. Er heißt „Fata Morgana”, darin fahren Waggons durch die Märchenwelt von Tausendundeiner Nacht. Vorbei an Krokodilen, Tigern und durch ein Bettlerviertel.
Efteling entstresst den Großstädter
Efteling entstresst den Großstädter. Der Park ist weder pickepackevoll noch setzt er bei den Fahrgeschäften auf Attribute wie „am größten”, „schnellsten” oder „aufregendsten”. Stattdessen kühle Wälder, weite Wiesen, große Seen und vor allem: Märchen und Sagen in den vielen vom Park selbst entwickelten Attraktionen.
Genau das schätzen die Besucher. Wie Maria Theiß aus Duisburg, die Efteling seit inzwischen mehr als 30 Jahren besucht. Diesmal ist sie mit ihrer Tochter Stephanie und Enkelin Jana (9) gekommen. Außerdem dabei: Janas Freundin Elisa Minten (8). „Ich finde die Kombination aus Natur und Attraktionen fantastisch!”, lobt Oma Maria Theiß. Begeistert erzählen die Mädchen, was sie schon alles entdeckt haben. „Wir sind in den großen weißen Booten gefahren”, sagt Jana. „Und wir waren ganz weit oben auf der Pagode und haben über den Park geguckt.” Die Aussichtsplattform dreht sich in 45 Metern Höhe. Die Mädchen überbieten sich gegenseitig: „Gut!” – „Supergut!” – „Mehr als supergut!”.
Ein Drache spuckt Rauch
Ob denn etwa im Märchenwald zwischen den malerischen Doornroosje- und Sneeuwwitje-Häusern nicht die große Action fehlt? Mitnichten. Jana und Elisa sind von der Märchenwelt begeistert, auch wenn sie nicht verstehen, was die Puppen auf Niederländisch erzählen.
Es gibt reichlich zu gucken, zu riechen und zu staunen. Um die Ecke bewacht ein großer Drache seinen Schatz und spuckt Rauch, wenn die Kinder an der goldenen Krone zerren. „In den Freizeitparks in Deutschland ist alles viel gedrängter”, sagt Mutter Stephanie Theiß, die in Kevelaer wohnt. „Ich bin aber jemand, der den Wald und die Natur liebt.”
Der Park profitiert von der Wirtschaftskrise
Da ist sie offenbar nicht allein. Beinahe 3,3 Millionen Menschen zog es im vergangenen Jahr nach Efteling, davon rund 200 000 Deutsche. In diesem Jahr rechnet Parksprecherin Karin Koppelmans sogar mit einer deutlichen Steigerung. Die Dreieinhalb-Millionen-Marke werde diesmal voraussichtlich geknackt. Efteling profitiert von Wirtschafts- und Finanzkrise, da ist sich Koppelmans sicher. „Wir sind mit den Besucherzahlen jetzt schon 25 Prozent vor dem letzten Jahr”, sagt sie. Dem Park geht's gut. 115,5 Millionen Euro spülten die Besucher im vergangenen Jahr in die Kassen, so Koppelman. Der Betriebsgewinn lag bei 9,6 Millionen Euro. „Wir verkaufen Illusion. Das ist der Erfolg vom Park in schlechten Zeiten: Man kann die Sorgen hier für einen Tag vergessen.”
Rund 20 000 Besucher kommen an Ferientagen im Durchschnitt. Doch der Besucherstrom verteilt sich schnell auf den breiten Wegen. Efteling ist so weitläufig, man merkt auch am Nachmittag nur an den beliebtesten Attraktionen und in den Restaurants, wie voll der Park ist.
Viel Platz für platte Füße
Das Aschenputtel
Von Deutschland geht's über die Autobahn 40 nach Efteling. In den Niederlanden weiterfahren bis Eindhoven, anschließend nach Tilburg (A2, dann A58). Ausfahrt Tilburg-Noord, dann ist Efteling ausgeschildert.
In der Hauptsaison bis zum 30. August kostet der Eintritt pro Person 30 Euro, ein Autoparkplatz zusätzlich 8 Euro. Kinder bis einschließlich drei Jahre sind frei. Der Park ist täglich 10 bis 21 Uhr geöffnet, samstags bis 24 Uhr.
Eine Neuheit gibt's in diesem Jahr im Märchenwald (Drache im Bild oben). Dort steht seit dem 1. April auch das rund zwei Millionen Euro teure „Assepoester”-Haus. Es zeigt in gewohntem Efteling-Stil das Aschenputtel-Märchen mit bewegten, sprechenden Puppen. Noch im Bau befinden sich ein weiteres Restaurant und eine Ferienanlage mit Bungalows. Eröffnung ist voraussichtlich noch in diesem Jahr.
Kein Wunder: Rund 72 Hektar misst Efteling inzwischen. In den 57 Jahren seit der Gründung mit dem Märchenwald ist der Park stetig gewachsen und inzwischen der größte Freizeitpark in den Niederlanden. Wer gewohnt ist, etwa durch das Phantasialand bei Köln (28 Hektar) oder den Movie Park in Bottrop (45 Hektar) zu laufen, der bekommt in den ausgedehnten Waldstücken von Efteling schnell platte Füße.
Viele setzen sich deswegen zwischendurch auf die großen Wiesen, was hier ausdrücklich erlaubt ist. Allein 14 Gärtner pflegen diese sowie die bunten Blumenbeete täglich ab sechs Uhr morgens. Beinahe 1000 Vollzeitmitarbeiter beschäftigt Efteling.
Die Achterbahnen stehen im Abenteuerland
Das viele Grün ist auch für Birgit Tißen und Beate Hell aus Kleve das große Argument für Efteling. Die beiden Mütter sind seit ihrer eigenen Kindheit immer wieder hier, diesmal mit ihren Töchtern Leonie Tißen (13) und Linda Hell (14). „Ich finde die Blumen sehr schön, der Park ist gepflegt und in Ordnung”, sagt Birgit Tißen. „Die Mädchen durften sich für heute was aussuchen, und sie wollten nach Efteling.”
Vorne im Märchenland, wo die Mütter sich wohlfühlen, ist es den beiden aber zu langweilig. „Wir fahren lieber was Schnelleres”, sagt Leonie verschmitzt. Sie und Linda zieht's zu den Achterbahnen im „Ruigrijk”, dem Abenteuerland hinten im Park.
Da hört man auch die Besucher auf den steilen Abfahrten kreischen.

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