Honorarstreit
Erste Ärzte verweigern Patienten die Behandlung
25.02.2009 | 23:55 Uhr 2009-02-25T23:55:00+0100
Essen. Der Streit um die Honorarreform für die niedergelassenen Ärzte spitzt sich zu: Krankenkassen berichten von einer wachsenden Zahl von Patienten, denen Mediziner die Behandlung verweigern. Die Kassenärztliche Vereinigung ist empört und droht solchen Ärzten mit dem Entzug der Kassenzulassung.
Einige Krankenkassen an Rhein und Ruhr registrieren zunehmend Beschwerden von Patienten, deren Ärzte ihnen die Behandlung verweigern. Die DAK vermeldet für Nordrhein-Westfalen bereits rund 100 solcher Fälle und einen „sprunghaften Anstieg” der Beschwerden, die KKH spricht von etwa 20 Patienten, die sich an die Kasse gewandt hätten. Die AOK berichtet von sporadischen Beschwerden, rechnet aber laut einer Sprecherin mit einer hohen Dunkelziffer.
Hintergrund dieser Entwicklung ist die umstrittene Honorarreform, die Anfang dieses Jahres in Kraft getreten ist und die für die niedergelassenen Ärzte eigentlich eine üppige Einkommenssteigerung versprach. Das Gesamtvolumen der Honorarsteigerung beträgt 2,7 Milliarden Euro, und ist ein Grund dafür, dass der Beitragssatz für die gesetzlich Versicherten stark gestiegen ist.
Manche Ärzte mussten Einkommenseinbußen hinnehmen
Aber: Von der innerärztlichen Verteilung der Honorarsteigerung profitiert nicht jeder Mediziner. Ein großer Teil des Geldes ist nach Ostdeutschland abgeflossen, die Erhöhung für westdeutsche Ärzte fiel entsprechend niedriger aus. Zahlreiche Mediziner müssen laut Kassenärztlicher Vereinigung durch die Reform sogar Einkommenseinbußen von bis zu 30 Prozent hinnehmen. Speziell Fachärzte wie niedergelassene Chirurgen, Neurologen, Orthopäden, Gynäkologen und Hautärzte zählen zu den Verlierern der Reform.
Aus Protest gegen die Honorarreform greifen einige Ärzte jetzt zu äußerst umstrittenen und rechtswidrigen Mitteln: Der NRZ liegt beispielsweise ein Schreiben eines Chirurgen an einen Patienten mit einer Zyste vor. Diese könne nur operiert werden, schreibt der Mediziner, wenn die Krankenkasse zusätzliche Kosten übernehme: „Entweder übernimmt ihre Krankenkasse die Kosten ... oder sie findet für Sie eine Möglichkeit, wo Sie kurzfristig anderweitig operiert werden können.” Ein Unding, meint Ruth Bahners, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. „Ein Kassenarzt darf keine Zuschläge verlangen.” Sollten der KV solche Fälle angetragen werden, müsse der entsprechende Arzt mit einem Verfahren rechnen, das mit einem Entzug seiner Kassenzulassung enden könne.
Orthopäde weigert sich, Greis zu behandeln
DAK-Sprecher Rainer Lange berichtet vom Fall eines 81-jährigen Mannes aus Remscheid, der nach einer Hüftoperation vor kurzem aus der Reha-Klinik entlassen wurde und von seinem Orthopäden abgewiesen wurde: „Er sollte privat in Vorkasse gehen oder werde nicht behandelt”. Die DAK, so Lange, akzeptiere es nicht, „wenn ein Honorarkampf auf dem Rücken der Patienten ausgetragen wird.” Patienten, denen so etwas widerfahre, sollten sich bei ihrer Krankenkasse melden.
Auch in der Ärzteschaft ist ein solches Vorgehen umstritten: „Wir sind mit so etwas nicht einverstanden. Ärzte haben einen Sicherstellungsauftrag”, sagt Joachim Stier, Sprecher des Deutschen Facharztverbandes.
DGB kritisiert Praxisschließungen
Um gegen die Honorarreform zu protestieren, zogen zudem am Mittwoch rund 300 Fachärzte vor den Landtag in Düsseldorf. Zahlreiche Praxen seien am „gesundheitspolitischen Aschermittwoch geschlossen gewesen”, teilte ein Sprecher der Gemeinschaft der Fachärzte Nordrhein mit. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Praxisschließungen scharf: „Jetzt sollen die Patientinnen und Patienten für Verteilungskonflikte innerhalb der Ärzteschaft herhalten, indem sie vor verschlossenen Arztpraxen stehen oder zur Vorkasse angehalten werden”, so die stellvertretende Landesvorsitzende Birgitt Beier. Immerhin betrage der Honorarzuwachs für dieses Jahr pro Arzt durchschnittlich 17500 Euro, so Beier weiter.

00:10
Das ist erst der Anfang..............vom Ende der Rundumsorglosversicherung für alle und jeden.
Wer soll den ganzen €wahnsinn hier denn noch bezahlen??Der Staat etwa??neee,der ist auch schon pleite,......der Beitragszahler??gibts immer weniger!Da werden wohl demnächst schmerzhafte Einschnitte unumgänglich sein.
23:23
Wenn alle Stricke reißen, dann therapieren wir uns demnächst selber mit Aldi-Medizin.
Aber beides geht nicht: selber therapieren und außerdem bezahlen.
08:34
soeben wurde mir bei Orthopäde Dr. Hutschenreuther die Behandlung verweigert, obwohl ich einen Termin hatte. Ich war vor rund 4 Wochen dort und bekam das Handgelenk geröngt wegen Verdachts auf Knochenbruch. Damals habe ich einen Termin vereinbart für eine andere Sache (Sehnenentzündung am Fuss). Mir wurde gesagt der Arzt würde im Quartal nur noch eine Beschwerde behandeln und ich wurde einfach nach Hause geschickt. Eine bodenlose Frechheit. ZAHLEN WIR DAFÜR BEITRÄGE ???
18:06
Ansonsten wenn ihr Penner die Politik und die Kassen Blödsinn machen läßt seit ihr selber schuld.
Es kommt noch viel dicker.
18:04
Leistung kostet. Auch Arztleistung kostet. 35 Euro in drei Monaten sind in 20 Minuten verbraucht. Leistung danach ist privat zu bezahlen, weil die Kassen diese nicht mehr bezahlen ist es doch klar dass der bezahlt der sie dann haben will. Niemand - auch Ärzte nicht - muss zum Nulltarif arbeiten.
Kein Arzt verweigert Behandlung sowenig wie eine Autowerkstatt Reperatur verweigert.
Allerdings kostet die Arbeit Geld. Wer Leistung will, egal welche hat zu bezahlen. Und darüber zu Jammern dass Ärzte einen nicht umsonst behandeln ist asozial hoch zehn.
20:01
Nö, Ullalala.... nur wenn du wirklich schwer krank und erkennbar ein Notfall bist...
Ob Kassenärzte noch an den Sicherstellungsauftrag gebunden sind, ist eine zu klärende Frage...
Grundlage für die Zwangsjacke Sicherstellungsauftrag ist nämlich das im Gegenzug den KVen gewährte Monopol der ambulanten Versorgung, das inzwischen nicht mehr existiert... also existiert auch kein Sicherstellungsauftrag mehr
Wenn ich mein Regelleistungsvolumen und meine Höchstfallzahl erreicht habe, müsste ich neue Patienten völlig ohne Honorar behandeln... und dazu kann mich kein Gesetz verpflichten
19:59
Man kann auch selber studieren wie schlecht es den Ärzten geht :
Jeden Mittwoch und Samstag im Immobilienteil unter Gesuche :
Arzt mit Familie sucht im Essener Süden.......
Noch Fragen ?
18:39
Kann man einen Arzt nicht anzeigen wegen unterlassener Hilfeleistung, wenn er einem die Tür vor der Nase zuschlägt?
11:52
Und was sagt Ullala dazu???
Wie immer: NICKES!!!
09:02
Alles was mir hilft, bezahle ich mittlerweile selbst: wenn ich zum Orthopäden gehe, kriege ich zwar Einlagen, aber keine Behandlung der Ursache ( Beratung und Anleitung werden eben nicht bezahlt). Ich kann vom Arzt auch jederzeit Cortison bekommen, aber das ist ja das gleiche Spiel: die Ursachen werden nicht behandelt Und irgendwie liegt da der Hase im Pfeffer: die Mediziner sind von der Industrie und den unfähigen Ministerien in die Maschinen/Pillen-Medizin gedrängt worden. So lange schon, dass sich auch nur noch die wenigsten Mediziner trauen, ihren gesunden Menschenverstand zu benutzen., Aber das sollen sie ja - laut Abrechnung - auch nicht. Denn für eine ordentliche Anamnese gibt es kein Geld. Aber Menschen lassen sich so nicht heilen und entsprechend wird immer nur alles schlimmer und teurer. Wie machen es andere Länder? In Skandinavien gibt es wohl traumhafte Bedingungen und die Leute sind nicht kränker und alle sind zufriedener. Die Ärzte sind dort angestellt und können relativ entspannt ihrer Arbeit nachgehen. Der Lohn ist gesichert , man wird vielleicht nicht unermesslich reich, aber der Arzt kann genau hinsehen, was die Patienten haben und in Ruhe behandeln. Man muß auch keine Behandlungen verschieben oder verweigern - alles geht... Der Beruf ist ehrbar und gefragt. Es ist einfach deutlich pragmatischer dort. Aber zu Pragmatismus neigen wir Deutschen nicht, wir neigen zum Gründen von Organisationen und Intransparenz.....