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Zurzeit steht es 17 zu 58

29.07.2009 | 17:35 Uhr

Die Sozialdemokraten und ihr Spitzenkandidat Steinmeier fassen nicht Fuß.

Natürlich ist es richtig, dass Umfrage-Ergebnisse Moment-aufnahmen sind. Allein, mit diesem berechtigten Hinweis ihre aktuellen, desaströsen Zahlen schönzureden, das hilft den Sozialdemokraten nicht weiter. Knapp zwei Monate vor der Bundestagswahl sieht es duster aus. Nur 17 Prozent der Bürger würden, gäbe es die Direktwahl, den SPD-Kanzlerkandidaten wählen, dagegen satte 58 Prozent die amtierende Kanzlerin. Da liegen Welten zwischen.

Steinmeier mit seiner seriösen Art, den die Deutschen als Außenminister ganz prima finden, kann machen, was er will, der Trend ist gegen ihn und seine Partei. Gerade so, als stecke die SPD im Treibsand, und weder Müntefering noch Steinmeier scheinen in der Lage, wieder festen Boden unter die Füße zu bekommen.

Da wäre man beinahe versucht, mitleidig zu raten, die weiße Fahne zu hissen, so wie es der Chef des Meinungsforschungsinstituts Forsa, Manfred Güllner, empfiehlt. Der meint, für die Sozialdemokraten sei es besser, nicht länger auf Sieg, sondern nur auf Platz in einer großen Koalition zu setzen. Doch so etwas kann man einer FDP, der die Rolle des kleineren Partners auf den Leib geschrieben ist, empfehlen, aber nicht der SPD.

Zu allem Überfluss hat Ulla Schmidts Dienstwagen-Affäre den Wahlkampfauftakt ihrer Partei gründlich verhagelt. Dass die erfahrene Gesundheitsministerin nun in Steinmeiers Kompetenzteam vorerst keine Rolle spielen soll, ist ein Akt der politischen Hygiene. Mehr nicht. Mit ihr, das geht derzeit nicht. Eventuell wird sie nachnominiert .

Trotz allen Ungemachs ist es zu früh, die SPD bereits abzuschreiben. Wahlkämpfen kann die Partei, auch wenn ihr ein so überragender Kämpfer wie Gerhard Schröder fehlt. Sie muss jedoch von sich selbst überzeugt sein, um andere zu überzeugen, ihr Thema finden und unbedingten Siegeswillen zeigen. Kampflos aufgeben, ehe der Wahlkampf richtig begonnen hat, das geht schon mal gar nicht. NRZ

Joachim Rindfleisch

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