Unsere Süße
12.12.2007 | 16:37 Uhr 2007-12-12T16:37:00+0100
Sie kommt vom Niederrhein: die Grillage-Torte. Oder schreibt man: Grillasch-Torte? Egal, denn dieser Traum in Weiß gehört hierher.
Augen zu, Mund auf... mmmh. Kalt. Schokolade. Und Sahne, Vanille, Karamel und Nüsse... aber irgendwas anderes ist noch drin in der Grillage-Torte. Krümel kitzeln die Zunge. Moment... Baiser! Ganz fein. Und doch: Da ist noch mehr...
Klaus Mehrhoff führt gemeinsam mit seiner Frau ein traditionsreiches Café in Moers - und er verrät unseren Lesern sein Grillage-Rezept.
Für zwei Torten muss man etwa sechs Böden machen - weniger geht nicht, die Menge wäre dann zu gering.
Böden: 250 g Eiklar 250 g feiner Kristallzucker 250 g Puderzucker 30 g geriebene und geröstete Mandeln oder Nüsse
Eiklar und Kristallzucker kräftig ausschlagen, bis die Masse genügend Stand hat, Puderzucker und Mandeln mischen und unter die Masse heben.6 Böden mit 23 cm Durchmesser ca. 1-1,5 cm dick auf ein Papier streichen oder mit Lochtülle spiralförmig aufdressieren.
Böden auf vorgewärmtes Blech ziehen und min. 6 Std. bei 100° C im Backofen trocknen (bei 80° C über Nacht).
1 ltr. Gesüsste Sahne schlagen und je 1 Handvoll Schokospäne und gehackte und geröstete Nüsse unterheben.3 Böden und die Sahne abwechselnd im Ring einsetzen und einfrieren. Danach gefrorene Torte aus dem Ring lösen, mit weisser Sahne einstreichen und mit Tupfen und Schokospänen dekorieren. Nun die Torte bis zum Zeitpunkt des Verzehrs wieder einfrieren.
Etwas Mysteriöses haftet ihm an, jenem meist halb gefroren servierten Sahnekuchen, der den Namen Grillage-Torte trägt (auch Grillasch). Ein wahrlich exklusives Schmankerl. Noch heute hüten Konditoren ihre Hausrezepte, als seien es Schätze. Die Torte gehört zum Niederrhein wie Kühe und Kopfweiden. Früher fehlte sie auf kaum einer festlichen Kaffeetafel zwischen Mönchengladbach und Emmerich. Ein niederrheinisches Mysterium also...
Wer sich mit der Geschichte dieses Traumes aus Sahne, Baiser und Sonstwas beschäftigt, stößt schnell auf Heinrich Wilms. Der Krefelder Konditor soll die Torte 1908 erfunden haben. So steht’s auf Internetseiten, in Presseberichten, überall. Im Online-Lexikon Wikipedia wird die Grillage im Eintrag zur Stadt Krefeld als örtliche Spezialität identifiziert - und sogar vor der Nougat-Raute Nappo genannt. Aber: „Einen historischen Beleg dafür gibt es nicht“, sagt die Krefelder Stadtarchivarin Elisabeth Kremers. Die Erzählung über Konditor Wilms kennt sie unter anderem aus dem Buch „...bitte mit Sahne!“, in dem sich Andreas Storz mit dem kulinarischen Krefeld beschäftigt. Storz hat mit Konditor Wilms‘ Nachfahren gesprochen. Und ist sicher: „Die Geschichte stimmt!“
Die Recherchen des Amtes für Rheinische Landeskunde weisen weg von Krefeld. Ende der Neunziger wurde zwischen Eifel und Emmerich eine Erhebung zum Begriff Grillage/Grillasch gemacht. Sprachforscher Peter Honnen, Rheinhauser von Geburt und bekennender Grillage-Fan, recherchierte noch weiter. Ergebnis: Der Begriff komme wohl aus Österreich, wo „Grillage“ so viel bedeute wie Krokant - also in Zucker geröstete Nüsse, eine Hauptzutat der Torte. Honnen fand Rezepte für die Torte in österreichischen Kochbüchern. Unsere Grillage eine Österreicherin? Möglich. Aber auch in den Büchern schlesischer Bäcker tauchen entsprechende Rezepte auf. Diese allerdings stammen aus den 20er Jahren, entstanden also nach 1908, als die Torte in Krefeld angeblich erfunden ward... Status: ungeklärt.
Deutlich belegt die Studie hingegen, dass die Grillage am Niederrhein ihre Heimat gefunden hat. Eine „Tortengrenze“ teilt demnach das Rheinland. Nördlich einer Linie von Aachen ins Bergische Land kennt man die Leckerei, südlich ist sie unbekannt. Das belegen rund 1700 Fragebögen. Am weitesten verbreitet ist sie am linken Niederrhein. Warum? Noch so ein Rätsel... Und noch etwas brachte die Studie zutage: Die Grillage verschwinde, beklagten viele Niederrheiner. Und hier kommt der Viersener Bäcker Heinz Lamers ins Spiel: Getrieben vom Presseecho auf die Studie gründete er eine Initiative: http://www.rettet-die-grillagetorte.de/ heißt sein Online-Tummelplatz für Grillage-Fans. Rezepte gibt‘s hier, vom „Hausfrauenrezept“ bis zur Profi-Anleitung. Und im Forum Liebeserklärungen von Exil-Niederrheinern. Etwa von der Krefelderin Bettina aus dem Niederbergischen („...das Schlimmste: KEINE GRILLASCHTORTE weit und breit...“) oder von Liselotte Swah aus Kanada („...wenn ich nach Deutschland fliege, MUSS ich immer Grillage Torte essen...“).
Also definitiv ein Stück Niederrhein. Heimat ist eben Gefühlssache. Essen auch.
Wie machen Sie Ihre Grillagetorte? Schreiben Sie uns einfach - direkt hier als Kommentar oder per E-Mail an heimat@nrz.de .
14:59
Liebe Frau Kleinen, liebe Frau Thomas,
das Rezept für die im Heft abgebildete Grillagetorte finden Sie in dem Kasten, der oben links im Text steht. Es ist das Rezept der Moerser Konditors Klaus Mehrhoff, also eine Anleitung eines Profis. Weitere, teils auch weniger aufwändige Rezepte finden Sie auch im Internet, zum Beispiel bei www.chefkoch.de.
Lieber Herr Lamers, keine Ursache :).
19:03
Hallo,auch ich hätte gern das Rezept
von der abgebildeten Grillagetorte
im Magazinheimat
Im vorraus vielen Dank Ute Thomas
18:41
Hallo Herr Gerstenberger,
ich freue mich, dass Sie mit mich mit ihrem Bericht an der Aktion Rettet die Grillagetorte unterstützen. Vielen Dank!
13:25
Hallo,
ich hätte gerne das Rezept von der Grillagetorte, die im Magazin heimat abgebildet ist.
Im voraus vielen Dank.
Mit freundlichen Grüssen
Stefanie Kleinen