Und plötzlich wurde es Nacht
03.07.2009 | 22:49 Uhr 2009-07-03T22:49:00+0200
Düsseldorf/Duisburg/Essen/Mülheim. Überflutete Tunnel, überschwemmte Straßen, umgeknickte Bäume und vollgelaufene Keller: Vom Niederrhein zog gestern eine breite Gewitterfront über Ruhrgebiet und Rheinland. Feuerwehr und Polzei mussten landesweit mehr als 1000 Mal ausrücken.
So düster sieht ein Wetterumschwung mit Knall aus: Vom Niederrhein her zog gestern ab dem Nachmittag eine breite Gewitterfront als tiefschwarze Wolke über das Land bis ins Ruhrgebiet. Höchste Warnstufe beim Wetterdienst Meteomedia. Auf das schwülwarme Wetter mit bis zu 33 Grad in NRW stieß eine Kaltluftfront, die im Vergleich dazu kühle 19 Grad mitbrachte. Landesweit waren Polizei und Feuerwehr im Dauereinsatz. Die Helfer mussten mehr als 1000 Mal ausrücken. Umgestürzte Bäume, geflutete Straßen, überall vollgelaufene Keller – in Schächten und Unterführungen stand das Wasser zum Teil meterhoch. Immer wieder schlug der Blitz ein.
In Duisburg musste die Feuerwehr Autos aus der überschwemmten Unterführung Koloniestraße schleppen. 400 Anrufe gingen dort bei der Polizei ein, auch bei der Feuerwehr klingelte das Telefon ununterbrochen. Ein Hausdach war unter den Wassermassen zusammengebrochen. Auf Straßen und in Unterführungen stand das Wasser knietief. Gullideckel wurden hochgespült, Verkehrsknotenpunkte mussten gesperrt werden.
Massive Verspätungen
Bei der Bahn kam es zu massiven Verspätungen. Viele Züge fielen komplett aus. Zwischen Essen und Düsseldorf ging zeitweise nichts mehr. Wegen Oberleitungsschäden am Essener Hauptbahnhof konnten Züge zeitweise nur auf einem Gleis fahren. Abgefallene Äste störten die Strecken in Richtung Essen-Werden. Der Terminal-Bahnhof am Düsseldorfer Flughafen musste komplett gesperrt werden. 40 Zentimeter hoch stand dort das Wasser. Auch die Danziger Straße – die wichtigste Verbindung aus der Landeshauptstadt Norden – war unbefahrbar. Dort stand das Regenwasser sogar 1,50 Meter hoch. Im Dominikus-Krankenhaus war zeitweise der Strom ausgefallen. Polizei und Feuerwehr verzeichneten in der Landeshauptstadt 350 Einsätze. Mehrfach schlug der Blitz in Wohnhäuser ein. Dabei wurde ein Mann verletzt, er musste vom Notarzt ins Krankenhaus gebracht werden.
Mindestens zwei Straßenbahnlinien traf ein Blitz in Mülheim, der zentrale Busbahnhof stand zeitweise einen halben Meter unter Wasser. Das städtische Rechenzentrum drohte abzusaufen. Die Gemeinde Uedem im Kreis Kleve litt ebenfalls schwer unter den Wassermassen. Über 100 Einsätze mussten Polizei und Feuerwehr hier binnen weniger Stunden fahren.
Bis zu 60 Liter Regen pro Quadratmeter
Großer Schreck auch in Xanten, wo am vergangenen Wochenende 13 Menschen durch Blitzschlag verletzt worden waren. Diesmal schlug ein Blitz in den Kamin eines Xantener Einfamilienhauses ein.Verletzt wurde dabei niemand. Die Hauselektrik war dennoch hin. „Örtlich sind bis zu 60 Liter pro Quadratmeter runtergekommen”, so Meteorologe Jürgen Wolf. In Dinslaken stürzte ein Baum auf ein fahrendes Auto, die beiden Insassen blieben unverletzt. Die Feuerwehr musste dort 40-mal ausrücken.
Ausnahmezustand auch an den Flughäfen in der Region: Der Airport Weeze musste zeitweise gesperrt werden, weil die Landebahn unter Wasser stand. Ab 18 Uhr konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Auch der Flugverkehr in Düsseldorf wurde für 80 Minuten ausgesetzt. Die Ankunft-Ebene im Terminal stand unter Wasser. Ab 19.20 Uhr konnten die Flieger wieder starten und landen.
Chaos auf den Autobahnen
Verkehrschaos herrschte auch auf den Autobahnen im Land: Mehrere Tunnel auf der A44 mussten wegen Überflutung gesperrt werden, außerdem verschiedene Autobahnabschnitte im Raum Düsseldorf. Allein auf Essener Stadtgebiet konnte die A40 an zwei verschiedenen Stellen nicht mehr befahren werden. Vermutlich wegen Aquaplaning kam es zu einem schweren Unfall auf der A52: Eine Person wurde schwerverletzt im Auto eingeklemmt und musste von der Feuerwehr befreit werden. Eine weitere Person wurde leicht verletzt.
Glück im Unglück hatten dagegen zwei Männer in Neuss. Sie waren im Keller einer Tauchschule von Wassermassen überrascht worden, die die Tür zudrückten. Im Notfall wären Atemgeräte zur Hand gewesen. Aber die Feuerwehr kam rechzeitig und rettete die beiden Männer. NRZ
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