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Täter und Opfer

07.04.2009 | 19:17 Uhr

Über die Aufarbeitung der DDR-Dopingvergangenheit

Perversion, Vertuschung, Verarschung : Es sind schwere verbale Geschütze, die von den Doping-Opfern aus der ehemaligen DDR aufgefahren werden – aus Sorge vor einer „Generalamnestie” früherer Doping-Trainer.

In einer Zeit, in der sich die Gesellschaft in der Wahrnehmung weiter Teile der Öffentlichkeit eh stärker mit Tätern denn mit Opfern beschäftigt, dürfen die Geschädigten des flächendeckenden Dopingsystems in der DDR viel Verständnis für ihre Empörung erwarten. Steht doch dahinter die Furcht, am Ende wieder als die Dummen dazustehen.

Dass der Konflikt um die Bewältigung der Dopingvergangenheit der DDR auch zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung noch so hohe Wellen schlägt, ist schließlich darin begründet, dass sich die Opfer über Jahre – um es milde zu formulieren – vernachlässigt fühlten. Nicht nur bei ihnen drängte sich in dieser Zeit der Eindruck auf, dass der deutsche Sport angesichts der Erfolgsbilanz früherer DDR-Trainer nicht gerade ein brennendes Interesse daran hatte, die Hintergründe zu erhellen. Eine Einstellung, die von einer Haltung gespeist wurde, die aus der Nachkriegszeit hinreichend bekannt ist: Irgendwann muss auch mal gut sein ...

Nicht minder fragwürdig ist allerdings die gegenteilige Position, Trainern, die in einem Doping-System gearbeitet haben, grundsätzlich keine neue Chance mehr zu geben.

Immerhin: Hinter dem jetzt erzeugten Pulverdampf sind auch versöhnliche Zeichen sichtbar. Die Dopingopfer machen deutlich, dass auch ihnen an einer „Annäherung von Tätern und Opfern” gelegen ist, und DOSB-Präsident Thomas Bach verspricht, sich auch künftig für „Einzelfallgerechtigkeit” einzusetzen. Ohne einen Dialog und ein gemeinsames Vorgehen aber ist keine Vergangenheitsbewältigung möglich.

Reinhard Schüssler

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