Sind die Umweltzonen ein Flop?
30.06.2009 | 20:12 Uhr 2009-06-30T20:12:00+0200
Essen. Die Autolobbyisten des ADAC haben Städte mit Umweltzonen und solche ohne verglichen. Ihr Ergebnis: Umweltzonen verbessern die Luftqualität nicht wesentlich. Auch in Ruhrgebietsstädten ist die Feinstaubbelastung noch immer hoch. Das Umweltministerium glaubt trotzdem an den Erfolg der Zonen.
Bundesweit richten immer mehr Städte Umweltzonen ein. So gesehen ist der Versuch, mit Fahrverboten die Luftqualität in den Städten zu verbessern, ein Erfolgsmodell. Die Sinnhaftigkeit von Umweltzonen, die etwa das Ruhrgebiet derzeit wie ein Flickenteppich überziehen, wird indes immer noch infrage gestellt. So von den Autolobbyisten des ADAC, die jetzt in einer Studie nachgewiesen haben wollen, dass Umweltzonen eben nicht zu einer nennenswerten Verbesserung der Luftqualität beitragen.
Der ADAC hat dazu Städte, in denen seit langem Umweltzonen existieren, mit solchen ohne diese Zonen verglichen. Konkret: Berlin, Mannheim, Stuttgart, Tübingen und Ludwigsburg mit Potsdam, Ludwigshafen, Karlsruhe, Pforzheim, Heilbronn, Herrenberg und Mühlacker. Verglichen wurden die Tagesmittelwerte der Schadstoffbelastung in den Jahren 2007 und 2008.
"Kein bemerkenswerter Einfluss von Umweltzonen"
Der Vergleich habe gezeigt, dass „kein bemerkenswerter Einfluss von Umweltzonen” feststellbar sei, so das Ergebnis. Ein Beispiel: In Berlin, wo 2008 eine Umweltzone eingerichtet wurde, veränderte sich die Feinstaubkonzentration im Vergleich zu 2007 in einer Spannbreite von minus 4,7 Prozent bis plus 5 Prozent. Im benachbarten Potsdam lag die Streuung bei minus 1,9 Prozent bis plus 2,1 Prozent.
Nun muss diese Erkenntnis des ADAC nicht sonderlich überraschen: Der Autofahrerclub trommelt seit jeher gegen Umweltzonen, durch die er die Mobilität seiner Mitglieder beeinträchtigt wähnt. Allerdings vermeldet auch das Landesumweltamt in Nordrhein-Westfalen in vielen Städten trotz Umweltzonen noch immer eine viel zu hohe Feinstaubbelastung. In Duisburg-Bruckhausen und der Gladbecker Straße in Essen sind die zulässigen Jahresgrenzwerte schon jetzt fast überschritten. Zulässig sind laut Europäischer Union 35 Tage im Jahr, an denen die Luft mit mehr als 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter belastet ist. In Duisburg und Essen sind bereits je 32 Überschreitungstage gemessen worden.
Ministerium glaubt weiter an den Erfolg
Also doch ein Flop? Auf solche Diskussionen will man sich beim Landesumweltministerium in Düsseldorf nicht einlassen: „Wir halten Stellungnahmen wie die des ADAC für verfrüht und für nicht zutreffend”, so Sprecher Markus Fliege. Im Ministerium sei man noch immer vom Erfolg der Umweltzonen überzeugt. Was die erste Umweltzone in Nordrhein-Westfalen in Köln gebracht hat, soll sich alsbald zeigen. Die wurde Anfang 2008 eingerichtet. In Kürze sollen laut Umweltministerium die ersten Auswertungen vorliegen. Für das Ruhrgebiet ist allerdings erst im Sommer 2010 mit konkreten Ergebnissen zu rechnen.
Immerhin: Bis dahin will das Land warten, bis die bisherigen Regelungen verschärft werden, also Autofahrer mit roten oder gelben Plaketten aus den Innenstädten ausgesperrt werden.
Umweltzone Ruhrgebiet - Haben Sie bereits Erfahrungen gemacht?
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Kritik an den Umweltzonen, speziell denen im Ruhrgebiet, kommt auch von ganz anderer Seite: „Der Flickenteppich in Nordrhein-Westfalen gefährdet die Glaubwürdigkeit der Umweltzonen in der politischen Diskussion”, ärgert sich Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). An der grundsätzlichen Wirksamkeit von Umweltzonen hat Resch keine Zweifel, die bisherigen Regelungen gehen ihm aber einfach nicht weit genug. Ihm schweben Durchfahrtsverbote für Lastwagen, Baumaschinen und Schienenfahrzeuge mit Partikelfiltern vor. Für die Studie des ADAC hat er nur Verachtung über: „Interessengetriebene Organisationen kommen eben zu ihnen genehmen Ergebnissen”.
14:13
Was ich an der ganzen Sache nicht verstehe... Ich dachte immer, man bekommt Punkte für den gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr oder für verkehrsgefärdendes Verhalten. Ich kann solche aber bei fahren ohne eine Plakette nicht erkennen! Das ist der Gipfel der Dreistigkeit, um die Gefolgsleute gefügig zu machen. Ich sehe nur, dass durch die steigenden Energiekosten, sich immer mehr Menschen einen Holzofen ohne Filterung anschaffen. Fragt sich, ob hierdurch nicht mehr Feinstaub produziert wir! Im Großen und Ganzen bringt diese Abzocke nur der Autoindustrie etwas. Wie kann es sein, dass nach den neuen Beschlüssen ein Panzer umweltfreundlicher als ein Smart ist. V8 Autos lassen sich halt besser verkaufen und bekommen so schöne grüne Label, obwohl sie größere Umweltsäue als ein Käfer von 1960 sind und wir als Oldtimer Liebhaber als Umweltschweine hingestellt werden. Dabei vergisst man auch gerne mal die Umweltbelastung die durch die Produktion eines Neuwagens entstehen. Kein Autohersteller hat in den letzten Jahren auch nur einen großen Sprung in Richtung spritsparen gemacht. Auch ein Golf 1 Diesel ist schon mit 6 Litern Sprit ausgekommen und der hatte kein Feinstaub, sondern Produzierte Briketts aus dem Auspuff . Natürlich sind moderne Autos umweltverträglicher. Aber die natürliche Flottenerneuerung sollte doch die Umweltverträglichste sein. Man könnte ganze Bücher mit dem Irrsinn der modernen Politik füllen und es ist eher ein Trauerspiel als irgendeine Verbesserung der Umweltsituation die durch die Lobbyisten im Bundestag durchgesetzt werden. Jeder sollte seine eigene Umweltbilanz mal überdenken und z.B. wenn es geht mal mit dem Bus oder Fahrrad fahren. Aber das ist dann noch einmal eine ganze andre Geschichte
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15:59
Umweltzonen und Wunschdenken
Aha, das Ministerium glaubt an den Erfolg der Umweltzone. Sorry, aber für Glauben ist die Kirche zuständig. Nachdem auf amtlichen Messungen basierende Erkenntnisse vorhanden sind, muss auch nicht mehr irgend etwas geglaubt werden. Das Wissen ist ferner bei korrekter Auswertung identisch, ob verkündet vom ADAC, von einem Ministerium, der Deutschen Umwelthilfe oder einem grüngetarnten Systemveränderer: Gegen Ende 2001 war der Gotthardtunnel (Schweiz) für zwei Monate gesperrt. Der sonst sehr lebhafte Transitverkehr mit allein schon mehr als 4000 LKW pro Werktag kam überregional völlig zum Erliegen. Die Belastung mit Stickstoffmonoxid (NO) sank in der Folge um mehr als die Hälfte, die von Stickstoffdioxid (NO2) noch um fast einen Drittel. Doch selbst in diesem Extremfall waren keine tieferen Feinstaubwerte nachweisbar. Ja, so ist es mit der Glaubensfreiheit. Man kann die Verantwortlichen für ihre auf Glauben beruhenden Fehlleistungen nicht zur Rechenschaft ziehen!
09:04
#r.kant:
da Sie es so genau zu wissen scheinen, verraten Sie uns doch mal woher der Feinstaub herkommt?