Plötzlich ganz kleinlaut
30.04.2009 | 18:56 Uhr 2009-04-30T18:56:00+0200
Gutachten: Polizeieinsatz im Duisburger "Flaggenskandal" war rechtmäßig. Politiker lehnen Entschuldigung bei Beamten ab.
Zum Schluss herrschte das große Schweigen. Dieselben Abgeordneten, die nach dem sogenannten „Flaggenskandal” von Duisburg den Polizeieinsatz wortreich als „rechtswidrig” kritisiert hatten, reagierten gestern im Innenausschuss ganz kleinlaut – und sagten nichts. Ein frisches Gutachten bescheinigt der Polizei, am 10. Januar „rechtmäßig” gehandelt zu haben, als sie bei der Demonstration gegen den Krieg im Gazasstreifen von einem Haus zwei israelische Fahnen entfernte. Es habe, so Rechtswissenschaftler Prof. Vahle, eine „erhebliche Eskalation” gedroht, mit Gefahr für Leib und Leben von Polizisten, Teilnehmern und Journalisten.
„Schwarzer Tag”
Frank Richter, Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in NRW, verließ wütend den Innenausschuss. Seine Forderung an alle Fraktionen, sie müssten sich für die „vorschnelle Verurteilung der Polizei” entschuldigen, stieß auf taube Ohren – etwa bei Karsten Rudolph (SPD), der über einen „schwarzen Tag für die Demokratie” geschäumt hatte, oder bei Monika Düker (Grüne). Auch Innenminister Ingo Wolf (FDP) sagte nichts. „Eine riesengroße Sauerei”, reagierte Richter, „das ist eine Frage des politischen Anstands.”
Neben dem Bielefelder Gutachter kommt auch das Polizeipräsidium Essen in einer Nachbereitung des Einsatzes zu dem Schluss, die Duisburger Kollegen hätten die Lage richtig eingeschätzt. Für einen gewalttätigen Verlauf der Demo, zu der die islamische Milli Görüs aufgerufen hatte, gab es demnach keine Hinweise. Die zwei Flaggen, die plötzlich für gereizte Stimmung unter den 10 000 Teilnehmer sorgten, seien erst im letzten Moment herausgehängt worden, bevor der Zug das Haus passierte.
Der gestrige Bericht rekonstruiert die Ereignisse, die bundesweit für Aufregung sorgten: Gegenstände und Eisbrocken flogen gegen das Haus, vorbeigezogene Demonstranten kamen zurück. Versuche der Polizei, mit Megaphon die hitzige Situation abzukühlen, schlugen fehl. Da 14 Beamte die „hochemotionalisierte” Menge ohne „unkalkulierbare Risiken” nicht mehr von dem Gebäude abdrängen konnten, brach die Polizei zwei Wohnungstüren auf und entfernte die Flagen. Der Gutachter: „Das Eindringen in die beiden Wohnungen im Haus Claubergstraße 38 und die Sicherstellung der Fahnen waren rechtmäßig.”
Video ins Internet
Erstmals bestätigte das Ministerium auch offiziell, was die NRZ berichtet hatte. Der Wohnungsinhaber, ein deutscher Staatsbürger und den vom Verfassungsschutz beobachteten linken „Antideutschen” zuzurechnen, habe die Polizeiaktion provozieren wollen. So sei der Einsatz der Beamten „zielgerichtet” als Video aufgenommen und ins Internet gestellt worden. Der Mann sei schon mehrfach aufgefallen, unter anderem durch politisch motivierte Sachbeschädigung, eine strafbare Hausbesetzung oder Verstoß gegen das Vermummungsverbot. Auch in Duisburg, nachdem sich die Lage beruhigt hatte, zeigte sich eine Person „augenscheinlich bewusst” auf dem Balkon des Hauses, was erneut wütende Reaktionen hervorrief. Die Polizei verwies ihn daraufhin der Wohnung.
Für die Fraktionen war die Sache damit gestern erledigt. Für Richter nicht. Er wisse gut um das sensible Verhältnis zu Israel, sagte der Gewerkschaftschef der NRZ. Aber die Polizei schütze die Demokratie – „und sie wurde von der Politik in eine Ecke gestellt, wo sie nicht hingehört.” NRZ
02:15
Da hat der Polizeipräsident Cebin noch einmal Glück gehabt. So glimpflich sollten auch seine S-Beamten davon kommen, die von ihm persönlich an den Pranger gestellt werden....
Sicherlich hat er das auch seinem Amte als PP zu verdanken.
06:44
Wir sind nicht in Israel und befinden uns nicht im Kriegszustand . Na ja das mit der friedlichen Demo ....
Es war nur zu wenig Polizei da ......die die kriminellen Provokateure auf der Strasse gewähren liessen.
Aber die Polizeiführung war ja lernfähig Wochen später war diese ja mit Hundertschaften da.
Wie sagte mein Freund ( Türke+Moslem) Die deutsche Polizei ist sehr oft naiv. Recht hat Er.
14:17
Es war eine friedliche Demonstration die durch unser GG geschützt ist. Erst als der krimminelle Provokateur Öl ins Feuer geschüttet hat war die Sicherheit auch unbeteiligter Passanten gefährdet. Deshalb hat die Politei richtig gehandelt. Zum Vergleich auch in Israel kann nach einem Selbstmordanschlag niemand die Flagge der Palistinänser in der Öffentlichkeit schwenken ohne um sein Lebenfürchten zu müssen oder?
20:16
Die einzigsten: die Rassistisch motivierte Aufstachelung zum Rassenhass auf Menschen anderen Glaubens aufriefen, tobten auf der Straße .
Aber da war die Polizei blind .
Aber es liegt in der Tradition . Oder, warum fällt mir da immer wieder die Zeit der Kristall - Nacht in der Nazizeit ein.
15:57
Die Polizei hat sich klug und umsichtig verhalten. Der kriminelle Provokateur hätte verhaftet werden müssen um sich vor sich selbst zu schützen. Rassistisch motivierte Aufstachelung zum Rassenhass auf Menschen anderen Glaubens ist durch das GG nicht gedeckt.
16:12
Ich stimme #2 zu, so ein Gutachten würde mich auch stumm machen - stumm vor Wut. Wo sind wir hier eigentlich?
Dieses Gutachten hatte doch nur den Zweck, die disziplinarrechtliche Bestrafung der beteiligten Polizisten zu verhindern.
Schreibt die Polizei jetzt schon die Kommentare für die NRZ?
10:38
Der zusätzliche Kommentar in der heutigen NRZ zu diesem Thema ist eine Unverschämtheit. Die allgemeine Beschimpfung unserer Politiker, die mit dem Eingreifen der Polizei in Duisburg nicht einverstanden waren - zu Recht wie ich meine - ist völlig überzogen. Wo leben wir eigentlich, dass wir auf Befindlichkeiten der Milli Görus Rücksicht nehmen müssen?
03:14
Das Recht wurde nicht geschützt ! Gilt eigentlich noch das GG und das Bürgerliche Gesetzbuch ?
Wofür sind eigentlich noch diese Abgeordneten da.
Sehen wohl nur noch Euro`s bei der West -LB ????