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Meister Pröpper baut so sauber

22.02.2008 | 17:50 Uhr

Wenn Heinrich Pröpper am Donnerstag den Helm aufsetzt und neben einem lächelnden Oberbürgermeister für die Kameras am Grundstein für den Bürgersaal an der Ratinger Straße ein bisschen herummörtelt, dann ist das für ihn längst Routine.

„Ich hab' in den letzten fünf Jahren mehr Quadratmeter Fläche geschaffen als mein Vorgänger in zwanzig”, prahlt der Chef der städtischen Bau-, Planungs- und Entwicklungstochter IDR. Stimmt.„Die IDR kann mehr”, hatte Oberbürgermeister Joachim Erwin stets betont, nachdem Pröpper im Mai 2001 die Nachfolge von Eberhard Kiesner angetreten hatte, der das Unternehmen ein Vierteljahrhundert prägte. Sie darf mehr, wird Pröpper denken - sie muss mehr, lästern Kritiker, die an Kiesners Sturheit erinnern, sich von der Stadt nicht zu sehr vereinnahmen zu lassen. Kiesner fokussierte sich auf Gewerbeimmobilien. Die sind, wie in Reisholz oder in Rath, immer noch das Brot-und-Butter-Geschäft der IDR. Darin sehen Beobachter auch den Sinn des Unternehmens: eine Entwicklung für ein Gewerbegebiet anstoßen, etwas vorlegen, selbst bauen und verpachten, dann andere Firmen als Nachbarn anlocken. Das klappt vorzüglich. Siehe Theodorstraße.  Doch Pröpper hat wohl keine Wahl, wenn er auch um Exotisches gebeten wird. Und so piesacken ihn bei allen Erfolgen Zeitungsberichte über den Lüpertz-Pavillon zur Quadriennale, dem das Etikett Ladenhüter anhaftete oder die mobile Rheinoper für 1,7 Millionen, die statt einer Million im Weiterverkauf nur etwa die Hälfte brachte, weil die Auf- und Abbaukosten vom Kaufpreis abgezogen wurden. Und dass er bei seinem Versuch, fürs Parkhaus am Dome in Rath zehn Euro pro Abend zu kassieren, durch öffentlichen Druck auf fünf gestutzt wurde, schmeckt ihm gewiss nicht. Auch den Bürgersaal, bald Wohnzimmer der Heimatvereine, muss die IDR stemmen, was leichter werden könnte als befürchtet, seit sich die Schlösser-Brauerei als Pächter gemeldet hat. Darüber liegende Eigentumswohnungen, Büros und die Tiefgarage sollen die Investition zudem auffangen. Zuletzt wurde der „Dome”-Baumeister Pröpper gar zum Schlossherrn, weil das vor sich hinrottende Schmuckstück in Eller fürsorglicher Hände bedarf, nachdem die Provinzial Versicherung als jahrelang gehandelter Investor sich ihre daran nicht verbrennen wollte. Dafür gab es allerorten Lob - doch wie sich die IDR später dort auch noch erfolgreich als Vermarkter schlagen wird, darf man mit Interesse beobachten. „Wir sind keine Restaurantbetreiber, aber wir werden die Immobilie für einzelne Anlässe vermieten”, erklärt Pröpper. Wenn die Stadt nicht kann und Private nicht wollen, spielt die IDR eben Feuerwehr. „Wir kommen zu leichteren Problemlösungen und tragfähigen Konzepten, weil wir die Bauchschmerzen von beiden Seiten kennen”, beschreibt Pröpper das. Zudem müsse die IDR zwar auch Geld verdienen, um investieren zu können. „Aber wir gehen ja von einer anderen Rendite aus als ein rein Privater das tut.” Im Aufsichtsrat reagierte mancher erstaunt, als er das Engagement in Eller aus der Zeitung erfuhr. „Die wesentlichen Leute haben's gewusst”, gibt der IDR-Chef kühl lächelnd zurück, der seine gewachsene Bedeutung spürbar genießt. In Teilen des Kontrollgremiums schätzt man solches Verhalten weniger, Pröppers Sachverstand und Verhandlungsgeschick werden aber einhellig gelobt. Als Kostenkontrollierer beim Bau der LTU-Arena lernte die beauftragten Unternehmer ihn als harten Manager kennen. Dass seine Mitarbeiter ihn beim Nachtgebet nicht zuerst nennen, wird ihm nicht den Schlaf rauben. Sorgen machen muss sich Pröpper derzeit nicht, er genießt die Rückendeckung des OB und meistens auch des gesamten Aufsichtsrates - der ihm offenbar jedoch nicht immer uneingeschränkt vertraut: Ein dem Vernehmen nach von SPD, Grünen und Arbeitnehmervertretern initiierter Versuch, einen zweiten Mann an der Spitze der IDR zu installieren, scheiterte allerdings. Auch Fragen nach vergaberechtlichen Risiken, die sich daraus ergeben könnten, dass die IDR privatrechtlich gegründet wurde, aber eine städtische Tochter ist, werden nur hinter vorgehaltener Hand diskutiert. Und das Engagement der IDR im Kö-Bogen-Projekt lässt sogar bei Aufsichtsratsmitgliedern Fragen offen. Bei vereinzelten Ratsherren und -frauen ist ein gewisses Unbehagen zu spüren. Die Qualität der IDR-Arbeit ist über alle Fraktionen hinweg anerkannt. Doch dass Projekte, die ihr die Stadt anvertraut, der Kontrolle des Rates entzogen sind, schmeckt nicht jedem. Zwar sitzt die Politik im Aufsichtsrat, doch das, so ein Ratsmitglied, sei nicht zu vergleichen, „denn da wird im Zweifel immer im Sinne des Unternehmens entschieden.” Und dabei ist die IDR als Tochter der Stadt ein Enkelkind des Steuerzahlers.

Frank Preuss

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