Erfreuliche Lebenszeichen
09.07.2009 | 18:34 Uhr 2009-07-09T18:34:00+0200Der Konjunkturverlauf gibt Anlass zur Hoffnung.
Noch bevor die Wirtschaftskrise bei vielen Menschen so richtig angekommen ist, nähern sich erste Länder und Branchen dieser Tage schon ihrem Ende. Die deutsche Industrie gibt erste erfreuliche Lebenszeichen von sich. Die Chinesen melden sich mit kräftigen Wachstumsraten zurück. Und immer mehr Ökonomen schüren die Hoffnung, dass der rasante Konjunktureinbruch einen V-förmigen Verlauf nehmen könnte - es also jetzt eben so schnell wieder bergauf geht wie es nach der Lehman-Pleite im letzten Herbst bergab ging.
War alles also doch nur halb so schlimm? Erweist sich die „schlimmste Wirtschaftskrise nach dem Krieg“ als laues Lüftchen, das an der Mehrheit der Bürger nun doch ohne größere Verwerfungen vorüberzieht?
Keineswegs. Die Nachwehen dieser epochalen Rezession werden noch lange zu spüren sein. Erste Eindrücke davon, welche Schäden der dramatische Einbruch der Wirtschaft angerichtet hat, ergaben jüngst die Etatplanungen von Bund, Ländern und Gemeinden. Für Bildung, für Sozialleistungen, für wichtige Zukunftsinvestitionen hat der Staat in den nächsten Jahren kaum mehr Geld zur Verfügung.
Allein daran und an den noch kommenden Erschütterungen auf dem Arbeitsmarkt lässt sich ermessen, wie heftig die Finanzkrise unser Wohlstandsmodell erschüttert hat. Es mag zutreffen, dass der Exportweltmeister Deutschland bei einem globalen Boom auch als erster wieder wachgeküsst wird. Doch die weltweiten Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen und die Veränderung in der Nachfrage stellen auch Deutschland, seine Industrie und sein Wachstumsmodell vor gewaltige Herausforderungen. Große Autos, globales Wachstum auf Pump, übertriebene Lohnzurückhaltung im Inland und jenseits aller Vernunft gehebelte Geldinstitute – das alles sind die Stichworte der Vergangenheit, mit der sich die Zukunft nicht gewinnen lässt. Deshalb: Wer nach den ersten erfreulichen Konjunktursignalen schnell wieder in den alten Trott verfallen will, begeht einen fürchterlichen Fehler. Der Patient ist auf dem Weg der Besserung – gesund aber ist er noch lange nicht. NRZ
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