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Ein Tag im Zoo: Abenteuer Tierpfleger

06.07.2009 | 19:14 Uhr
Ein Tag im Zoo: Abenteuer Tierpfleger

Duisburg. Papageien füttern und mit dem Delfin schwimmen – im Duisburger Zoo gibt's bei einem exklusiven Einblick in die Arbeit eines Tierpflegers viel zu erleben.

So ein Amazonasdelfin ist auch im hohen Alter richtig neugierig. Von dem Moment an, da ich meinen Fuß in das badewannenwarme Becken gesetzt habe, dreht „Baby” seine Bahnen um mich. Aufmerksam umkreist er mich Neuankömmling mit der roten Badehose und der Bürste in der Hand.

Sein Name ist missverständlich. Denn der Delfin ist inzwischen ein wahrer Opa. Über 34 Jahre alt, schlägt er die Prognosen aus Lehrbüchern um Längen. Demnach dürften Amazonasdelfine eigentlich nur 25 bis 30 Jahre alt werden. Sein Gefährte „Apure” ist vor drei Jahren gestorben, seitdem ist Baby der älteste bekannte Amazonasdelfin der Welt.

Ein sanfter Riese

Trotzdem passt der Spitzname zu dem über zwei Meter langen und rund eine viertel Tonne schweren Tier – Baby ist ein sanfter Riese. Voller Neugier und Vertrauen. Ich fühle mich wie ein willkommener Gast in dem Reich des erhaben wirkenden Tieres, das mit sanften Schlägen seiner Fluke genannten Hinterflosse durchs Wasser gleitet. Im Vorbeischwimmen streiche ich über die glatte, dicke weiß-graue Haut. Ein unglaubliches Gefühl! Wie nasses Gummi.

Auch der kleine Ameisenbär hat Hunger: auf lebener Mehlwürmer. (Foto: Ulla Emig)

Die Duisburger Tierpfleger bei ihrer Arbeit zu begleiten, ist ein exklusives Vergnügen. Dafür gibt es jedes Jahr nur wenige Plätze (siehe Kasten). Los geht's für mich um Punkt 8 Uhr: Betriebsbeginn hinter den Kulissen am Lieferanteneingang. Die Kassen öffnen erst in einer Stunde, dutzende Pfleger schwärmen aus.

Säckeweise Reis

Hier ist es genau so, wie man sich den Hinterhof eines Zoos vorstellt: Zwischen Fahrzeugen und Handwerkern stolziert ein Pfau umher. Palettenweise stehen Kartoffeln und Erdbeeren bereit, daneben säckeweise Reis. Unter jedem Dach Vogelnester, heiteres Gezwitscher. Auf ins „Rio Negro”, den Aquariumbereich. Das ist eins der zwölf Reviere im Zoo, die rund 45 Mitarbeiter von früh bis spät versorgen.

Vorbereitungen fürs Frühstück: Tierpfleger Patrick Koch (links) und NRZ-Mitarbeiter Julian Weimer bereiten den Brei für die Ameisenbären vor. (Foto: Ulla Emig)

Tierpfleger Patrick Koch hat schon die ersten Teller vorbereitet. Bananen, Erdbeeren, Kopfsalat, Gurken, Trauben – eine bunte Mischung für die Bewohner des Hauses. Es ist viel zu tun. Das Rio Negro ist so vielfältig wie die artenreichste Region der Erde, der es gewidmet ist. Hier gibt's riesige Spinnen und Stabheuschrecken, faustgroße Schnecken, Skorpione, zwei Gelbbrustaras, grüne Leguane, Tamanduas (das sind kleine Ameisenbären), Krokodile, Piranhas, Zwerg- und Riesenotter und noch viel mehr Tiere.

Den Ara auf der Schulter

Darum können wir heute auch nur einige von ihnen besuchen. Zuerst die zwei Gelbbrustaras. Die fast einen Meter großen Papageien sind noch versteckt untergebracht, weit abseits der Besucherwege. Bald sollen sie im Rio Negro frei umherfliegen, seit einem Jahr gewöhnt sie Patrick Koch schon an den Menschen. Und während das Weibchen bereits auf meiner Schulter Platz nimmt, um ein Stück Obst zu ergattern, warnt mich der Tierpfleger: „Bloß nicht näher ans Männchen. Wenn der zubeißt, kann der Finger ab sein!”

Da sind mir die Tamanduas deutlich lieber. Sie schlecken lebende Mehlwürmer mit ihrer spitzen, langen Zunge aus meiner Hand, während Patrick Koch den Hauptgang serviert. Eine unglaubliche Mischung: Eier, Tomaten, Haferflocken, Hundekuchen, Honig, Garnelen, Rinderherzen – um nur einige der Zutaten des braunen Breis zu nennen. Das stinkt. „Ameisen hätten wir nicht in der nötigen Menge”, erklärt Patrick Koch. Tamanduas verdrücken täglich bis zu einem Kilo von ihnen.

Für viele ein Traumjob

Info
Tag als Tierpfleger

200 Plätze pro Jahr

Das Abenteuer „Tierpfleger für einen halben Tag” ist im Duisburger Zoo kein billiges Vergnügen: 250 Euro müssen Interessierte berappen, um rund vier Stunden lang in einem der Zoo-Reviere dabeizusein.

Dennoch ein Erfolgskonzept: Die 200 Plätze pro Jahr sind jedes Mal binnen Stunden ausgebucht. Für 2010 ist der Stichtag am 2. November. Ab dann kann wieder telefonisch reserviert werden. (Juwe/NRZ)

Wie bei allen Zoobewohnern muss diese Futtermenge aber auch wieder raus. Und da fängt für Tierpfleger die richtige Arbeit erst an. „Die Hauptsache ist Mist kratzen”, sagt Patrick Koch und zerstört damit die blauäugig-romantische Vorstellung von der Arbeit.

Dabei erlebt der Job dank der medialer Präsenz derzeit einen regelrechten Boom, sagt Jan Swatek, zoologischer Inspektor in Duisburg. „Die Ausbildung ist unheimlich gefragt!” Aber: Die meisten Bewerber bekommen Absagen, nicht nur in Duisburg. Kaum ein deutscher Zoo braucht derzeit neues Personal.

Ich muss zum Glück nur Delfin Baby putzen. Der ist sogar eifersüchtig, wenn ich mit der Bürste Schnecken von der Scheibe schrubbe und stupst mich am Fuß. Als ich nach vier Stunden aus dem Zoo gehe, hat Patrick Koch die unangenehme Arbeit vor sich. (NRZ)

Julian Weimer

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Kommentare
18.07.2009
18:56
Ein Tag im Zoo: Abenteuer Tierpfleger
von Antonietta | #2

Delfine sind für Delfinarienbesitzer ein gutes Geschäft: Sie locken Zuschauer an und lassen die Kassen klingeln. Doch hinter den Kulissen der scheinbar spielerischen Darbietung läuft ein unerbittliches, für den Delfin oft tödliches Geschäft ab: Viele Delfine sterben bereits während des Fanges und des Transports. Im chemisch aufbereiteten Wasser der engen, kahlen Becken und dem fehlenden biologischen und sozialen Umfeld leben die Tiere unter Streß und Haftpsychose. Die Sterblichkeit der gefangenen Delfine ist außerordentlich hoch. Die Tiere sterben häufig an Lungenentzündung, Herzversagen, Kreislaufkollaps und Vergiftungen. Die Lebenserwartung ist entsprechend niedriger als in Freiheit. Es ist unverantwortlich, diese hochentwickelten Tiere in Gefangenschaft zu halten, weil ihnen selbst die elementarsten Grundbedürfnisse vorenthalten werden: In freier Wildbahn leben Delfine in Gruppen von bis zu 100 Tieren zusammen, erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h, können bis zu 500 Meter tief tauchen und werden 10 Jahre älter als in Gefangenschaft.

18.07.2009
18:55
Ein Tag im Zoo: Abenteuer Tierpfleger
von Antonietta | #1

Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.

Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele Verbesserungen sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.

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