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Düsseldorf stimmt für Obama

08.02.2008 | 22:50 Uhr

US-VORWAHLEN. In einer Altstadt-Kneipe trafen sich Amerikaner zur offiziellen Kandidaten-Wahl.

DÜSSELDORF. Sie will den Wechsel. Der nächste Präsident der USA soll Barack Obama heißen. Abigail Schoppen macht aus ihrer Hoffnung keinen Hehl: "Ich möchte, dass er das Rennen macht." Die 26-Jährige US-Amerikanerin, die aus New-Mexiko stammt und seit einem halben Jahr in der Heimat von Ehemann Martin im Rhein-Erft-Kreis lebt, hat ihrem Wunsch jetzt Nachdruck verliehen: Abigail Schoppen hat bei den Vorwahlen der Demokratischen Partei mitgestimmt. In Düsseldorf. Ein Hinterzimmer in einem Irish-Pub in der Altstadt war dort jetzt Wahllokal.

"America needs your voice" - Amerika braucht deine Stimme: Mit dieser Parole wirbt die Auslands-Organisation der Demokratischen Partei, "Democrats Abroad", noch bis Dienstag weltweit um Unterstützung (siehe Kasten). In Düsseldorf war das Ergebnis deutlich: Barack Obama: 27 Stimmen, Hillary Clinton: 11.

Wer als US-Staatsbürger mit den Demokraten sympathisiert, darf auch in Deutschland in der Frage mitstimmen, wer für die Partei um den Platz im Weißen Haus streiten soll. Einzige Voraussetzung ist ein gültiger US-Pass.

Das Kopf-an-Kopf-Rennen von Hillary Clinton und Barack Obama mobilisiert die Wähler, auch fern der Heimat: "Wir haben in den vergangenen zwei Wochen bundesweit 1200 neue Mitglieder gewonnen", davon etwa 100 in NRW, berichtet Bill Purcell mit Begeisterung. Der New Yorker, der seit sechseinhalb Jahren in Neuss lebt, ist der Chef des "Chapter NRW". Er hat die Abstimmung in Düsseldorf organisiert, kontrollierte am Wahl-Abend die Pässe, verteilte die Wahlzettel und zählte am Ende die Stimmen aus. Das Ausfüllen der Zettel wurde allgemein locker gehandhabt. Die provisorische Wahlkabine hinter zwei Dutzend aufgeklappten Menü-Karten in einer Ecke des Raumes blieb verwaist.

Das "Chapter NRW" ist die kleinste Regionalgruppe der Auslands-Demokraten zwischen Alpen und Nordsee. 23 Namen hatte Purcell anfangs auf seiner Liste. Am Ende sammelten sich 38 Stimmzettel in der aus einem Schuhkarton im stars-and-stripes-Design improvisierten Wahlurne.

Darunter die von Trevor Neuhaus, der aus Bonn angereist war und sich erst in der Kneipe als Partei-Sympathisant eintragen ließ; Ein Parteibuch ist nicht nötig, in den USA muss man zur Abstimmung nur seine Parteipräferenz angeben und per Unterschrift versichern, dass man nicht bereits abgestimmt hat - dann gibt's das Okay zur Vorwahl.

Obwohl Trevor Neuhaus nicht in den USA lebt, fühlt sich der Student vom Präsidentschaftswahlkampf angesprochen. Seine Mutter ist Amerikanerin, der 26-Jährige hat daher die doppelte Staatsbürgerschaft. Für ihn "ist es eine Botschaft an die Welt, wenn Obama Präsident wird".

So sieht es auch Christa Obersteiner, an der nur das rollende "R" verrät, dass sie in Detroit geboren wurde. Seit 1981 lebt die heute 54-Jährige in Düsseldorf. Hier ist sie in der SPD aktiv. Und sie hat das "Chapter NRW" der Auslands-Demokraten mit aufgezogen. Die Wahl 6000 Kilometer westlich über den Atlantik macht Obersteiner nervös. "Jeden Morgen stelle ich als erstes das CNN-Programm im Fernsehen an - um die letzten Wahlergebnisse zu sehen." Auch Obersteiner will, "dass es einen Wechsel gibt" - allerdings favorisiert sie Hillary Clinton. "Weil sie die nötige Erfahrung für das Präsidenten-Amt mitbringt". Ein Republikaner soll auf keinen Fall wieder ins Weiße Haus ziehen, findet die IT-Mitarbeiterin einer Stahlhandelsfirma: "George Bush hat uns ruiniert". Durch den Irak-Krieg sah sich Obersteiner sogar persönlich angegriffen: "Ich wurde von anderen Leuten richtig beleidigt, bloß weil ich eine US-Bürgerin bin".

In 34 Ländern weltweit können Amerikaner für ihren Partei-Kandidaten abstimmen. Auch die Republikaner haben eine Auslands-Organisation, die allerdings nur Spenden eintreibt, nicht Vorwahlen organisiert. Die Tendenz bei den Demokraten in Deutschland ist übrigens ziemlich deutlich: Auch in München und Berlin liegt Obama vorn. (NRZ)

DAGOBERT ERNST

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