Die Quadratur des Strom-Kreises
01.09.2008 | 22:29 Uhr 2008-09-01T22:29:00+0200Essen. RWE-Chef Jürgen Großmann erläutert das Dilemma der Energie-Erzeugung.
Jürgen Großmann isst gerne. Das ist bekannt. Doch er möchte auch sehen, was auf den Teller kommt - selbst wenn Essen im Dunkeln in Restaurants wie der Kölner „Unsichtbar” derzeit noch so populär seien. Das bekennt der RWE-Chef als Gastredner beim Politischen Forum Ruhr in der Essener Philharmonie. Doch wenn Großmann vor immer mehr Stromausfällen und einer „Kapazitätslücke” im deutschen Kraftwerkspark warnt, geht es dem erklärten Feinschmecker nicht nur um die Beleuchtung beim Abendessen. „Medizin und Sicherheitstechnik” nennt er beispielhaft als Branchen, in denen man auf eine selbstverständliche und zuverlässige Stromversorgung eben nicht verzichten könne.
Versorgung droht wackliger zu werden
Und diese Versorgung droht laut Großmann immer wackliger zu werden. Etwa, weil die so unstetig zur Verfügung stehende Windkraft in den Netzen für starke Schwankungen sorge. Vor allem aber, weil zu wenige Kraftwerke gebaut würden - oft genug, weil die Bevölkerung Kraftwerks-Neubauten verhindere. Die deutsche Energiepolitik werde „in weiten Teilen ideologisch und in einem Freund-Feind-Schema” diskutiert, stellte denn auch der Vorsitzende des Politischen Forums Ruhr, Stephan Holthoff-Pförtner fest. Er erwartet, dass die Debatte um die künftige Energieversorgung „im kommenden Bundestags-Wahlkampf eine zentrale Rolle spielen” wird.
Seit 11 Monaten bei RWE
Er ist gerade 11 Monat im Amt - trotzdem gilt RWE-Chef Dr. Jürgen Großmann Stromkunden wie Politikern bereits als Schwergewicht der deutschen Energie-Industrie und als einer der einflussreichsten Ruhrgebiets-Manager. Dabei hat der 56-jährige Mülheimer seine beruflichen Erfolge zuletzt vor allem in Niedersachsen erzielt und mit der Strombranche als Großkunde zu tun: Als Stahlwerks-Chef.
Der Sohn eines Stahlmanagers studierte unter anderem Eisenhüttenmanagement. 1980 begann Großmann eine Karriere bei den Klöckner-Werken in Duisburg und stieg bis zum Vorstand auf. Aus dieser Funktion heraus übernahm er 1993 über ein Management-Buy-Out die marode Georgsmarienhütte, die er erfolgreich sanierte.
Großmann gilt als politisch bestens vernetzt und ist etwa mit Gerhard Schröder befreundet. Zudem leistet sich der Vater dreier Töchter sein eigenes Sterne-Restaurant - das „La Vie” in der Altstadt von Osnabrück. (tr/NRZ)
Immer wieder betont Großmann in der gut besuchten Essener Philharmonie - schräg gegenüber vom RWE-Turm - die Ausgewogenheit zwischen allen Energieformen. Im Dreieck zwischen den Zielen Klimaschutz, Versorgungssicherheit und Wirtschaftlichkeit müsse die künftige Energieversorgung positioniert werden. „Erst wenn wir das gleichseitige Dreieck geschafft haben, kann ich ruhig schlafen.” An anderer Stelle spricht er von der Quadratur des Kreises.
Beim heißen Thema Strompreise legt sich Großmann indes nicht fest. Man stehe „erst am Beginn einer längeren Phase weiter steigender Energie- und Rohstoffpreise”, warnt er.
Als er für eine Renaissance der Atomkraft wirbt, rechnet er vor, dass eine Laufzeitverlängerung der Meiler um 25 Jahre der Volkswirtschaft eine Wertschöpfung von 250 Mrd € bringen würde und einen „preisdämpfenden Effekt” für die heimische Industrie. Schon deshalb - und weil man sonst Atomstrom aus Frankreich oder Kohlestrom aus Osteuropa importieren müsse - lehnt Großmann den Atomausstieg ab. Drei Viertel der deutschen Firmen wünschten sich eine Laufzeitverlängerung. „Die Entscheidung, aus der Atomenergie auszusteigen, fiel zu einem Zeitpunkt als der Ölpreis nur ein Sechstel vom heutigen betrug”, erinnert er. Heute stehe Deutschland vor einer ganz anderen Situation.
Großmann erklärt, seit 2002 hätten rund 1 Millionen Kundem RWE den Rücken gekehrt. Mittlerweile sei die Abwanderung gestoppt und man gewinne - etwa mit Preisgarantie-Tarifen - Kunden zurück. Für den Herbst kündigte er ein neues Angebot an: Einen CO2-freien Stromtarif. „Der Strom besteht dann zu 50% aus Windkraft- und zu 50% aus Atomstrom”, so Großmann.
Sorgen machen dem RWE-Chef die EU-Pläne für den Handel mit CO2-Zertifikaten. Dass diese nicht zugeteilt, sondern versteigert werden sollen, bevorteile Staaten, deren Stromproduktion nicht so kohlelastig ist. Er warnt: Der Handel könnte vor allem dem französischen Atomstrom-Riesen EDF einen Extra-Gewinn von 4 bis 5 Mrd € bringen. „Die sind dann in der Lage jedes Energie-Unternehmen in Europa zu übernehmen - außer vielleicht der Gazprom.” (NRZ)
17:49
Hallo NRZ
Zu dem Zitat aus Ihrem Artikel möchte ich folgendes sagen:
Herr Jürgen Großmann, RWE-Vorstandschef sagt:
“Und diese Versorgung droht laut Großmann immer wackliger zu werden. Etwa, weil die so unstetig zur Verfügung stehende Windkraft in den Netzen für starke Schwankungen sorge. Vor allem aber, weil zu wenige Kraftwerke gebaut würden - oft genug, weil die Bevölkerung Kraftwerks-Neubauten verhindere.
So einen technischen Nonsens habe ich schon lange nicht mehr gehört.
Als Ing. für Energietechnik kann ich nur sagen, dass man elektrische Überproduktion, z.B. Schwankungen im Stromangebot durch Alternativenergien wie Windkraft und Solarenergie mit Hilfe von Pumpspeicher-Kraftwerken speichern kann um die Stromerzeugungs-Kurve der Abnahme-Kurve anzugleichen.
Dort werden mit der Strom-Überproduktion elektr. Pumpen angetrieben, die Wasser in ein hoch gelegenes Speicherbecken pumpen.
Bei Spitzenbedarf treiben dann Wasserturbinen mit der im Wasserspeicher gespeicherten potenziellen Energie wieder Elektro-Generatoren zu Stromerzeugung an (ein altes Prinzip noch aus Kaisers Zeiten was u.a..RWE auch heute noch einsetzt).
Bei so einer Anlage gibt es natürlich auch Wirkungsgrad-Verluste. Diese sind aber wesentlich geringer als die eines Kohle- oder Atomkraftwerkes.
Kohle- Kraftwerke z.B geben bedingt durch den physikalischen Cartnotschen Kreisprozess so an die 65% der eingesetzten Energie an Kühltürme oder auch an Flusswasser ab, wenn nicht ein großer Teil dieser Abwärme z.B. auch noch zur Fernwärmezeugung eingesetzt wird.
Man muss sich das vor Augen halten:
Von z.B. 1000 Tonnen Kohle die man im Dampfkessel verheizt werden 650 Tonnen als Wärme an Kühltürme oder Flusswasser abgegeben.
Aber ist doch klar, wenn man Einzelkunden z.B. Gas für ihre Heizungsanlage verkauftem kann, macht man insgesamt mehr “Kohle” als mit Fernwärme und die Verluste bei der Stromerzeugung bezahlt ja sowieso der Stromkunde.
Ist schon ganz schön pervers, einmal die Leute zu schröpfen und dann noch die Umwelt unnötig belasten.
Überings könnte man schon heute mit unserer bekannten Technik in der Sahara auf einer Fläche etwa so groß wie Hessen mit Sonnenenergie soviel Strom erzeugen, die dann umgewandelt, zum großen Teil durch Elektrolyse (Spaltung von Mittelmeerwasser) in Wasserstoff und Sauerstoff, die ganze Welt versorgen kann.
Aber das ist eine andere Geschichte.
Mit freundlichem Gruß
Franz Tobisch
Ps.: Dieser Artikel kann auch unter meinen richtigen Namen veröffentlicht werden.
17:47
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