Die Leere der Lehrer
01.03.2008 | 19:39 Uhr 2008-03-01T19:39:00+0100Düsseldorf. Aggressive Schüler, nörgelnde Eltern, Überstunden. Der Philologen-Verband NRW warnt: 60 Prozent der Pädagogen stehen vor dem Burn-Out.
Sie hat 70-Stunden-Wochen, nachts kann sie nicht schlafen und Aspirin zählt zu ihren „Grundnahrungsmitteln”, wie sie sagt: Die 55-Jährige ist Rektorin einer Grundschule im Münsterland. Täglich quält sie sich durch neuen Papierkram für das Ministerium. Für Überstunden, etwa durch Sprachstandserhebungen, bekommt sie kein Geld. Verhaltensauffällige Kinder machen ihr das Unterrichten „fast unmöglich”. Auch deren Erziehungsberechtigte beanspruchen die Lehrerin immer mehr: „RTL-gebildete Eltern stellen unsere Kompetenz in Frage”, für andere müsse sie „Eheberatung machen. All das schleppe ich mit mir rum”. Im November landete sie nach ihrem dritten Schlaganfall auf der Intensivstation. Trotzdem will sie weitermachen, „um noch was zu bewegen”.
Ihre Krankengeschichte ist kein Einzelfall, mahnt der Philologen-Verband Nordrhein-Westfalen (PHV), der heute in Düsseldorf 300 Lehrer auf eine Fachtagung zum Thema begrüßt: Nach der neuesten Studie des Psychologen Uwe Schaarschmidt litten auch an Rhein und Ruhr an allen Schulformen 30% der Lehrer unter seelischen und körperlichen Beschwerden. Weitere 30 stünden kurz vor dem Burn-Out, warnt PHV-Chef Peter Silbernagel. Er sieht den Bildungsauftrag der Schulen in Gefahr und kritisiert die Landesregierung für ihre „Tatenlosigkeit”. Zuspruch erhält er von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).
Reformwut als Gesundheitsrisiko
Deren Landes-Vorsitzender Andreas Meyer-Lauber beklagt, die Landesregierung habe mit „halbfertigen Reformen” zur „stetigen Verschlechterung der Lehrergesundheit” beigetragen: Turbo-Abi, zentrale Prüfungen und Kopfnoten brächten „unvertretbar viel Mehrarbeit”. Trotz des „großen volkswirtschaftlichen Schadens” durch krankheitsbedingte Frühpensionierungen analysiere das NRW-Schulministerium die Ursachen für Dienstunfähigkeit nicht. Silbernagel nennt neben dem schlechten Image seiner Zunft drei neuartige Krankmacher: große Klassen (landesweit hat jede zweite mehr als 29 Schüler), aggressive Jugendliche und anspruchsvollere Eltern. „Sie erwarten, dass sich Schule an Erziehung beteiligt.” Gleichwohl seien sie Lehrern gegenüber „überkritisch”. So hat GEW-Gesundheitsexpertin Renate Boese aus Essen eine steigende Zahl von Eltern-Einsprüchen gegen Noten an Gymnasien registriert. Die Folgen, so Boese: „Druck von allen Seiten, Frust und psychosomatische Krankheiten.”
Der Potsdamer Professor Uwe Schaarschmidt diagnostizierte 2007 nach einer bundesweiten Befragung von 8000 Lehrern, dass 60% von ihnen vor dem Burn-Out stehen oder erkrankt sind. Unter Polizisten sind es 35. Die Symptome: Schlafstörungen, Nervosität, Vergesslichkeit, Stimmungsschwankungen – auch bei Jüngeren. Stark betroffen sind Frauen, die sich Konflikte stark zu Herzen nehmen.
Angst und Zweifelschon im Studium
Peter Silbernagel fordert daher Eignungstests im Studium. Kürzlich offenbarte eine Studie der Uni Frankfurt: 60% der späteren Burn-out-Patienten glauben bereits im Lehramtsstudium, den Anforderungen nicht gewachsen zu sein. Sie gehen also sehenden Auges in einen Beruf, der sie an ihre Grenzen führt – und darüber hinaus. Silbernagel glaubt allerdings, Stressbewältigungs-Seminare könnten helfen: „Als Pflicht für alle 180 000 Lehrer in NRW. Aber das Ministerium lässt uns im Stich.”
Der Landtag stellt jährlich zwei Millionen Euro für Gesundheitsschutz an den Schulen bereit. „Nicht genug”, sagt Gerhard Haas, zuständiger Referatsleiter unter Ministerin Barbara Sommer. Er kann nur auf ein Pilotprojekt verweisen: Noch 2008 soll an 200 Schulen das „Verfahren zur Ermittlung psychischer Belastung” eines Berufsforschungsinstitutes getestet werden: Dabei füllen Lehrer Fragebögen zu ihrer Situation aus. Maßnahmen werden mit einem Moderator diskutiert. So hofft Haas, das Miteinander der Pädagogen ebenfalls zu verbessern: „Auch die Stimmung in Kollegien ist für viele eine Belastung”. (NRZ)
23:48
Schön, dass ihr euch alle so auslasst. Dann lasst euch mal von einer Tischlerin und Lehrerin erzählen, wie es ist. Als ich noch als Tischlerin gearbeitet hatte, hatte ich meinen 8-Stunden-Tag (sicher, die Arbeit war körperlich anstrengend) und wenn ich nach Hause kam, hatte ich Feierabend und meine Zeit zur freien Verfügung. Dann habe ich über den 2. Bildungsweg Abitur nachgemacht und bin Lehrerin geworden, habe kein Wochenende mehr, keinen Feierabend und die einzige Zeit, die ich mir einfach nehme, ist die Zeit in den Sommerferien. In allen anderen Ferien arbeite ich für die Schule. Für mich war der Tischlerberuf Urlaub im Gegensatz zum Lehrerberuf. Ich muss Dinge unterrichten, von denen ich keine Ahnung habe, mein Wissen ist angelesen. Wirkliches Wissen habe ich nur in meinen studierten Fächern und in zwei weiteren, weil ich mich damit immer beschäftigt habe. Ich habe mit 13 Fächern (!) in einem Schuljahr angefangen und habe Fachwissen von 5 davon. Den Rest musste ich mir selbst aneignen. Wie schafft man das bloß in einem 24-Stunden-Tag, wenn auch noch Korrekturen, Konferenzen, Elterngespräche, Organisatorisches auf dem Plan stehen? Im Moment unterrichte ich zum Glück nur 8 Fächer, das ist schon ein Erleichterung. Von den 8 Fächern habe ich 3 studiert und eins davon kann ich sowieso. Also 4 von denen ich keine Ahnung habe und mir das Wissen dazu immer und immer wieder aneigenen muss. 29 Stunden unterrichte ich (Hauptschule), pro Tag sind das ca. 6 Stunden, die müssen vorbereitet werden. Dann habe ich eine schwierige Klasse, so finden ständige Elterngespräche, natürlich nach Unterrichtsschluss statt, so dass ich statt um 13.00 Uhr meist erst um 16.00 Uhr aus der Schule komme. Haben wir nachmittags Konferenz oder Dienstbesprechung, wird es schnell 19.00 Uhr. Dann stehen Korrekturen und Organisationen an, am Telefon sind auch wieder Eltern. Wann soll ich denn noch meine 6 Stunden für den nächsten Tag vorbereiten? Manchmal wird dann eben mal ein Arbeitsblatt aus der Schublade genommen, weil es anders nicht geht. Meist zwinge ich mich, um 24.00 Uhr ins Bett zu gehen, obwohl ich Arbeit hätte bis zum nächsten Morgen um 06.00 Uhr. Am Wochenende arbeite ich dann alles nach. Als Tischlerin hatte ich noch ein freies Wochenende, als Lehrerin nicht mehr. In den Ferien arbeite ich auch viel nach oder vor, allerdings gönne ich mir da auch schon mal einen Tag Pause, den ich mir eigentlich nicht gönnen dürfte, weil ich so viel Arbeit habe. Wir müssen unser Arbeitsmaterial selbst kaufen und auch selbst bezahlen, unsere Fortbildungen ebenfalls. Wir erstellen Unterrichtsmaterial zu Hause am Computer und drucken Folien etc., auch das müssen wir selbst bezahlen. Bei der Steuer gibt es nur einen Bruchteil wieder. Zeigt mir den Beruf, wo der Arbeitnehmer noch Geld mitbringen muss, dass er vernünftig arbeiten kann. Lehrer würden niemals jammern, wenn sie einfach entsprechend in der Gesellschaft gewürdigt würden. Sie machten doch erst auf sich aufmerksam, als die Gesellschaft Lehrer als unfähig und faul hinstellte. Sie jammerten, um sich zu wehren und versuchten damit, den Sprücheklopfern einen Einblick in ihren Beruf zu geben, aber die meisten wollen ja nicht wissen, was Lehrer leisten, sie wollen nur stänkern. Warum seid ihr Lästermäuler denn nicht selbst Lehrer geworden, wenn es doch angeblich so ein easy Job ist? Aber das wollt ihr dann doch nicht.. Lieber mit eurem Talkshow-Halbwissen lästern. Bei Lehrern geht es auch nicht nur um die Unterrichtsstunden, sondern die Schüler (ca. 200 pro Woche habe ich´und ich kann stolz behaupten, dass ich jeden Vor- und Nachnamen meiner Schüler kenne) sind alle Individuen und jeder von ihnen erwartet eine Individuelle Betreuung und Wertschätzung. Hier gibt es keine Fließbandabfertigung, jeder Einzelne wird mit seinen Problemen ernst genommen und die Eltern vergessen immer, dass der Lehrer noch mehr Schüler unterrichten muss als das eigene Kind und erwarten, dass der Lehrer an alles und jedes denkt, was mit dem eigenen Kind zusammenhängt, und das aber 200 mal. Gibt es noch Fragen? Niemand hat das Recht, über einen Beruf zu urteilen, worüber er nichts weiß. Ich würde auch nicht über den Busfahrer, den Maler oder den Bergmann lästern, weil ich keine Ahnung von diesen Berufen habe. Wohl aber kann ich behaupten, dass der Tischler einen leichteren und entspannteren Beruf hat als der Lehrer. Ich war auch auf Montage, habe auch da viel und unter Druck gearbeitet, bin abends müde ins Bett gefallen, aber tzrotzdem war der Beruf leichter und weniger psychisch belastend.
16:20
Zu löwenherz: Ich kann in dieser Mummert Studie keine unerträgliche Stundenbelastung der Lehrer erkennen.
Ich wiederum kann der Studie nicht entnehmen, dass Lehrer mehr Freizeit haben als andere Arbeitnehmer! Und außerdem - berücksichtigen Sie bitte, dass bei diesen Jahresarbeitszeiten schon der Urlaub abgezogen wurde (Gymnasium 1978 Stunden!). Für den übrigen öffentlichen Dienst gilt eine Jahresarbeitszeit von ca. 1770 Stunden!
20:34
Vielleicht mal ein paar Anmerkungen eines Hauptschullehrers an einer Ganztagsschule der seinen Beruf liebt und dieses unqualifizierte Gewäsch von ehemaligen Schulbesuchern, Focus online Lesern und Supernanniguckern satt hat: Macht den Job selber und besser oder unterstützt die Lehrer mit sinnvollen Ratschlägen. Ansonsten haltet mit eurem ignoranten und dummen Gerede hinterm Berg.
Kommentar eines Skilehrers in einer Skihalle beim Sportausflug. Wie halten sie dass aus mit diesen Kindern. (Der hat jeden Tag mit Kindern und Erwachsenen zu tun!)
Kommentar einer Geschäftsführerein, die uns Lehrern mal zeigen wollte, wie das Unterrichten funktioniert und nach nur 20 min kein Wort mehr rausbekommen hat. Die Kinder waren derart desinteressiert und haben nur noch Blödsinn gemacht.
Kommentar: Wie können sie das 8 Schulstunden am Tag aushalten. Das mal zur Belastbarkeit von (Hauptschul-) Lehrern als Gedankenanstoß.
Ich habe jahrelang auf dem Bau und als Garten- und Landschaftsbauer gearbeitet (mit Hacke - Schüppe und Bagger). Kein Zuckerschlecken bei 2 Grad im November und Dauerregen. Verdient habe ich sehr gut und war auch oft genervt aber auch oft zufrieden. (Bin ich heute im übrigen auch ausser mit der schlechten Gehaltsentwicklung, aber anderen gehts auch nicht besser). Ich kann also vergleichen wie es im harten Handwerkeralltag aussieht. Und die Kaffetrinker in den modernen Betrieben, die ihre teilweise schwachsinningen Mettings abhalten bei denen halbkompetente mitzwanziger A****kriecher Big Buisnnesss machen sollten mal wie amerikanische Elitestudenten 1 oder 2 Jahre an Brennpunktschulen unterrichten, bevor sie in Führungspositionen kommen.(siehe Teach for Amerika). Dann weiß man ob jemand belastbar ist und Sozialkompetenz besitzt oder nicht. (und sich nicht durch dieses Elitegehabe nur einen warmes Plätzchen in unserer Gesellschaft suchen will um nicht mit den Schmuddelkindern spielen zu müssen) Lasst uns einfach unseren Job machen und kümmert auch um eure Kinder (vielleicht mal die Oma fragen wie die früher die Kinder erzogen hat). Damit wäre den Lehrern und den Kindern aber vor allem unserem Land am meisten geholfen.
19:20
Heute morgen noch (3.3.08, ca. 10 Uhr) habe ich noch wutentbrannt nach einem Moderator dieses Forums gerufen, der endlich die z.T. schwachsinnige Pseudodiskussion beendet, indem er mal ein wenig aufräumt. Hat er tatsächlich: er hat tatsächlich meine Aufforderung dazu benutzt, genau diese zu entfernen - und nicht etwa das Wolfsgeheul aller derjenigen, die über Schule schwadronieren, nur weil sie selbst mal eine von innen gesehen haben.
Lieber Moderator, SO war das nicht gemeint...
09:48
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09:18
Nochwas -
An den Universitäten gibt es Beobachtungsräume, das sind Räume mit Fenstern, bei denen die Beobachteten nicht sehen können, wer sie beobachtet. So wie im Krimi halt bei Verhören.
Solch einen Raum sollte es auch in Schulen geben, und Eltern sollten mal die Gelegenheit nutzen, unbemerkt ihre eigenen Sprößlinge so in der Schule zu beobachten.
Die werden ihr blaues Wunder erleben ...
09:14
Also ich weiß nicht -
der Neid, der hier aus vielen Kommentaren spricht ist doch wirklich idiotisch!
Ihr hattet doch auch alle die Möglichkeit, Lehrer zu werden. Warum seid ihr es denn nicht geworden, wenn das so ein Traumjob zu sein scheint.
Aber wenn ich Leute so frage, dann hör ich eigentlich immer: Ich? Ich soll mich mit anderer Leut Kinder herumärgern? Bei den Kindern heute, nee danke!
Also lasst dieses Dummgequatsche und denkt lieber darüber nach, wie die Kinder von heute wieder etwas lernen. Denn sie sollen mal eure Rente bezahlen. Bei dem, was ich so sehe, wird mir da eher Angst und Bange. - Und DIE Lehrer von heute sind da bestimmt nicht dran schuld.
08:50
Ich kann in dieser Mummert Studie keine unerträgliche Stundenbelastung der Lehrer erkennen. Beispiel Hauptschule 1791 Jahresarbeitsstunden, macht eine durchschnittliche Monatsarbeitszeit von sagenhaften 149,25 Stunden. Gymnasium 1978 Stunden, Monatsarbeitszeit 164,83 Stunden.
Und 9 Stunden Anwesenheitspflicht, liebe Gesamtschullehrerin bedeuten nicht 9 h effektive Arbeitsleistung ;-) In den Oster-, Sommer-, Herbst- und Weihnachtsferien bietet sich die Gelegenheit die ausgebrannte Lehrerseele ausgiebig zu regenerieren.
„Im Schnitt kostet ein Studienrat als Beamter (West) fast 49000 Euro (Gehaltsgruppe A13). Beamter Ost 43500. Bei den angestellten Lehrern = Lehrer West mit BAT2a 64700 Euro , Lehrer Ost. knapp 58000 Euro = Lehrergehälter Quelle Berliner Tagesspiegel und OECD Stand 2003
Und wenn mal wieder dunkle Wolken der Verzweiflung Ihre Seele belasten, dann lesen Sie mal den Waz-Artikel über einen ausgebrannten Bergmann
www.derwesten.de/nachrichten/waz/rhein-ruhr/2008/3/2/news-27530356/detail.html
23:51
Zur Lehrerarbeitszeit gab es bereits 1999 eine groß angelegte Untersuchung der Unternehmensberatung Mummert und Partner, Auftraggeber war die Landesregierung NRW.
Unglücklicherweise war das Ergebnis, dass die Jahresarbeitszeit der Lehrer, abhängig von der Schulform, schon damals über der des übrigen öffentlichen Dienstes lag.
siehe: www.jaik.de/jaik/lehrer/arb_mumm.htm
19:12
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