75 000 Euro für eine Handy-Nummer
07.04.2008 | 17:42 Uhr 2008-04-07T17:42:00+0200Rogon ist der Primus der Beratungs-Agenturen und hat bei manchen Klubs die halbe Mannschaft unter Vertrag - was nicht ein Vorteil sein muss.
Es ist gar nicht so lange her, dass der 1. FC Kaiserslautern gegen die Großen gespielt hat. Vor zwei Jahren waren sie noch da. Bayern, Bremen, Hamburg, Schalke. Aber zwei Jahre können im Fußball eine Ewigkeit sein, wenn man keinen Erfolg hat. Gerne sind die Großen übrigens nie nach Kaiserslautern gekommen, denn meist sind sie mit leeren Händen vom Betzenberg heruntergestiegen. Das passt ins Bild: Kein Stadion thronte in der Bundesliga so hoch über einer Stadt wie der Betze, und keine Stadt stand so wenig für irgendetwas anderes als für ihren Verein wie Kaiserslautern. Heute gilt das Stadion oben auf dem Berg eher als Symbol für Größenwahn, ein Mahnmal für Vetternwirtschaft und den Sturz vom Gipfel.
Das könnte die Bundesliga ja noch als hausgemachtes Kaiserslauterer Problem abtun. Wenn da nicht der begründete Verdacht bestünde, dass der Niedergang des Vereins auch am Einfluss von Spielerberatern liegt. Denn als Kaiserslauterns Absturz begann, war fast die halbe Mannschaft vertraglich an eine einzige Agentur gebunden: Rogon.
Gute Geschäfte auch mit Schalke
Der FCK kämpft heute ums Überleben in der 2. Liga, Rogon steht auf dem Bundesliga-Markt besser da denn je. Die Agentur ist der Primus der Berater-Branche und macht längst gute Geschäfte mit einem anderen Erstligisten: Beim FC Schalke 04 lässt sich die halbe Stammelf von Rogon beraten.
Das Thema hören sie auf Schalke nicht so gerne, und den Vergleich mit dem FCK noch viel weniger. Er ist vielleicht auch unfair, und niemand will Schalke unterstellen, dass Lauterer Verhältnisse drohen. Aber die engen Verbindung zu Rogon lassen sich nicht abstreiten.
Unbestreitbar ist die Agentur mit Sitz in Ludwigshafen sowie Büros in Köln und Porto Alegre in Brasilien eine der schillernden Adressen der Branche. Das liegt einerseits an der schieren Größe, Rogon betreut 70 Spieler und gilt als Spezialist auf dem Südamerika-Markt. Es liegt auch an Firmengründer Roger Wittmann. Er ist mit der ehemaligen Weltklasse-Tennisspielerin Anke Huber liiert. Wittmanns Schwester ist mit dem früheren Nationalspieler Mario Basler verheiratet.
Basler rührte die Werbetrommel
Und da beginnt die Geschichte von Rogon und dem FCK: Basler kehrte 1999 vom FC Bayern München in seine pfälzische Heimat zurück. Wittmanns Klient machte in der Mannschaft offenbar kräftig Werbung für Rogon. Der Vorstand des FCK, angeführt von Jürgen C. Friedrich, damals Inhaber einer exklusiven Boutique in Kaiserslautern, wickelte von da ab auffallend viele Transfers über Rogon ab.
Georg Koch, Tim Wiese, Taribo West, Thomas Hengen, Lincoln – die Liste der Rogon- Spieler beim FCK wuchs beständig, zeitweise sollen zwölf Rogon-Spieler im Kader gestanden haben. Der Satz, man spiele nicht, wenn man den falschen Berater habe, galt auf dem Betze angeblich als geflügeltes Wort.
Kaiserslautern zahlte besonders viel
Es ranken sich bis heute geradezu abenteuerliche Geschichten um überhöhte Provisionszahlungen, die der FCK zwischen 1999 und 2002 unter seinem Vorsitzenden „Atze” Friedrich an Rogon geleistet haben soll. Auf der Jahreshauptversammlung 2002 – die Träume, an die Meisterschaft von 1998 anknüpfen zu können, waren längst geplatzt – wurde der Vorstand um Friedrich nicht mehr entlastet, weil Zahlen auf den Tisch kamen, die selbst die hartgesottene Bundesliga-Branche überraschten: Für das Engagement der Spieler Timm, Teber und Anfang zahlte der FCK angeblich 1,8 Millionen Euro Provision an Rogon. Keiner der drei Spieler hat sich auf Dauer in der Bundesliga behaupten können.
Noch abenteuerlicher ist diese Geschichte: Um mit dem Agenten des Verteidigers Taribo West Kontakt aufnehmen zu können, soll der FCK angeblich die Handy-Nummer des Spielerberaters bei Wittmanns Mitarbeiter Wolfgang Fahrian erfragt haben. Dafür, dass er die Nummer heraus gab, soll Fahrian angeblich 75 000 Euro bekommen haben.
Sein Geschäftsgebaren brachte den Klub an den Rand des Zusammenbruchs. Dass Ex-Präsident Jürgen Friedrich im Oktober 2005 wegen Steuerhinterziehung zu zwei Jahren Haft auf Bewährung und einer Geldauflage von 43 000 Euro verurteilt wurde, rundet das traurige Bild ab. Der Punkt auf dem i: Friedrich ist heute hauptberuflich für Rogon tätig!
Der Lauterer Absturz – der sich auch unter Friedrichs Nachfolger Rene C. Jäggi mit zig verschlissenen Spielern und Trainern fortsetzte – hat längst auch eine politische Dimension: Die strukturschwache Stadt steht über eine Stadiongesellschaft mit 65 Millionen Euro für die Finanzierung des Umbaus zur WM-tauglichen Arena gerade.
Crash des FCK unbeschadet überstanden
Steigt der FCK in die 3. Liga ab oder wird ihm die Lizenz entzogen, droht der Ausfall der jährlichen Mietzahlung in Höhe von 3,2 Millionen Euro durch den Verein. Die Stadt müsste einspringen. Jahrelang galt der FCK zudem als Hätschelkind von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) - angeblich haben Stadt und Land in den letzten 15 Jahren für Stadion-Umbauten, die Übernahme von Verbindlichkeiten und einen Steuererlass bis zu 100 Millionen in den Verein gepumpt.
Rogon dagegen ist zwar ein bisschen ins Gerede gekommen, hat den Crash des FCK im Grunde aber unbeschadet überstanden. Man ist sehr gut im Geschäft und hat sogar einen neuen Verein gefunden, der gerne und oft auf Spieler aus dem Rogon-Angebot zurückgreift: Schalke 04.
Es ist ein Thema, das auf Schalke vor allem der für Transfers verantwortliche Manager Andreas Müller ungern hört. Ganz sicher ist Schalke nicht mit dem FCK zu vergleichen, aber Rogon berät bei Königsblau fast schon jeden dritten Spieler, darunter die halbe Stammelf: Marcelo Bordon, Kevin Kuranyi, Rafinha, Jermaine Jones, Fabian Ernst, Halil Altintop. Stimmungsmache und Einflussnahme innerhalb des Teams ausgeschlossen?
Das Thema langweile ihn, sagt Manager Andreas Müller dazu wieder und wieder. Die Qualität der Spieler spreche für sich, er brauche sich nicht zu rechtfertigen und sei jederzeit bereit, wieder mit Rogon zusammen zu arbeiten.
Hoeneß warnt: Da wird Politik gemacht
Andere haben da größere Bedenken. Bayerns Manager Uli Hoeneß lässt es an Deutlichkeit nicht fehlen: Er halte es für ein Riesenproblem, wenn ein Berater – wie auch immer er heiße – die Mehrzahl der wichtigen Spieler bei einem Verein unter Vertrag habe. „Da wird Politik gemacht, Kaiserslautern lässt grüßen. Ich bin überzeugt, dass Kaiserlautern darunter sehr gelitten hat”, sagt der Bayern-Manager.
Hoeneß hat auch eine Empfehlung an die Königsblauen parat: „Wenn ich Schalke einen guten Rat geben darf: Der Verein sollte diese Zusammenarbeit reduzieren."
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