Zypries verlangt Aufklärung über Middelhoffs Immobiliengeschäfte
06.06.2009 | 13:55 Uhr 2009-06-06T13:55:00+0200
Essen. Arcandor hat die Mietzahlungen eingestellt. Offenbar kann der Konzern die Summen nicht mehr aufbringen. An den hohen Mieten soll Ex-Arcandor-Chef Middelhoff nicht unschuldig sein. Er soll nach Presseberichten sogar davon profitiert haben. Justizministerin Zypries will Aufklärung.
Bundesjustizministerin Brigitte Zypries hat ihre nordrhein-westfälische Ressortkollegin Roswitha Müller-Piepenkötter (CDU) in einem Brief gebeten, Ermittlungen gegen den ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff wegen zweifelhafter Immobliengeschäfte zu prüfen. «Ich würde es sehr begrüßen, wenn durch die zuständige Justiz ihres Landes Klarheit über die juristische Bewertung der Vorgänge geschaffen werden könnte», schrieb Zypries. Einen entsprechenden «Spiegel»-Bericht bestätigte Ministeriumssprecherin Eva Schmierer.
Zypries zeigt sich in dem Brief beunruhigt über Presseberichte, die sich mit den «Immobiliengeschäften der Arcandor AG unter Middelhoff» befassten. Dabei geht es um Beteiligungen Middelhoffs und seiner Ehefrau an Immobilienfonds, die Gebäude zu außergewöhnlich hohen Mieten an den zu Arcandor gehörenden Karstadt-Konzern verpachten. Die Zeitungsartikel allein reichten jedoch nicht aus, um «ein strafbares Verhalten von Herrn Middelhoff etwa wegen Untreue» zu behaupten, schrieb die SPD-Politikerin. Deshalb müsse der Sachverhalt weiter aufgeklärt werden.
Laut Schmierer soll zunächst festgestellt werden, ob ein Anfangsverdacht gegen Middelhoff besteht, der dann Grundlage für ein Ermittlungsverfahren sein könnte.
Arcandor stellt Mietzahlungen ein
Die hohen Mieten scheinen Arcandor schwer zu belasten. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtete am Samstag, das Unternehmen zahle bereits keine Mieten mehr.
Demnach habe Arcandor-Vorstandschef Karl-Gerhard Eick beim Krisentreffen im Wirtschaftsministerium mit Vertretern von Gläubigerbanken, Aktionären und Immobilieneigentümern eingeräumt, dass Arcandor am Freitag seine Mietzahlungen eingestellt habe. Seit dem Verkauf seiner Warenhäuser vor zwei Jahren sei der Karstadt-Mutterkonzern an allen seinen Standorten nur noch Mieter. Eigentümer nahezu sämtlicher Häuser sei eine Immobiliengesellschaft mit Namen Highstreet, an der die Investmentbank Goldmann Sachs mit 51 Prozent und die Deutsche Bank-Tochter Preef und Pirelli Real Estate mit 49 Prozent beteiligt seien.
Die Mietverträge haben eine Laufzeit von 15 Jahren. Die Mietzahlungen summieren sich auf 280 Millionen Euro. Zudem zahlt Arcandor in jedem Jahr 42,6 Millionen Euro Miete für fünf Standorte, die Eigentum eines vom Bankhaus Sal. Oppenheim aufgelegten Fond sind.
Kaum Sicherheiten im Falle einer Staatshilfe vorhanden
Das Nachrichtenmagazin «Focus» berichtete unter Berufung auf ein Gutachten der Prüfgesellschaft PricewaterhouseCoopers im Auftrag der Bundesregierung, Arcandor, zu dem neben den Karstadt-Warenhäusern und dem Quelle-Versand auch der Reisekonzern Thomas Cook gehört, habe fast alle Unternehmensteile für laufende Betriebsmittelkredite in der Höhe von 960 Millionen Euro verpfändet. Deshalb könnten Arcandor und die kreditgebenden Banken dem Staat nur «nachrangige Sicherheiten» bieten.
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (beide CDU) lehnten Staatshilfen zum gegenwärtigen Zeitpunkt ab. Merkel sagte: «Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern, zumal es Teile des Konzerns gibt, die wirtschaftlich gesund sind, wie zum Beispiel der Touristikbereich.» Erst danach könne über Staatshilfen nachgedacht werden.
Bei Arcandor habe es ein erhebliches Missmanagement gegeben. Für viele Karstadt-Standorte sei eine Fortführung wahrscheinlich, wenn die Eigentümer und die Gläubiger einen Beitrag leisteten. «Ich empfinde es aber als Zumutung, wenn Leute nach dem Staat rufen, die selbst etwas tun müssen», sagte die Kanzlerin. Auch habe die Kaufhauskette Kaufhof Interesse an den Karstadt-Häusern. «Ich rate der Geschäftsleitung sehr dazu, die entsprechenden Gespräche zu führen und nicht zu versuchen, stattdessen allein den Staat unter Druck zu setzen», fügte sie hinzu.
Merkel drängt auf Einigung mit Metro
Arcandor ist zwar bereits in Gesprächen mit Metro. Doch Unternehmenschef Karl-Gerhard Eick sieht eine schnelle Fusion skeptisch und nur als mittelfristige Lösung. Metro will bei einer Karstadt-Übernahme 40 Warenhäuser in Deutschland schließen. Betroffen wären 10 Filialen der eigenen Tochter Kaufhof und 30 Karstadt-Häuser. Damit würden rund 5.000 Vollzeitstellen wegfallen. Insgesamt betreiben beide Ketten derzeit in Deutschland 206 Warenhäuser.
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Wulff sagte: »Wir können uns nicht erlauben, veraltete, nicht zukunftsfähige Strukturen zu retten.« Es dürfe außerdem nicht zu Wettbewerbsverzerrungen kommen. »Das Muster 'Die Gutmenschen retten Jobs, die Bösen geben sie auf', ist zu simpel«, sagte Wulff. »Es gibt die EU-Feststellung, dass die Arcandor-Krise schon vor der Finanzkrise da war. Das wäre ein K.o.-Kriterium.« Im Übrigen gebe es einen ernsthaft interessierten Investor. »Wenn dann am Ende für ein zukunftsfähiges, langfristiges Konzept Hilfe des Staates erforderlich ist, muss der Staat sie leisten«, sagte Wulff. Es dürfe aber keine Entscheidung der Beliebigkeit werden.
Tiefensee trifft Bürgermeister
Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Wolfgang Franz, sprach sich dafür aus, die Eigentümer in der Verantwortung zu nehmen. Franz warnte die Bundesregierung davor, sich mit Blick auf die Bundestagswahl von Unternehmen durch einen möglichen Stellenabbau unter Druck setzen zu lassen. «Es darf nicht sein, dass die Risiken sozialisiert und die Gewinne privatisiert werden», sagte Franz. Soweit sich die Hauptanteilseigner bei Arcandor, die Quelle-Erbin und Milliardärin Madeleine Schickedanz und die Privatbank Sal. Oppenheim, mit privaten Hilfen zurückhielten, mache ihn das sehr skeptisch.
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee sagte, Arcandor mit den Karstadt-Häusern habe eine Chance verdient. «Das neue Management und die Belegschaft sind hoch motiviert», sagte er. Die Botschaft des Treffens mit der Karstadt-Spitze und Kommunalpolitikern müsse sein: »Wir werden Karstadt und die Beschäftigten nicht im Stich lassen. Und wir wollen für die Innenstädte und ihre Attraktivität kämpfen», sagte Tiefensee. (ddp)
12:02
Ich kann sinneck nur Recht geben: Diese total verkommene Geiz-ist geil-Gesellschaft hat nichts anderes verdient.
00:06
Es ist echt krass, dass die noch Staatshilfe verlangen und damit auch die Bürger belasten. Sich selber die Taschen vollpacken und dann über Leichen gehen.
19:08
Ich schlage vor alle Spitzenmanager pauschal wegen Betrugs und Steuerhinterziehung anzeigen, dann muss ermittelt werden. In jedem Fall Vermögen beschlagnahmen, wird bei anderen organisierten kriminellen Vereinigungen ebenfalls so gehandhabt, nichst anderes sind nämlich diese Zumwinkels, Middelhoffs, Wiedenkinds etc. etc
17:58
den wahren Kaufpreis werden wir nie erfahren. Uwes Zahlen sind jedoch schlüssig. Bei einer Jahresmiete vom 350 mio ist ein Kaufpreis von 4,5 Milliarden (13 fache Jahresmiete ) eher hoch. Da aber Karstadt teilweise gerade mal die Hälfte der Fläche nutzt wäre es interessant zu wissen, an wen die weiteren Mietern in den Häusern zahlen. Uns fehlen zu viele Details ( zum Beispiel wer renoviert?)
17:11
Middelhoff hatte die Immobilien an Highstreet offiziell für insgesamt 4,5 Milliarden Euro verkauft - dabei gehen Insider davon aus, dass nach Abzug von Provisionen und Ausschüttungen an Investoren deutlich weniger als 4,5 Milliarden bei Karstadt ankamen. Dem gegenüber stehen aber jetzt Mietverpflichtungen von rund 350 Millionen Euro im Jahr, die vorher nicht anfielen.Noch stärker belastet wird der Konzern durch die vergleichsweise hohe Miete für fünf Häuser, die Karstadt bis 2003 an die Oppenheim-Esch-Fonds verkauft hatte. Allein für die Immobilien in Potsdam, Karlsruhe, München, Wiesbaden und Leipzig werden jährlich 20 Millionen Euro fällig.
Und jetzt kommt die Sahne oben drauf:
Einer der größten Fonds-Zeichner ist Thomas Middelhoff selbst. Am Warenhaus in Potsdam haben er und sein Frau zusammen sogar gut 23 Prozent gezeichnet. Während Middelhoff den Karstadt-Mitarbeitern schon in seiner Amtszeit erhebliche Beiträge zur Sanierung des Konzerns abverlangt hatte, blieben die Mieten bislang unangetastet.
Reicht das für einen Besuch der Justiz ???
16:29
Was hat Herr Middelhoffs denn alles so getrieben???
Alle Warenhäuser über CROSSBORDER verscheuert, Hertie und andere Firmen verscheuert...
Und zum Schluß hat er den Überblick so leicht verloren...
Und was machen die Großaktionäre wie SAL Oppeheim, Frau Schickedanz usw???
Die werden, um ihre Millarden Euronen Privatvermögen zu sichern, beim Steuerzahler als ARMER MENSCH auftreten und STEUERGELDER bitten.
Frei nach dem Motto: GEWINNE WERDEN PRIVATISIERT, VERLUSTE MÜSSEN NARTÜRLICH SOZIALISIET WERDEN...
Aber eines ist klar: Wenn Herr Middelhoffs mal in die Fänge unsererJustiz geraten sollte, geht das aus wie bei Zumwinkels und Konsorten, also als LACHNUMMER...
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15:59
stimmt @32. Allerdings liegt es auch an diesem hundsmiserablen recherchierten Artikel. Mir fehlen Hintegrundinformationen . mit zu teuer und marktüblich kann ich nicht anfangen. Was hat Karstadt damals bekommen? Wie hoch ist die qm Miete? Wer bekommt die Zahlungen der Untermieter. All diese Angaben fehlen. Laut Manager Magazin hat Karstadt für 3,7 Miliarden verkauft. Eine Jahresmiete von 260 Mio wäre dann nicht zu teuer. Also liebe WAZ. Nicht Pressemitteilungen und DPA abtippen, sonder recherchieren. Dann kann der Leser auch kommentieren.
15:39
@Dr.F...
Ja, nee, iß klah...
Welchen Sinn macht es, darauf hin zu weisen, dass die Eigentümer Juden sind? Und als bekennender Brauner dürften sie ja wohl noch die Nazi-Argumente von der verschwörerischen, jüdischen Finanzwelt bekannt sein, tun sie also nicht so, als verstünden sie meine Anspielung nicht!
Und warum soll man da hellhörig werden? Die Staatsanwaltschaft gar?
Denn nach wie vor dürfte ein Staatsanwalt, der über ihre wirren Thesen hier stolpert, das selbe wie ich denken. Ausgesschrieben wäre das allerdings tatsächlich ein Verstoß gegen die Nutzungsbedingungen - daher spare ich mir das...
15:20
Warum, wenn dennoch Steuergeld in diese Totgeburt gesteckt werden, erfahren wir Normalos eigentlich einmal, was genau in den Vertragstexten steht, mit dem die finanzielle Staatsspende an Arcandor gerechtfertigt wird ?. Oder wird wieder auf Betriebs- bzw. Geschäftsgeheimnis gemimt, damit etliche Raffgeier ihren Schnitt machen können. Wie lange noch werden wir von unseren gewissenlosen Politclowns und ihren Unternehmerfreunden verblödet ? Oder kennt ein Bürger die Vertragstexte des z.B. ominösen Opel(ver)kaufes ?
14:23
@#28 Substanzlos? Wer lesen kann, liest in meinem Kommentar Namen: Middelhoff, Esch - wer sich auskennt, der merkt hier auf - und Saal-Oppenheimer. Das diese Bank mehrheitlich von jüdischen Eigentümern getragen wird, ergibt sich schon aus ihrer Gründungsgeschichte - was hat das mit einer angeblichen - von Ihnen angesprochenen - Weltverschwörung zu tun?
Diese Bank hält aktuell auch ca. 27 % der Aktien des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor. Wer da nicht hellhörig wird, dem ist kaum zu helfen oder er will die unangenehmen Tatsachen eben nicht sehen und hören. Na - wenns denn hilft?