Zweiklassenmedizin - SPD droht Ärzten mit Geldstrafen
07.02.2011 | 14:45 Uhr 2011-02-07T14:45:00+0100
Berlin. Schnellere Termine, kürzere Wartezeiten - die SPD will hart gegen die Bevorzugung von Privatpatienten vorgehen. Ärzte sollen Geldbußen von bis zu 25.000 Euro zahlen. Auch die Zulassung könnten sie verlieren.
Die SPD im Bundestag droht Ärzten mit harten Strafen, wenn sie Privatpatienten bevorzugen. Geldbußen bis 25.000 Euro sollen fällig werden, wenn die Mediziner Kassenpatienten zu lange auf Termine warten lassen. Dies geht aus einem Gesetzesentwurf der SPD hervor, wie der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach der „Süddeutschen Zeitung“ vom Montag sagte. Darin schlägt die SPD als zusätzliche Sanktion auch einen Entzug der Zulassung bis zu zwei Jahren vor.
Gut 70 Millionen Deutsche sind gesetzlich versichert. Nur etwa zehn Millionen sind bei einer Privaten Krankenversicherung (PKV). Oft bekommen die privat Versicherten aber schneller Termine bei Fachärzten und sitzen weniger lange im Wartezimmer. Das liegt daran, dass die PKV die Leistungen der Ärzte zum Teil deutlich besser honoriert.
„Wartezeiten von mehr als fünf Werktagen unangemessen“
Lauterbach rügt dies als Zweiklassenmedizin. „Mit der Tätigkeit als Vertragsarzt ist eine Diskriminierung gesetzlich Krankenversicherter nicht vereinbar“, heißt es laut „Süddeutscher Zeitung“ in der Begründung des Gesetzentwurfs. Mit der Neuregelung würden die niedergelassenen Ärzte vielmehr verpflichtet, gesetzlich Versicherte vorrangig zu behandeln.
„Im Regelfall sind Wartezeiten von mehr als fünf Werktagen als unangemessen anzusehen“, heißt es demnach weiter. Ausnahmen gebe es nur, wenn die Untersuchung nicht so häufig angeboten werde und es tatsächlich Kapazitätsprobleme gebe. Habe sich der Versicherte vergeblich um einen Termin bemüht, müsse künftig seine Krankenkasse einspringen und ihm einen besorgen. Dazu erhalten Barmer, AOK und die anderen Kassen nach Willen der SPD eigene Kontrollbefugnisse. So dürften sie etwa durch fingierte Testanrufe in den Praxen überprüfen, ob Privatpatienten schneller an einen Termin beim Doktor kommen.
Längerfristig strebt die SPD dem Bericht zufolge an, den Medizinern jeden Anreiz zu nehmen, Kassenpatienten schlechter zu behandeln als privat Versicherte. „Wir streben ein einheitliches Honorierungs-System an, in dem Ärzte für jeden Patienten das gleiche bekommen“, sagte Lauterbach.
Zweibettzimmer sollen Standard werden
Mehr Leistungen für gesetzlich Versicherte will die SPD aber auch im Krankenhausbereich durchsetzen: Mit dem Gesetzesentwurf wollen sie Zweibettzimmer zum Standard in den deutschen Kliniken machen. Drei- oder Vierbettzimmer sollen demnach auch weiterhin erlaubt sein. Wer sie anbietet, müsse aber mit weniger Geld von den Kassen rechnen. Um die Krankenhaus-Hygiene zu verbessern, will die SPD den Kliniken vorschreiben, die Zahl und Art der Infektionen zu veröffentlichen - im Internet und gut lesbar am Eingangsbereich.
Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, kritisierte, der Vorstoß der SPD trage „planwirtschaftliche Züge einer überbordenden Kontrollwut“. Zu lange Wartezeiten seien gar kein grundsätzliches Problem. Eine Versichertenbefragung mit mehr als 6.000 Beteiligten habe jüngst gezeigt, dass gerade einmal acht Prozent der Befragten zu lange Wartezeiten beklagten. Die SPD wolle das Thema Wartezeiten in populistischer Manier heranziehen, um für ihre Idee einer Einheitsversicherung Stimmung zu machen. „Zudem zeigt sich ein Widerspruch: Einerseits beklagt die Partei, wir hätten angeblich zu viele Ärzte, andererseits soll es nun generell zu lange Wartezeiten geben.“
CDU spricht von „Pauschalverdacht gegen Ärzte“
Vom CDU-Gesundheitsexperten Jens Spahn kam ebenfalls Kritik. „Die SPD setzt auf drakonische Strafen und Pauschalverdacht gegen Ärzte, wir setzen auf Dialog und die richtigen Anreize.“ Dazu gehöre etwa eine Honorarreform, die Leistung im Sinne des Patienten belohne. „Eine bessere Versorgung geht nur mit den Ärzten, nicht gegen sie“, erklärte er.
Die gesundheitspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Martina Bunge, nannte die SPD-Vorschläge ungeeignet. „Wenn man die Zweiklassen-Medizin abschaffen will, muss man die privaten Vollversicherungen abschaffen“, verlangte sie. (dapd)
17:39
@21
Leider nein, als Beamtin nicht. Ich wäre es gerne, dann hätte ich auch nicht den permanenten Ärger mit der Beihilfe zu klären und müsste nicht zusätzlich einen Großteil der Arztkosten aus eigener Tasche bezahlen.
12:23
#19:
Warum sind Sie privat versichert und nicht gesetzlich??? Eigentlich müssten Sie gesetzlich versichert sein.
21:57
Na, da werden die Ärzte aber jetzt richtig angst bekommen - wenn die SPD droht!
21:09
@18
Ich arbeite in Teilzeit. Macht Netto etwa 1100€ monatlich. Davon private Krankenversicherung (inkl. Kinder, die man ja auch bezahlen muss) 316,40€.
Noch Fragen? Sind in meinen Augen etwas mehr als gerundete 7% Arbeitnehmeranteil, oder?
20:09
Wenn ich bedenke, dass ich als Kassenpatient erheblich höhere Beiträge, als die Privatpatienten ( Jüngere in der Regell ) zahlen muss, könnte ich ausrasten. Aber machen wir uns nichts vor, das Zweiklassensystem gibt es schon lange.
19:08
Aber die schweren Fehler der Politiker müssen auch mit spürbaren Geldbußen geahndet werden. Zum Beispiel Herr Rösler für den einseitig belastenden Gesundheitsmurks. Der Mann dient nicht dem Volk, sondern nur dem Kapital. Er gehört in die Wüste geschickt.
19:04
Die SPD hat absolut Recht. Warum regen sich dann die Ärzte auf, wenn sie privat und gesetzlich Versicherte gleich behandeln? Dann brauchte man doch keine Einwendungen am Vorhaben der SPD zu haben. Oder? Der Vorschlag ist längst überfällig.
19:00
@ rotezhora
Nicht die Ärzte produzieren die 2-Klassen-Medizin, sondern die Klientelpolitiker durch ihre Gesetze
18:58
Warum wird bei Privatpatienten das 2,3fache kassiert für dieselbe Leistung, bei Rezepten genauso? Wo steckt da die Logik, außer dass man eine 2-Klassen-Medizin haben will?
17:52
Diese Geldbußen wären schon lange überfällig !
Die Ärzte wissen doch, dass rund 90 Prozent der medizinischen Infrastruktur unseres Landes durch die Beitragsgelder der gesetzlich Versicherten finanziert werden ! Im Wissen darum, ihre eigenen Pfründe zu verbessern zu wollen nun die gesetzlich Versicherten zu Patienten zweiter Klasse machen zu wollen ist ein bodenlose Frechheit und gehört durch eben solche Bußen in die Schranken verwiesen ! Alles andere wäre nur Beutelschneiderei !!!