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Meteorologe bei der Montgolfiade

Ohne ihn bleiben alle am Boden

WR, 11.09.2009, Eigener Bericht
Warstein. Wenn Sie und ich übers Wetter reden, ist's ziemlich schlecht bestellt um das Gespräch und das Interesse am Gegenüber. Spricht Michael Noll darüber, geht's um Start oder Nichtstart. Der 55-Jährige ist Meteorologe.

Er bestimmt bei der Internationalen Montgolfiade in Warstein, ob die 216 Heißluftballone in die Luft steigen oder am Boden bleiben.

Ganz unten auf die letzte Sprosse der Leiter hat Michael Noll Freddy verbannt. „Bei diesem Wetter hat er es nicht anders verdient”, schimpft der Wetterfrosch auf sein kleines grünes Plüschpendant und blickt aus dem Fenster. 

Statt bunter Ballonhüllen graue Wolken am Himmel, Nieselregen und enttäuschte Gesichter. „Was soll ich machen?”, fragt Noll und zuckt mit den Schultern. „Ich sage das Wetter voraus, ich mache es nicht.”

Michael Noll arbeitet seit 1976 beim Deutschen Wetterdienst. Früher hat der Wetterdienst noch seine Meteorologen zu Veranstaltungen wie der Montgolfiade geschickt. So kam auch der 55-Jährige zum Ballonsport. „Ich habe 1980 die Deutsche Meisterschaft im Heißluftballonfahren meteorologisch betreut”, erinnert sich Noll. Bei einer „Kaffeefahrt” im Ballon des Deutschen Meisters - in drei Stunden legten sie nur vier Kilometer zurück - ist's um ihn geschehen. Seit fünf Jahren steigt bei der Montgolfiade in Warstein kein Heißluftballon in den Himmel ohne das Okay von Michael Noll. „Dafür nehme ich gerne Urlaub.”

Zwei Mal am Tag tritt der Meteorologe zur Wettervorhersage vor sein Pilotenpublikum: um 6 und um 17 Uhr. „Wann ein Ballon seine Fahrt aufnehmen kann, bestimmt das Wetter”, erklärt Noll. „Morgens nach Sonnenaufgang und abends vor Sonnenuntergang setzt die Thermik aus.” Nur ohne Aufwind können die Piloten ihre Fahrthöhe regeln. Wolkenloser Himmel, Windstille am Boden, zehn bis 15 Knoten in der Höhe - mit dieser Prognose macht Michael Noll die Ballonfahrer glücklich. Und sich selbst auch: „Meine Laune hängt vom Wetter ab. Ist das kritisch, fühle auch ich mich nicht wohl.”

Aus Zahlenreihen und einem Dutzend Grafiken liest der Meteorologe am Laptop Regenfronten und ihren Verlauf ab, erkennt die Stärke des Windes und seine Richtung. „Der Wind kann zum K.o.-Kriterium werden”, sagt Noll. Ist er am Boden zu stark, kann die sechsfamilienhaus-große Ballonhülle nicht aufgebaut werden. Handelt es sich um Ostwind, führt er die Ballone Richtung Arnsberg. „15 Kilometer lang ist da nichts als Wald. Wenn der Wind zu schwach ist, kommen die Ballone nicht weit genug und finden keinen Landeplatz.”

Das sei das Schlimmste, erzählt Noll: bei blauem Himmel und Sonnenschein - sprich: scheinbar optimalem Wetter - einen Start abzublasen, weil der Wind ihm einen Strich durch die Rechnung macht. „Das versteht kein Zuschauer und kein Passagier”, weiß der Meteorologe. „Aber Sicherheit geht bei meinen Entscheidungen vor.”

Freddy, Michael Nolls Plüschkollege, ist von seinem Chef inzwischen befördert worden - zwei Leitersprossen nach oben. Es geht bergauf. „Das Wetter wird freundlich, wenn auch kühl”, lautet Nolls Vorhersage für das letzte Montgolfiade-Wochenende.

Und das Wichtigste: „Die Ballone starten heute Abend.”

Heute Abend findet der Höhepunkt der Warsteiner Montgolfiade statt: Ab 17.30 Uhr starten die Heißluftballone zur Abendfahrt, gegen 22 Uhr beginnt das Ballonglühen bei mystischer Musik, gegen 22.30 Uhr erhellt das Abschlussfeuerwerk den Himmel über Warstein.

Der Eintritt ist frei .

 Veranstaltungs-Anschrift: Am Hillenberg, 59581 Warstein.

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