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Arbeitsmarkt

Österreich und Schweiz bieten Jobs für Deutsche

WR, 22.03.2009, Maike Braun
Dortmund. Immer mehr Menschen kehren Deutschland den Rücken. Weil sie arbeitslos sind und eine neue Perspektive suchen. Oder weil die Arbeitsbedingungen in ihrer Heimat nicht stimmen. In vielen Ländern sind deutsche Fachkräfte derweil heiß begehrt.

Mehr Geld für weniger Arbeit – was klingt wie ein Wunschtraum, wird für viele vor allem in der Schweiz und Österreich Wirklichkeit. „Jobchance Alpen” stand jüngst auf dem großen Plakat am Eingang zur Jobmesse in Dortmund. Rund 2000 Stellen werden hier angeboten. Ein Schlaraffenland nicht nur für Arbeitslose, sondern auch für Menschen, die es nicht mehr aushalten in Deutschland.

"Lange halte ich das nicht mehr aus"

So wie Sven. Der 33-Jährige arbeitet in der Onkologie eines Dortmunder Krankenhauses. Zu wenig Personal für zu viele Patienten. Der einzelne Mensch bleibt da auf der Strecke, meint er.„Lange halte ich das nicht mehr aus. Wenn das so weitergeht, bin ich bald ein Wrack”, sagt Sven. Er will weg, ab in die Schweiz. So wie rund 20 000 Deutsche pro Jahr.

"Deutsche Fachkräfte wahnsinnig geschätzt"

Vedat Zabari ist da zögerlicher. Der 37-Jährige hat sich bisher mit Jobs auf dem Bau durchgeschlagen. Er ist immer der erste, der gekündigt wird. Eigentlich will er gar nicht weg. Trotzdem ist er auf der Jobmesse. Wenn er geht, dann nur mit der ganzen Familie, sagt er. Bewerbungen hat er nicht dabei.

Sonst hätte Zabari gute Chancen gehabt, mit einem Jobangebot nach Hause zu gehen. „Deutsche Fachkräfte werden im Ausland wahnsinnig geschätzt”, sagt Stephanie Diegel von der Zentrale Ausbildungs- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit. 800 Menschen aus NRW hat die ZVA voriges Jahr ins Ausland vermittelt. Bundesweit waren es rund 9500 Deutsche – fast tausend Menschen mehr als im Jahr zuvor.

Gefragt: Schlosser, Schweißer, Pflegekräfte

Vor allem in kleinen Ländern wie der Schweiz spitzt sich der Fachkräftemangel wegen der Geburtenrückgänge zu. Rund 45 Prozent der Schweizer Großunternehmen sind überzeugt davon, dass die grenzüberschreitende Personalbeschaffung wichtig für den Erfolg ihrer Firma sein wird. Aufgrund des anhaltenden Mangels an qualifizierten Arbeitskräften rechnen Schweizer Firmen für mehr als jede vierte freie Stelle mit Einstellungsschwierigkeiten.

Gefragt sind vor allem Fachkräfte aus dem Bau- und gewerblich-technischen Bereich. Heizungsbauer etwa. Oder Schlosser, Schweißer und Stuckateure. „Ganz stark werden aber auch Pflegekräfte gesucht”, sagt Auslandsvermittlerin Diegel.Zwölf Firmen sind zur Messe in nach Dortmund gekommen, um Personal zu suchen. Wer eine Ausbildung und Berufserfahrung mitbringt, hat gute Chancen, eine Arbeit zu finden.

"Traumhafte" Arbeitsbedingungen

Einer Arzthelferin hat die Personalvermittlerin Alessandra Huddlestone heute schon eine Stelle verschafft. Krankenpfleger Sven könnte auch „sofort vermittelt” werden, sagt sie. Und nicht nur ihn, sondern mindestens sieben weitere Fachkräfte - Arzthelfer, Altenpfleger oder Physiotherapeuten – könnte sie sofort unterbringen.

Denn das, was Sven hofft, kann Alessandra Huddlestone nur bestätigen: Gerade in der Gesundheitsbranche seien die Arbeitsbedingungen in der Schweiz für Deutsche geradezu traumhaft.

Gute Erfahrungen

Das weiß auch Ines Möller. Die 52-Jährige hat den Schritt schon gewagt und arbeitet seit Juni vorigen Jahres in einem Schweizer Pflegezentrum. Zuvor reichte ihr Einkommen in Berlin trotz zwei Jobs reichte hinten und vorne nicht. Irgendwann konnte Ines Möller die Raten für das Haus nicht mehr zahlen und entschloss sich, auszuwandern.

„Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht”, sagt sie. Die Auswanderin muss jetzt im Nachtdienst nicht mehr alleine 100 Patienten versorgen. Und das Geld reicht auch.

Mehr Auswanderer

2007 - aktuellere Zahlen liegen noch nicht vor – wanderten 165 000 Deutsche aus. Das waren sechs Prozent mehr als 2006, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat. Auswanderer erhoffen sich aus Sicht des Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) vor allem bessere Berufschancen, höhere Nettolöhne oder wollen der Arbeitslosigkeit hierzulande entfliehen. So wie Sven. Er hat sich entschieden. Der Krankenpfleger will die Kündigung einreichen und seine Chance in den Alpen nutzen.

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