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Testphase

Burkini statt Bikini für Muslime - auch im Revier?

WR, 15.02.2009, Julia Emmrich
Berlin/Dortmund. „Pack' die Badehose ein, auch ein Burkini muss mit rein - und dann nüscht wie raus nach Wannsee...” Steigen muslimische Frauen in Deutschland demnächst in der Polyester-Burka ins Wasser? In Berlin läuft eine Testphase, im Ruhrgebiet sind noch viele skeptisch.

Kein Bikini, keine Burka. Nein, ein Burkini. (AP) (action press)
Kein Bikini, keine Burka. Nein, ein Burkini. (AP)

In zwei Hallenbädern der Hauptstadt bietet sich derzeit an Bild, das an türkischen Stränden zum Alltag gehört: Muslimische Frauen, die bis zu den Füßen bekleidet ins Wasser gehen. Mittlerweile tragen die besonders streng Gläubigen den „Hasema”, ein Schwimmanzug der den Körper vom Kopf bis zu den Knien bedeckt. In deutschen Schwimmbädern verbietet meistens die Satzung solche Kleidung: „Badtauglich” soll sie sein.

Das heißt: Badeanzug oder Badehose. Shorts, Leggings und langärmlige T-Shirts sind in der Regel nicht erlaubt - Hygiene und Sicherheit sprechen dagegen. Für streng gläubige muslimische Frauen bedeutet das: Schwimmverbot.

Dortmund bietet Frauenschwimmen an

In zwei Berliner Hallenbädern läuft jetzt bis zum Sommer ein Test: Erstmals sind hier so genannte Burkinis (aus „Bikini” und „Burka”) erlaubt: Ganzkörper-Schwimmanzüge, die allen Sicherheits- und Hygienestandards entsprechen. Innensenator Erhart Körting hat bereits angekündigt: Läuft die Testphase problemlos, wird der Burkini ab Sommer in allen öffentlichen Bädern erlaubt. Berlin, heißt es bei den dortigen Bäderbetrieben, sei eine multikulturelle Stadt - und Toleranz ende nun einmal nicht am Beckenrand.

"Damit wollen wir hier nicht anfangen"

Im Ruhrgebiet ist der Burkini noch nicht angekommen. Und ginge es nach Klaus Henter, wird das auch nie passieren. Henter ist Betreiber des Hallenbads in Dortmund-Scharnhorst. Seit vier Jahren kommen jeden Freitag bis zu 200 muslimische Frauen aus Dortmund, Castrop-Rauxel, Hagen, Lünen und Unna in sein Bad - das zweistündige Frauenschwimmen ist ein fester Termin in der muslimischen Welt des Ruhrgebiets. Dabei sind die Kleidervorschriften streng: Wer ins Wasser will, muss einen Badeanzug tragen. Mehr Stoff ist nicht erlaubt. Gibt es Konflikte, sagt Henter, „regeln die Frauen das untereinander. Die, die schon länger dabei sind, überzeugen die Neuen, dass ein Badeanzug völlig in Ordnung ist.” Burkinis in Scharnhorst? „Damit wollen wir hier nicht anfangen.”

Teilhabe am öffentlichen Leben

Erika Theißen sieht die Sache anders. „Ich fände es gut, wenn Burkinis überall erlaubt würden.” Die konvertierte Muslimin ist Sportlehrerin und leitet das muslimische Frauenbildungswerk in Köln: „So ein Schritt könnte dazu beitragen, dass Frauen, die bislang aus religiösen Gründen nicht schwimmen gehen können, endlich ins Wasser kommen.” Die Frage sei doch, sagt Theißen, welches Ziel man sich bei der Diskussion um Integration und Emanzipation muslimischer Frauen stecke: „Geht es immer nur ums Ausziehen oder geht es um Teilhabe am öffentlichen Leben?”

Wie weit kann man auf die Bedürfnisse von Minderheiten zugehen?

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Auf Muslime mehr eingehen

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Die Debatte um den Burkini kreist um die selben Sorgen wie der Kopftuchstreit: Wie weit kann die Mehrheitsgesellschaft auf die Bedürfnisse von Minderheiten zugehen? Wo stabilisiert sie dadurch aber auch Traditionen, die der hiesigen Freiheitlichkeit widersprechen? Konkret: Wird es in Berlin demnächst Eltern geben, die ihre Töchter bislang im Badeanzug schwimmen ließen, sie jetzt aber in einen Burkini stecken? Und umgekehrt: Wird es Mädchen geben, die dank des Burkini überhaupt erst schwimmen lernen dürfen?

Die Dortmunder Sportbetriebe planen derzeit, in einigen Bädern zusätzliche Frauenschwimmzeiten einzuführen, mit ausschließlich weiblichem Personal. Der Anstoß kam von den Integrationsexperten in den Stadtteilbüros. Die Kleidervorschriften aber, sagt Sportbetriebe-Chef Dieter Krause, sollen erst einmal unverändert bleiben. Doch die Berliner Testphase beobachtet auch Krause mit Spannung.

Info

  • Der „Burkini” (auch „Bodykini” oder „Hasema”) gilt als Erfindung der libanesisch-australischen Designerin Aheda Zanetti. Mittlerweile tragen in Australien auch muslimische Rettungsschwimmerinnen Ganzkörper-Badeanzug.
  • Burkinis bestehen in der Regel aus Kunstfasern, sind leicht und saugen sich unter Wasser nicht voll. Weil er nicht auf der Haut klebt, verhindert er, dass die Konturen der Frau sichtbar werden.
  • Der Burkini ist auch in der Türkei umstritten: Säkuläre Kritiker befürchten, dass mit der Verbreitung Trägerinnen normaler Badeanzüge zunehmend als „schlechte Moslems” betrachtet würden.

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