Gastbeitrag
Wo Menschen an Grenzen stoßen
30.07.2010 | 20:32 Uhr 2010-07-30T20:32:00+0200
Essen.Der Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, spricht in einem Gastbeitrag über den Schock, den die Katastrophe von Duisburg ausgelöst hat, über die Trauer um die Opfer und über die Demut.
Es liegt ein Schleier über Duisburg – und wohl auch über dem Ruhrgebiet und vielen Orten, die Tote und Verletzte der Loveparade-Katastrophe zu beklagen haben. Der Schock sitzt furchtbar tief. Viele Menschen fühlen sich wie gelähmt. Die Lebensfreude und Zuversicht, die das Kulturhauptstadtjahr in unserer Region ausgelöst hat, ist zum Stillstand gekommen.
Es ist unfassbar: Wie kann es sein, dass ein Fest der nahezu unbegrenzten Lebensfreude in grenzenloser Trauer versinken muss? Niemand hätte das für möglich gehalten. Wir sind es doch gewohnt, dass wir alles organisiert, geregelt und auch gesichert bekommen. Wir verlassen uns doch darauf, dass schon gut geht, was wir planen und tun.
Es liegt ein Schleier über uns
Vor einer Woche war das aber nicht so. Das Unfassbare ist geschehen – das, was eigentlich nicht passieren kann und darf in einem Land, das sich so gut aufs grenzenlose Organisieren zu verstehen glaubt. Es liegt ein Schleier über uns. Uns wird auf bittere Weise vor Augen geführt, dass es Grenzenlosigkeit auf dieser Erde doch nicht gibt.
Die Opfer und ihre Angehörigen erfahren das auf schrecklichste Weise. Für sie war der Weg der Loveparade ein Weg in den Tod; und für unzählige andere ein Weg des Schreckens, den sie nie in ihrem Leben vergessen werden.
Aber der Schleier betrifft uns alle. Wir ahnen, dass wir einer Illusion erliegen, wenn wir glauben, grenzenlos leben zu können. Niemand von uns kann sicher sein, das Ende dieses Tages zu erleben – egal, wie froh gestimmt wir ihn auch beginnen mögen. Mich selbst macht das sehr demütig. Jeder Moment meines Lebens ist ein kostbares Geschenk, und ich habe es nicht in der Hand, wieviele Momente mir davon noch vergönnt sein werden.
„Immer größer“ hat eine Grenze
Demut ist es, die uns in diesen Tagen gut zu Gesicht stünde. Das ist eine Haltung, mit der ich mir eingestehe, dass ich ein begrenzter Mensch bin und nicht alles vermag. Vielleicht brauchen wir mehr Demut in einer Zeit, in der alles größer, schneller, lauter, grenzenloser sein muss. Vielleicht brauchen wir das Eingeständnis: Es geht nicht alles, was wir uns wünschen.
Das „Immer mehr“ und „Immer größer“ hat eine Grenze. Die Loveparade stand möglicherweise auch für die Illusion von Grenzenlosigkeit. Sie hat – wie viele Events – von ihrer Größe gelebt. Zugegeben: Es erfüllt uns mit Stolz, je größer die Zahlen sind, die wir vorzuweisen haben mit dem, was wir in unserer Region auf die Beine stellen. Die Demut aber lehrt, dass Größe etwas anderes ist als das, was Zahlen sagen.
In der zurückliegenden Woche spüre ich aber noch eine weitere Illusion: Viele Menschen fordern Aufklärung. „Lückenlos“ soll sie sein; die Schuldigen sollen klipp und klar benannt, der genaue Hergang der Katastrophe eindeutig beschrieben werden. Es scheint, als wäre die Tragödie damit erträglicher und als könne damit ausgeschlossen werden, dass sich Tragödien wiederholen.
Die Wahrheit muss auf den Tisch
Natürlich muss die Wahrheit auf den Tisch. Und natürlich müssen auch diejenigen zu ihrer Verantwortung stehen, die sie am Tag der Loveparade und im Vorfeld hatten. Aber niemals wird sich bis ins Letzte erklären lassen, warum etwas so und nicht anders geschieht. Menschliche Ereignisse sind so komplex, dass sie nicht bis ins Letzte steuerbar sind. Denn Menschen haben Grenzen, machen Fehler, oft sogar sehr schwere Fehler und zuweilen auch aus fragwürdigen Beweggründen. Es ist eine Illusion zu glauben, Katastrophen einfach erklären und damit irgendwann einmal ausschließen zu können.
Deshalb gehört für mich auch zur Demut, in diesen Tagen auszuhalten, dass es keine einfachen Antworten gibt. Mich erfüllt mit großer Sorge, wie schnell in den letzten Tagen auf vielfältige Weise geurteilt und schuldig gesprochen wird. Es werden sogar Stimmen laut, die behaupten, Gott habe mit der Tragödie ein Urteil gesprochen. Das ist furchtbar anmaßend und vergrößert den Schmerz aller Betroffenen.
Als Christ und Bischof glaube ich an einen liebenden und barmherzigen Gott. Wir brauchen Demut, die Trauer aushält und die sich solidarisch zeigt mit allen Opfern. Unzählige Menschen haben das in Duisburg in dieser Woche schon eindrucksvoll demonstriert. Wir brauchen eine Atmosphäre, in der auch jene Demut wachsen kann, die es erlaubt, Grenzen und Fehler von Menschen und Institutionen zu sehen und einzugestehen.
Wir sind als Menschen an eine Grenze gekommen
Heute gedenken wir aller Opfer in einem Gottesdienst. Es berührt mich tief, dass so viele Menschen daran teilhaben wollen in der Salvatorkirche, im Stadion, in vielen anderen Duisburger Kirchen und weit über unser Land hinaus an den Bildschirmen. Gemeinsam – sogar unabhängig von Konfession und Religion, von Nähe oder Ferne zur Religion – gestehen wir damit ein, dass wir als Menschen an eine Grenze gekommen sind.
Wir kommen nicht weiter mit unseren Möglichkeiten und wenden uns an Gott. Mein christlicher Glaube lehrt mich, dass Gott allein grenzenlos ist. Ich glaube, dass es erst in seiner Welt, in seinem Reich jene Grenzenlosigkeit gibt, die wir Ewigkeit nennen. Das macht mich hoffnungsvoll für die Toten – und für uns, die wir uns schwer tun mit den Grenzen im Leben und mit der Grenze des Todes. Ich vertraue darauf, dass Gott den Schleier des Todes in seiner Welt von uns nehmen wird – und dass er in einer nicht allzu fernen Zukunft auch den Schleier wegnimmt, der jetzt noch über Duisburg und unserer Region liegt.
23:26
Die Kritiker von Overbeck in diesem Forum suhlen sich doch in ihrer Selbstgerechtigkeit. Die haben ihre (!) Wahrheit schon für sich fest gepachtet. Schön, Leute, dass ihr auf eurem hohen moralischen Ross so gut urteilen könnt.
21:08
Ich bin schon vor dreißig Jahren aus der Kirche ausgetreten und kenne diesen Mann nicht. Deshalb zählt für mich nur, was er hier sagt. Und das trifft für mich einen Punkt, der in der letzten Woche zu kurz gekommen ist: Es gibt keine absolute Sicherheit. Die Tragödie wird nicht erträglicher, wenn wir schnell die Schuldigen benennen, die Wirklichkeit ist komplexer. Weise Worte, danke!
16:40
Der Bischof von Essen über die Katastrophe von Duisburg
Der Bischof von Essen spricht zuerst von „Lebensfreude und Zuversicht“, dann von „unbegrenzter Lebensfreude“, dann vom „Unfassbaren“ und von der „Grenzenlosigkeit auf dieser Erde“ und zum Schluss von „Demut“, dass „Gott allein grenzenlos “ sei und „dass ihn das hoffnungsfroh für die Toten“ stimmen würde. Er vertraue darauf, dass „Gott den Schleier des Todes in seiner Welt von uns nehmen“ werde – und dass „er in einer nicht allzu fernen Zukunft auch den Schleier“ wegnehme, der „jetzt noch über Duisburg und unserer Region“ liege.
Ich kannte diesen Mann bis heute nicht. Wie ich jetzt in den Leserkommentaren lese, ist dieser Mann, was seine Einstellung zum Leben angeht, im Ruhrgebiet nicht unbekannt.
Ich habe der Zeitung DerWesten einen Artikel von mir angeboten, der Orientierung über die Gründe der Katastrophe von Duisburg geben soll. Offenbar ist mein Artikel nicht erwünscht, stattdessen gibt man diesem verwirrten Mann die Möglichkeit, sich vor einem breiten Publikum zu äußern. Ich werde meinen Artikel in YouTube stellen als Kommentar zum Beitrag des einfühlsamen Studenten mit dem Pseudonym „pizzamanne“.
Wie können wir es uns noch leisten, dass extrem verwirrte Menschen in den höchsten sozialen Stellungen stehen können und damit großen Einfluss auf die Menschen ausüben. Steht die Loveparade wirklich für „unbegrenzte Lebensfreude“, wie es der Bischof behauptet? Oder steht sie vielmehr für den Versuch, Menschen zusammenzubringen, damit sie nicht mehr so allein sind. Wer einmal das Zusammensein auf der Loverparade aufmerksam beobachtet hat, sieht in Wirklichkeit viele einzelne vereinsamte Menschen, die in einer großen Menschenmasse wie verloren dastehen. Ein fröhliches Aufeinanderzugehen und ein wirklicher Spaß mit Mitmenschen sind kaum zu beobachten. Doch der Bischof meint, das wäre „die unbegrenzte Lebensfreude“. Sodann baut der Bischof ein Horrorszenario auf, wo auf „unbegrenzter Lebensfreude“ unvermeidlich das „Unfassbare“ folgen muss. Es gäbe doch gar keine „Grenzenlosigkeit“ auf unserer Erde, daher wäre die Katastrophe in Duisburg möglich gewesen.
Dieser Mann scheint einen so schweren Rucksack aus seiner Kindheit tragen zu müssen, unter dem er jetzt unweigerlich zusammenbrechen muss. Seine frühen lebensgeschichtlichen Erfahrungen überträgt er blind auf all seine Mitmenschen. Wie kann er sonst Folgendes äußern: „Wir ahnen, dass wir einer Illusion erliegen, wenn wir glauben, grenzenlos leben zu können. Niemand von uns kann sicher sein, das Ende dieses Tages zu erleben – egal, wie froh gestimmt wir ihn auch beginnen mögen. Mich selbst macht das sehr demütig.“ Damit kann er nur die Bedrohungen meinen, die er als kleiner Franz-Josef von seinen geliebten Eltern erlitt. Diese Bedrohungen mussten für ihn völlig unvorhersehbar gewesen sein und deswegen eine ständige Gefahr bedeuten. Ein Entrinnen war unmöglich. Anstatt zu fühlen, wie seine Eltern wirklich zu ihm waren, überträgt er blind das einst durch sie erfahrene Bedrohungsszenario auf den Rest der Welt. Er lernte offenbar von seinen Eltern zudem, dass er nichts wert wäre. Fatalerweise hat die Anpassung an das elterliche Diktat dazu geführt, dass er sich schon als Kind für eine „begrenzte Person“ halten musste. Seinen Eltern war es offenbar egal, wie sich der kleine Franz-Josef unter ihrem Diktat fühlte. Seine lieblosen Eltern verkauften ihm heuchlerischerweise ihr liebloses Verhalten als Liebe. Er durfte offenbar niemals seine lieblosen Eltern so sehen, wie sie wirklich waren, geschweige denn, seine wahren Gefühle ihnen zum Ausdruck bringen. Später als Bischof unterliegt er folgerichtig einer Wahrnehmungsvernebelung, die sehr „komplex“ zu sein scheint. In Wirklichkeit ist sie gar nicht komplex, wenn man die lebensgeschichtlichen Zusammenhänge klar sehen kann. Daher sagt er ohne die Spur eines Zweifels: „Als Christ und Bischof glaube ich an einen liebenden und barmherzigen Gott.“ So wie einst die Macht seiner Eltern gegenüber ihm grenzenlos war , er alles so hinnehmen musste, wie sie es ihm vorlebten und sie ihm heuchlerisch ihre Lieblosigkeit als Liebe verkauften, so hat er als Erwachsener den allmächtigen und allwissenden Gott gefunden, dem er sich vertrauensvoll unterordnen kann. Von diesem phantasierten Wesen meint er als Bischof, dass es ihn liebt und ihm gegenüber barmherzig ist.
Können wir wirklich von so einem Menschen etwas lernen, das uns weiterbringt?
15:53
Ich war beim Gottesdienst vor Ort dabei und habe bei keinem einzigen Menschen erleben können, dass er dort war, um irgendetwas zu inszenieren oder auszunutzen. Warum nur arbeiten hier so viele Kommentatoren mit bösartigen Unterstellungen, ohne die Menschen wirklich zu kennen? Und wenn Bischof Overbeck ein Hassprediger sein soll und er mit seinen Worten die Opfer verhöhne - dann frage ich mich doch eher, was das für Menschen sind, die solche Sätze hier zum Besten geben. Ich spüre bei Bischof Overbeck keinen Hass - wohl aber aus so manchen Worten der Schreiber hier!
15:26
Hätte ich einen lieben Menschen verloren oder müsste ich an einem Krankenbett wachen, könnte ich auf den Kommentar dieses Mannes, sehr gut verzichten ...
Nein, mehr noch, ich würde mir seine Anwesenheit sogar verbeten !!!
http://www.youtube.com/watch?v=E3n-M-czMfo
-carpe diem-
13:33
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12:47
Der Gottesdienst wurde missbraucht zum Profilieren einer kleinen Gruppe. Geheiligt werde dein Name heißt es gleich zu Anfang im Vaterunser, genau das Gegenteil ist geschehen, er wurde missbraucht und in den Dreck gezogen, weil andere sich an seiner Stelle in den Mittelpunkt stellen wollen.
10:40
Ob unser Bundespräsident dann wohl wieder ein Bundesverdienstkreuz verleiht. Vielleicht an Herrn Sauerland für aufopferndes Durchhalten im Amt. Wäre nicht die gesamte Medienmeute vor Ort, wären mit Sicherheit die meisten der polit Promiplätze frei. Dieses elende Geheuchle ist nur noch peinlich. Und Herr Overbeck wäre nicht dort, wenn nicht die gesamte polit Prominenz da wäre.
10:24
@ 13 WolstSansibar
Da gebe ich Ihnen 100 % tig Recht, egal was dieser Mann, oder seine Kirche, zur Loveparade gesagt haben, oder hätten, es kann nur zynisch und anmassend sein.
Nach den Vorkommnissen in der kath.Kirche und ihrem Verhalten, haben Sie jedes Recht verloren, Andere zu kritisieren, oder Ihnen auch nur Ratschläge zu erteilen.
Wenn Menschen Gottes Beistand brauchen, können Sie das in Ihren eigenen 4 Wänden und mit persönlichen Gebeten, besser aufarbeiten, als mittels einer so verlog.... und selbstgerechten Institution.
09:57
Nein.Ich setze nur mein kleines Lebenslicht,gegen den Megafollower (Verfolgerlichtstrahl auf einer Bühne) und wenn ich gehe,weiss ich:Ich habe es wenigstens versucht.