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Woolworth soll Nahversorgungs-Kaufhaus werden

Woolworth soll Nahversorgungs-Kaufhaus werden

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Foto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. 

Wandel bei der Traditionskette Woolworth: „Jede Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern soll wieder ihr Nahversorgungs-Kaufhaus erhalten“, kündigte Geschäftsführer Dieter Schindel an.

Die Rosskur hat Woolworth bereits hinter sich. Während des Insolvenzverfahrens, das am 30. Juni endete, reduzierte der Insolvenzverwalter Ottmar Herrmann das Netz von 323 auf 160 Filialen. Die neuen Eigentümer setzen nun wieder auf Expansion. Stefan Heinig, Chef des Textildiscounters Kik, hält 55,5 Prozent an Woolworth, die Mülheimer Tengelmann-Holding 30 Prozent. Der Rest sind stille Beteiligungen.

Das Programm ist ehrgeizig. Dieter Schindel, geschäftsführender Gesellschafter, will die 160 Filialen für 40 Millionen Euro modernisieren. Mittelfristig plant er mit 250 Filialen, die er langfristig auf 500 verdoppeln will. 2011 sind 50 Neueröffnungen geplant.

In jeder Stadt ab 30 000 Einwohnern

„Jede Stadt mit mehr als 30 000 Einwohnern soll wieder ihr Nahversorgungs-Kaufhaus erhalten“, kündigte Schindel gestern in Düsseldorf an. Woolworth suche neue Standorte in Innenstädten, Stadtteilzentren und Einkaufscentern.

In Herne etwa kann die Filiale der Zukunft seit Ende Oktober besichtigt werden: Woolworth reduziert das Warensortiment drastisch von bislang 20 000 auf 6000 Artikel. Alkohol, Schuhe, Zeitschriften, Sportartikel und Multimedia fliegen vollends aus den Regalen, Tier- und Dekorationsartikel sowie eine ganze Reihe von Linzenzmarken wie Disney, Playboy oder Marilyn Monroe kommen hinzu. Sie bilden neben Schreibwaren, Heimtextilien, Wäsche und Bekleidung die neuen Schwerpunkte.

Drei-Marken-Strategie

Kein Woolworth-Haus soll künftig kleiner oder größer als 1000 bis 2000 Quadratmeter sein. Zur strengen Formatierung gehört auch die „Drei-Marken-Strategie“. Kunden sollen bei jedem Artikel zwischen einer Premium-, einer Eigenmarke und Aktionsware“ wählen können.

„Wir bewegen uns im unteren bis mittleren Preissegment und wollen alle Käuferschichten ansprechen“, sagt Gesamtverkaufsleiter Michael Siepmann, der Woolworth als „Jobmaschine“ bezeichnet. Pro Neueröffnung sollen im Schnitt 35 Stellen geschaffen werden. Bis Ende 2012 seien es rund 3100 Arbeitsplätze.

11,25 Euro Stundenlohn

Nach Siepmanns Angaben haben in der Regel aber nur die Filialleitungen Vollzeit-Verträge. Die anderen Beschäftigten arbeiteten als festangestellte Teilzeitkräfte. „Wir bilden in 15 Berufen für den eigenen Bedarf aus“, so Siepmann. Die bisherige Belegschaft mit rund 4600 Mitarbeitern hat noch eine Beschäftigungsgarantie bis Ende Juni 2011. „Danach wird es auch bei der Bezahlung keine Verschlechterungen geben. Ganz im Gegenteil“, so Geschäftsführer Schindel.

Lohndumping, das dem Textil-Discounter Kik lange Zeit negative Schlagzeilen bescherte, schließt der Manager für Woolworth aus. Berufseinsteigern zahlt er einen Stundenlohn von 11,25 Euro. Schindel: „Wir würden einen Mindestlohn in der Branche befürworten und uns daran orientieren.“