Rüttgers in China : Chinesen schaffen hunderte Arbeitsplätze in NRW

Shanghai. Der weltweit größte Hersteller von Telekommunikationstechnik Huawei errichtet für rund 20 Millionen Euro ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum in Düsseldorf. Die Chinesen wollen 200 neue Stellen schaffen. Für Jürgen Rüttgers ein Ergebnis der Pingpong-Diplomatie.
Der in China wie ein Popstar gefeierte Düsseldorfer Tischtennisprofi Timo Boll buhlt als Werbemaskottchen der Landeskampagne „We love the new“ für Investitionen an Rhein und Ruhr. Im Gegenzug sind bereits 2700 NRW-Firmen in der Boomregion China aktiv. Die Wirtschaft ändert sich – wie beim Pingpong geht es hin und her. „Chinas Firmen kommen nach Europa und schaffen neue Jobs“, sieht Jürgen Rüttgers eine Zeitenwende. Mit seiner einwöchigen China-Visite will der Ministerpräsident als einer der Ersten auf den Zug aufspringen.
Chinas größter Telekommunikationsausrüster Huawei plant 2010 den Ausbau seiner Europazentrale in Düsseldorf und will darüber hinaus zunächst weitere 200 deutsche Ingenieure in einem neuen Entwicklungszentrum einstellen. Schon heute arbeitet Huawei in Düsseldorf eng mit dem Nachbarn Vodafone Deutschland zusammen. Künftig setzt der chinesische Konzern auf eine neue Verbindung zwischen Festnetz und Mobilfunk für Endverbraucher – etwa für Bezahldienste auf dem Handy. Beim Besuch des Forschungszentrums in Shanghai sagt Rüttgers den Investoren mehr Hilfe bei der Ausbildung von Ingenieuren zu.
Zehn Jobs in China sichern einen in NRW
In China geht nichts ohne politische Unterstützung. Davon profitieren auch die NRW-Mittelständler Doleco, Oschatz und der Chemie-Riese Lanxess, die in der Partnerregion Jiangsu neue Produktionslinien einweihen. Hans-Jürgen Schrag, Chef des Essener Anlagenbauers Oschatz, rechnet vor, dass zehn neue Arbeitsplätze in China einen Job in NRW sichern – inzwischen hat Oschatz 650 Beschäftigte in China und produziert von hier aus für die Märkte in Asien und Amerika. „Wir haben nicht in China gebaut, um billige Produkte nach Deutschland zu verkaufen“, räumt Firmenchef Schrag verbreitete Ängste aus.
Die Dortmunder Doleco produziert mit Erfolg und 150 Mitarbeitern Halte- und Hebegurte in Jiangsu. Firmenchef Udo Dolezych bestätigt, dass in Chinas Wirtschaft noch „viel Wild-West“ herrscht. Bei eisigen Temperaturen arbeiten die Näherinnen in den neuen Werkshallen ohne Heizung. Das Chemieunternehmen Lanxess beweist an sechs Standorten mit fast 1000 Beschäftigten, dass chemische Produktion und Umweltschutz keine Gegensätze sein müssen. 2004 wurde Lanxess als umweltfreundlichste Firma in China prämiert und mit einer eigenen Briefmarke geehrt. Lanxess-Vorstand Rainier van Roessel erläutert Rüttgers, dass die Firma dazu beigetragen habe, die stark belasteten Flüsse in der Region zu reinigen. China hat das Problem des Raubbaus an der Natur erkannt: Inzwischen wurden 2000 chinesische Chemiefirmen geschlossen.
NRW lehrt den Chinesen Umweltschutz
Auf der „Expo 2010“ in Shanghai will NRW deshalb einen Schwerpunkt auf den Umweltschutz legen. Der Düsseldorfer Architekt Werner Sübai, Gesellschafter der HPP, hat den Wettbewerb für die Planung des Expogeländes gewonnen. Vor Studenten der Tongji-Universität Shanghai entwickelt Sübai sein Konzept einer lebendigen Stadt mit viel Grün. China dämmert, dass Wachstum nicht alles ist – auch soziale Fragen und die Umwelt bergen politischen Sprengstoff.
Auf seiner Werbetour für NRW lässt Rüttgers die Chance nicht ungenutzt. Schon 2020 sollen in NRW 250 000 Elektroautos auf den Straßen rollen. „Wir wollen NRW zur ersten großräumigen Modellregion für Elektroautos machen“, kündigt Rüttgers an. Die Expo 2010 ist eine exzellente Plattform, um das Projekt vorzustellen. Nicht nur die staugeplagte 18-Millionen-Metropole Shanghai am Yangtse-Delta kann Luftveränderung gut gebrauchen.
Rüttgers sieht gute Chancen für deutsche Firmen in China – und umgekehrt. Bei der Präsentation der drei Millionen Euro teuren Kampagne „We love the new“ macht der Ministerpräsident aber einen leicht säuerlichen Eindruck. Der Funke will bei dem für Fremde kaum verständlichen Werbespot mit NRW-Prominenz einfach nicht überspringen. Zumindest Tischtennisprofi Boll aber trifft den Nerv des Publikums. In der 93.Etage des World Financial Tower liefert sich der Europameister mit chinesischen Studenten das bislang höchste Match in der Sportgeschichte.










