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"Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden"

21.03.2009 | 11:23 Uhr

In einem offenen Brief haben betroffene Familien des Amoklauf von Winnenden Konsequenzen aus der Bluttat gefordert. Der Brief in Auszügen.

Das Schreiben an Bundespräsident Horst Köhler, Kanzlerin Angela Merkel und den Stuttgarter Ministerpräsidenten Günther Oettinger (beide CDU) erschien auf der Titelseite der «Winnender Zeitung» vom Samstag. Auszüge des Briefs im Wortlaut:

"Die Trauer und die Verzweiflung nach dem Verlust geliebter Kinder, Frauen und Männer sind noch überall gegenwärtig. Insbesondere bei uns, den Angehörigen. Der Gedanke, warum es ausgerechnet unsere Liebsten getroffen hat, und wie es überhaupt zu dieser Tat kommen konnte, wird uns unser Leben lang begleiten. In unserem Schmerz, in unserer Hilflosigkeit und in unserer Wut wollen wir aber nicht untätig bleiben. Deshalb wenden wir - die Familien von fünf getöteten Schülerinnen - uns an die Öffentlichkeit. Wir wollen, dass sich etwas ändert in dieser Gesellschaft, und wir wollen mithelfen, damit es kein zweites Winnenden mehr geben kann.

(...)

Wir wollen, dass der Zugang junger Menschen zu Waffen eingeschränkt wird. Die derzeitige gesetzliche Regelung ermöglicht die Ausbildung an einer großkalibrigen Pistole bereits ab dem 14. Lebensjahr. Bedenkt man, dass ein junger Mensch gerade in dieser Zeit durch die Pubertät mit sich selbst beschäftigt und häufig im Unreinen ist, so ist die Heraufsetzung der Altersgrenze auf 21 Jahre unerlässlich. (...) Der Gesetzgeber muss Verstöße gegen das geltende Waffenrecht deutlicher und stärker ahnden.

(...)

Wir wollen weniger Gewalt im Fernsehen. (...) Wenn wir es zulassen, dass unseren Mitbürgern weiterhin täglich Mord und Totschlag serviert werden, ist abzusehen, dass die Realität langsam, aber stetig dem Medienvorbild folgen wird. (...) Eine 'Gewaltquote', der Anteil von Sendungen mit Gewalt in Relation zur Gesamtsendezeit pro Sender, sollte eingeführt werden.

(...)

Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden. Spiele, ob über Internet oder auf dem PC, die zum Ziel haben, möglichst viele Menschen umzubringen, gehören verboten. Gleiches gilt für alle Gewalt verherrlichenden Spiele, deren Aufbau und Darstellung sehr realistisch sind und bei denen viel Blut fließt.

(...)

Wir wollen mehr Jugendschutz im Internet. In der virtuellen Welt werden heute anonym und gefahrlos Gedankengänge artikuliert und diskutiert, die eine Bedrohung für unsere Gesellschaft darstellen. (...) Es darf aber nicht sein, dass sich junge Menschen anonym gegenseitig aufhetzen und zu Gewalteskalationen auffordern.

(...)

Wir wollen, dass der Name des Amokläufers nicht mehr genannt und seine Bilder nicht mehr gezeigt werden. Am aktuellen Beispiel von Winnenden zeigt sich, dass die derzeitige Berichterstattung durch unsere Medien nicht dazu geeignet ist, zukünftige Gewalttaten zu verhindern. Auf nahezu jeder Titelseite finden wir Namen und Bild des Attentäters. Diese werden Einzug finden in unzählige Chatrooms und Internet-Foren. Eine Heroisierung des Täters ist die Folge.

(...)

Wir wollen, dass die Tat aufgeklärt und aufgearbeitet wird. (... ) Wir wollen wissen, an welchen Stellen unsere ethisch-moralischen und gesetzlichen Sicherungen versagt haben. Dazu gehören auch das Aufzeigen der persönlichen Verantwortung und die daraus folgenden - auch juristischen - Konsequenzen.» (afp)

DerWesten

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Kommentare
22.03.2009
03:41
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von rotwang | #10

Was für negative Strömungen meinen Sie?

Nun, sie haben offenbar meine Anmerkungen nicht richtig gelesen. Ich sage ja ganz klar, dass man Schach eben nicht mit Killerspielen vergleichen kann, dass aber eine genaue Definition des Begriffs Killerspiele bisher nicht vorgenommen wurde und man deshalb - unter bestimmten Umständen - Schach ebenfalls dazu zählen könne. Ich weise sehr wohl darauf hin, dass das natürlich absurd ist. Insofern sehe ich meine Debattierfähigkeit nicht eingeschränkt..

Zunächst einmal die Frage: Was ist denn für Sie so abartig an solchen Spielen?

Das etwas nicht bestritten wird, bedeutet aber auch nicht im Umkehrschluss, dass es so ist. Sie sagen ja selbst, dass es möglich ist. Aber alleine die Möglichkeit von etwas sagt nichts über die Wahrscheinlichkeit aus.

21.03.2009
22:04
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von thetruthis? | #9

Wenn diese Forderungen Unsinn sind, dann soll man also negativen Strömungen ihren Lauf lassen, keinen Widerstand entgegenbringen, mögliche Lernprozesse ignorieren und eine Laissez- faire Haltung einnehmen, da die eh nichts ändern würden
Würde man diese, in meinen Augen unsinnige These, auf andere Bereiche, zum Beispiel Èrziehung´übertragen, bedeutete dies eine vorauseilende Kapitulation.
Wenn das Gedankenmachen allerdings so aussieht, dass man z.B. Schach mit Killerspielen gleichsetzt, dann ist für mich -Pardon- eine Debattierfähigkeit sehr eingeschränkt. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum so viele Menschen mit Zähnen und Klauen diesen Dreck (Killerspiele) so vehement verteidigen. Natürlich weiß ich um die Möglichkeiten der Verbreitung. Aber darf man nicht die ENTWICKLUNG und PRODUKTION solcher Abartigkeiten anprangern?. Es mag ja sein, dass Sie vielleicht psychisch so weit gefestigt sind, dass Sie zwischen virtueller und realer Welt differenzieren können, aber der Grad einer möglichen psychischen Verrohung und Abstumpfung bei MINDERJÄHRIGEN wird auch von zig Fachleuten nicht bestritten.
Im Übrigen sprach ich von wünschenswerten Veränderungen durch Politik und Gesellschaft, ich sprach von einem Traum, der, zumindest durch den Versuch der Umsetzung der Forderungen, seine Berechtigung haben soll.
In wie weit ich damit behaupte, die Zukunft zu kennen, ist mir schleierhaft.

21.03.2009
19:47
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von rotwang | #8

Na, Sekunde. Sie behaupten aber auch, die Zukunft zu kennen. ;-)

Ethisch äußerst bedenklich finde ich diese Forderung an sich. Wenn man schon meint, dass man an die Öffentlichkeit treten muss, dann macht man das doch nicht, indem man sich mit unsachlichen Argumenten in eine öffentliche Debatte einmischt. Als Kurzschlußreaktion direkt nach dem Amoklauf hätte ich das ja sogar verstanden, aber inzwischen sind zehn Tage vergangen. Tage, in denen man eine öffentliche Stellungnahme - zu der die Opfer niemand gezwungen hat - sorgsam durchdenken kann. Und trotzdem kommt dabei nur so etwas heraus? Ich persönlich bin der Meinung, dass man - bevor man sich in Debatten einmischt - erst einmal Gedanken darüber machen sollte, was man überhaupt für Argumente vorbringt. Denn das hier sind die falschen. Aber sie werden mehr Gehör finden, weil sie von den Opfern kommen. Das ist die Krux daran: Weil es die Opfer sind, haben sie ein uneingeschränktes Recht Unsinn zu erzählen. Kann es das wirklich sein?

21.03.2009
19:36
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von thetruthis? | #7

... und fordert Dinge ein, die eh nichts ändern würden
Ich kann nur immer wieder staunen, mit welcher Grundüberzeugung manche Leute hier behaupten, im Besitz der allgemeingültigen Wahrheit zu sein und sämtliche zukünftigen Entwicklungen vorhersagen zu können.
Nochmal: Es geht um die Berechtigung, diese Forderungen- auch als Akt möglicher Trauerbewältigung- stellen zu können und erst sekundär um deren Realisierbarkeit.
Da diese Forderungen von den Betroffenen selbst aufgestellt wurden, ist der Populismusvorwurf erstens nicht gerechtfertigt und zweitens ethisch äußerst bedenklich.

21.03.2009
19:12
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von rotwang | #6

Nun ja, in diesem Fall ists schlichtweg Populismus. Man kann es nicht anders bezeichnen. Meinetwegen auch gerne blinder Aktionismus. Der Brief der Eltern ist von Anfang bis Ende unsachlich und fordert Dinge ein, die eh nichts ändern würden: Da kam also ein 17-jähriger auf illegalem Wege an ein Killerspiel - wie würde da ein Verbot der Spiele helfen?

Fadenscheinig ist an meinen Argumenten nichts. Es sind die gleichen Argumente, die jeden Tag von zig Medienwissenschaftlern vorgebracht, aber nie gehört werden.

21.03.2009
19:01
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von thetruthis? | #5

Wie einfach und unsensibel, alles mit der Populismuskeule zu begründen. Also doch empathische Defizite !
Jede einzelne Forderung dieser Eltern ist berechtigt und nachvollziehbar. Leider wird ihre politische und gesellschaftliche Durchsetzung wohl ein Traum bleiben.
Trotzdem müssen sie,gerade weil sie von den direkt Betroffenen formuliert wurden, ernst genommen und nicht mit fadenscheinigen Argumenten pro Killerspiele oder einer Ansammlung von `Korinthenkackereien` abqualifiziert werden.

21.03.2009
18:24
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von rotwang | #4

Niemand. Populismus - und nichts anderes ist das, was in dem Brief steckt - hilft niemandem weiter. Ich habe mal versucht, meine Kritik an diesem offenen Brief ausführlich zu erklären, weil ich diesen Brief und seine Forderungen größtenteils für völlig falsch halte:

http://rotwang.blog.de

Natürlich sind Sie dort auch herzlich zu einer Diskussion eingeladen.

21.03.2009
17:32
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von thetruthis? | #3

#2
Wer sonst?
Gerade diese leidgeprüften Eltern haben das Recht ,derartige Forderungen zu stellen.
Wer so ewas pervers nennt, hat entweder nichts aus der Sache gelernt und will das auch garnicht, oder ihm fehlen die einfachsten empathischen Voraussetzungen.

21.03.2009
16:35
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von rotwang | #2

Irgendwie pervers, wie die eigenen Eltern aus dem Leid ihrer Familien nun Kapital für fragwürdige Forderungen schlagen wollen.

21.03.2009
12:39
Wir wollen, dass Killerspiele verboten werden
von BerndBruns | #1

Die Forderungen in diesem Offenen Brief kann ich uneingeschränkt unterschreiben.

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