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„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich

26.10.2011 | 14:33 Uhr
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
Das neue Schlecker-Motto stieß auf Unmut. Nachdem es ein Unternehmenssprecher mit dem Bildungsniveau des Durchschnittskunden verteidigte, erklärt sich Schlecker nun ausführlich. Foto: Lutz von Staegmann/ WAZ Foto Pool

Essen.For You. Vor Ort. Ein Unternehmensmotto, das laut einem persönlichen Brief der Schlecker-Unternehmenskommunikation auf Kunden mit „niederem bis mittlerem Bildungsniveau“ zugeschnitten ist. Viele Kunden fühlen sich davon beleidigt. Nun erklärt sich Schlecker.

„Wer so von seinen Kunden denkt, braucht diese auch nicht als Käufer!“ kommentiert ein User den Artikel, ein anderer schreibt „Das war ein Eigentor ohne Gleichen (...) Da gehe ich doch im Leben nie wieder hin.“ Viele Kommentare haben einen ähnlichen Tenor. Der ohnehin angeschlagene Ruf des Drogisten hat durch den Brief noch weiter gelitten.

Einfache Menschen bilden „das Rückgrat unserer Gesellschaft“

Nun hat sich Schlecker eingeschaltet. In einem Blogeintrag wird der Brief von Florian Baum, Leiter der Unternehmenskommunikation des Drogerie-Kette an den Verein für Sprachpflege e. V. noch einmal ausführlich erklärt. Patrick Hacker, von der Düsseldorfer Kommunikationsagentur komm.passion schreibt für Schlecker: „Ja, wir stehen zu diesem Motto, wie wir auch zu einer unserer wichtigsten Zielgruppen stehen: Menschen mit einfachem bis mittlerem Bildungsniveau. Menschen also, die ganz normal einen Haupt- oder Realschulabschluss gemacht haben und heute in vielfältigen Berufen das Rückgrat unserer Gesellschaft bilden – zum Beispiel als Handwerker, Briefträger, Krankenschwestern, Büroangestellte oder auch als Hausfrauen und -männer“

Dabei zeigt sich das Unternehmen empört von der Internetdebatte - und schiebt den Schwarzen Peter zurück. Nicht Schlecker, sondern die Internetnutzer hätten ein niedriges Bildungsniveau mit „unterbelichtet“ und „dumm“ gleichgesetzt und sich damit „zynisch“, „unverschämt“ und „arrogant“ verhalten.

Im Gespräch mit der derWesten bekräftige Patrick Hacker diese Position. Eine „soziologische Einordnung“ der Kunden sei nichts Verwerfliches, sondern eine ganz normale Unternehmenspraxis. Der „falsche Zungenschlag“ sei nicht durch Florian Baum, sondern durch die Medien in die Debatte gebracht worden.

Schlecker-Image ohnehin angekratzt

Und mit Schlecker findet die Debatte tatsächlich ein dankbares Opfer. Der Ruf des Unternehmens ist ohnehin angekratzt. Immer wieder weisen Nutzer in ihren Kommentaren auf die früheren Skandale der Drogerie-Kette hin. „Es ist schon lange bekannt, dass Schlecker seine Mitarbeiter aufs Übelste ausbeutet.“ kommentiert ein User den Artikel. Die Kritik an den schlechten Arbeitsbedingungen zieht sich durch fast alle Kommentare.

Dabei schaltet sich der Kommunikationsbeauftragte Hacker immer wieder ein. Die Kommentierenden hätten augenscheinlich „aktuelle Entwicklungen nicht auf dem Schirm“. Mittlerweile werde Schlecker sogar von Gewerkschaften für den Umgang mit den Mitarbeitern gelobt. Die lebhafte Teilnahme an der Diskussion ist, so Hacker, Teil einer neuen Schlecker-Strategie.

Offen, Ehrlich, Transparent - die neue Strategie

Offen, ehrlich, transparent wolle man nun sein - auch weil man wisse, dass in der Vergangenheit vieles nicht gut gelaufen sei. „Wer schweigt, nimmt hin, dass er missverstanden wird“, so Hacker weiter. Dies wolle man künftig nicht mehr in Kauf nehmen, sondern sich aktiv beteiligen, mit Blog-Einträgen, Kommentaren - so wie es aktuell vorgemacht wird.

„Diese Offenheit hätten uns viele nicht zugetraut“ klopft sich der Kommunikationsexperte auf die Schulter. Auf diese Weise könnte man viel Respekt und Glaubwürdigkeit gewinnen. Allein, bei den Kommentaren unter dem Artikel, ist diese Wirkung noch nicht zu beobachten. „Da kann es nur eine Antwort geben: Mit den Füßen abstimmen.“ reagiert ein Nutzer genervt. „Dann kommen diese Oberschlauen vom hohen Roß herunter.“

 

 

 

 

Charlotte Theile

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Kommentare
26.10.2011
21:29
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von siddartha | #26

#13 von fragender123
Ihr aufwendiger Kommentar gefällt mir!

Meine persönliche Beobachtung:
Umso anspruchsvoller ein Produkt ist, sei es Werbung, Kinofilme, Fernsehprogramme oder Musik, umso weniger Konsumenten erreicht es.

Wir leben nun mal in einem Land wo zum Beispiel anspruchsvolle Fernsehsender wie Arte oder Phoenix froh sein können, wenn sie 3% der Fernsehzuschauer erreichen. Bei der Werbung wird es da wohl nicht anders sein.

26.10.2011
21:00
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von akaz | #25

@ #21 Linker-Genosse, genau richtig.
In einem Schnellimbiss habe ich mal eine Kaffee Togo verlangt. Den haben wir nicht, war die Antwort. Aber das würde ja da stehen. Das ist aber ein Kaffee tu gou, wurde mir gesagt, den könnte man mitnehmen.
Ach so, dann bitte einen Kaffee zum Rumlatschen.

26.10.2011
20:32
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von oldbaer | #24

Da ich als alter Mensch nur die mittlere Reife habe gehöre ich also zur Schlecker Zielgruppe? Hätten die Schlecker Verantwortlichen doch lieber den Mund gehalten. So macht sich das Unternehmen nur lächerlich.

26.10.2011
20:18
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von Albertros07 | #23

Warum hat Schlecker denn eine eigene Rechtsabteilung?

26.10.2011
20:16
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von Albertros07 | #22

Ich hoffe für Herrn Hacker das er für seine so toll geleistete Arbeit auch sofort ordnungsgemäß bezahlt wird. Schlecker-Mitarbeiter wissen wie schwer es ist ihre Überstunden bezahlt zu bekommen, ohne Anwalt -Danke an Verdi- läuft man nur auf. Diese Probleme wünsche ich Herrn Hacher nicht, auch wenn er durch seine rote Brille alles für seinen tollen Job (Auftragserfüllung) tut.
Es scheint für ihn ist Schlecker der Gott. Gewerkschaften loben Schlecker? Wo und wann, fragt mal Verdi wie die gegen Schlecker kämpfen müssen. Denn die wissen ja, dert Anwalt von Schlecker sitzt im Arbeitgeberverband und tut alles das Schlecker kein Geld verliert. Wer kann sich soeinen Anwalt wohl leisten... Siehe die neue Liste der reichsten Deutschen wieviel Schlecker verloren hat, die Kunden wissen schon wo sie einkaufen.

26.10.2011
18:59
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von Linker-Genosse | #21

Denglish?

Wie wäre es mit Kaffee to go.

Wenn ich das an den Büdchen lese kann ich nur lachen.
Da bevorzuge ich doch lieber das Ruhrshoppen.....;))))

26.10.2011
18:55
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von michaausessen | #20

Die Drogeriemarktkette Schlecker hat sich mit ihren wiederholten Äußerungen in Bezug auf das Bildungsniveau ihrer Kundschaft einen Bärendienst erwiesen. Es mag in der Wirtschaft üblich sein, solche Betrachtungen vorzunehmen. Diese jedoch in solch ungeschickter Weise öffentlich zu machen, ist hochnotpeinlich und ein Armutszeugnis für den Pressesprecher und das Management von Schlecker. Ich persönlich habe vor körperlich hart arbeitenden Menschen mit Hauptschulabschluss mehr Respekt als vor charakterlosen Hochschulabsolventen, die sich einzig und allein mit dem Ellenbogen nach oben boxen. Im Übrigen sei an dieser Stelle noch einmal erwähnt, dass Schlecker unter den Drogeriemärkten die Apotheke Nummer eins ist. Billig sind allein die Aufmachung der Ladenlokale und die Arbeitsbedingungen. Die Preise hingegen sind meist deutlich höher als bei der Konkurrenz.

26.10.2011
18:47
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von ruhrgebieti | #19

Ehrlich gesagt finde ich die Aufregung um den sprachlichen Gag For you. Vor Ort. etwas übertrieben. Da haben die Deutschen schon schlimmeres überstanden.

Zum Beispiel kann man im Moment ein nagelneues Quatschwort in Karstadt-Fillialen und einigen Modeketten bewundern: Mid Season Sale.

26.10.2011
18:44
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von Jerrymator | #18

Der sogenannte Kommunikationsexperte macht es nur schlimmer. Anstatt zu sagen - sorry so haben wir das nicht gemeint, wir treten von unseren Aussagen zurück, wird diese unmögliche Kommunikation noch schön geredet. Schlecker nein danke, der letzte Laden, sollen alle Pleite gehen,,,,

26.10.2011
18:35
„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“ - Schlecker verteidigt sich
von twenteenschede | #17

„Wir stehen zu unserer Zielgruppe“
Ja, das sagen nicht nur die Führungskräfte der Schlecker-Kette
sondern vermutlich auch diejenigen, die des öfteren
den Bediensteten in diesen Räumlichkeiten einen unangenehmen Besuch abstatten.
Kohle raus, aber dalli das ist doch der Sprachgebrauch dieser Menschen mit einfachem Bildungsniewo
Vor ju, vor Ort - vor mi !

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