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"Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen"

29.07.2012 | 19:29 Uhr
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Foto: /dapd/Axel Heimken

Der Chef der Eurogruppe, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, warnt vor dem Zerfall der Währungsunion. "Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). Die Welt rede darüber, ob es die Eurozone in einigen Monaten noch gibt. Um den Euro zu retten, sei "keine Zeit mehr zu verlieren", fügte Juncker hinzu.

München (dapd). Der Chef der Eurogruppe, der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, warnt vor dem Zerfall der Währungsunion. "Wir sind an einem entscheidenden Punkt angekommen", sagte er der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe). Die Welt rede darüber, ob es die Eurozone in einigen Monaten noch gibt. Um den Euro zu retten, sei "keine Zeit mehr zu verlieren", fügte Juncker hinzu. Die Euroländer müssten jetzt "mit allen verfügbaren Mitteln überaus deutlich machen, dass wir fest entschlossen sind, die Finanzstabilität der Währungsgemeinschaft zu gewährleisten".

Juncker bestätigte, dass sich die Euroländer zusammen mit dem Rettungsfonds EFSF und der Europäischen Zentralbank (EZB) darauf vorbereiten, notfalls Staatsanleihen schuldengeplagter Euroländer aufzukaufen. Daran bestehe kein Zweifel, sagte er. "Es ist noch zu entscheiden, was genau wir wann machen werden." Dies hänge "von den Entwicklungen der nächsten Tage ab und davon, wie schnell wir reagieren müssen."

"Alles Geschwätz" über Austritt Griechenlands nicht hilfreich

Die Euroländer seien "fest entschlossen, den Euro in seinem Bestand, also mit allen Euroländern, und in seiner Bedeutung zu halten", sagte Juncker. "Alles Geschwätz" über einen Austritt Griechenlands sei da nicht hilfreich. Wer denke, dass die Probleme der Eurozone dadurch behoben würden, dass man das Land ausschließe oder fallenlasse, habe die eigentlichen Ursachen der Krise nicht erkannt.

Griechenland stehe immer noch "in der Schuld, liefern zu müssen", sagte Juncker. Aber mit dem Ausschluss des Landes würden die Probleme der Eurozone nicht behoben. "Im Gegenteil. Das Ansehen der Euroländer weltweit würde erheblich geschädigt, es würden enorme Folgeschäden entstehen."

Juncker kritisierte, vor allem in Deutschland werde stets gemahnt, den Troika-Bericht zu Griechenland abzuwarten. "Aber schon bevor er da ist, erklärt man, was drin steht. Das ist Innenpolitik. Wieso eigentlich erlaubt sich Deutschland den Luxus, andauernd Innenpolitik in Sachen Eurofragen zu machen? Warum behandelt Deutschland die Euro-Zone wie eine Filiale?" Wenn das alle Regierungen der 17 Euroländer so machten, "was bliebe dann übrig von dem, was uns gemeinsam ist", sagte der Eurogruppen-Chef.

Er rede hier nicht von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und "auch nicht mal von der gesamten Regierung". Namen wollten Juncker nicht nennen.

dapd

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