Winnenden: Familie des Amokläufers entschuldigt sich
18.03.2009 | 09:22 Uhr 2009-03-18T09:22:00+0100
Stuttgart. Die Eltern des Amokschützen von Winnenden haben sich in einem offenen Brief für die Tat ihres Sohnes entschuldigt und den Angehörigen der Opfer ihr Beileid ausgesprochen. "Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie", heißt es darin.
Knapp eine Woche nach dem Amoklauf von Winnenden hat sich die Familie des 17-jährigen Täters erstmals offiziell geäußert und den Opfern ihr Mitgefühl ausgesprochen. In einem offenen Brief, der vom Anwalt der Familie aus Leutenbach (Rems-Murr-Kreis) am Dienstag in Stuttgart verbreitet wurde, hieß es:
«Ihnen wurde das Wertvollste und Wichtigste, ein geliebter Mensch, durch die entsetzliche und unbegreifbare Tat unseres Sohnes und Bruders, genommen. Immer und immer wieder fragen wir uns, wieso dies geschehen konnte. Warum wir seine Verzweiflung und seinen Hass nicht bemerkt haben. Bis zu dem furchtbaren Geschehen waren auch wir eine ganz normale Familie. Wir hätten Tim so etwas nie zugetraut und kannten ihn anders.
"Wir stehen stumm vor der unfassbaren Tragödie"
Wir sind bestürzt und stehen weinend und stumm vor der unfassbaren Tragödie. Unser tiefstes Mitgefühl möchten wir den Opfern, Angehörigen und Freunden aussprechen. Alle unsere Gedanken sind auch bei den körperlich und seelisch Verletzten.» Tim Kretschmer hatte am vergangenen Mittwoch bei einem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet.
Unterdessen ist noch unklar, ob an der Albertville-Realschule, wo der Amoklauf des 17-Jährigen begann, je wieder Unterricht stattfinden kann. «Das kann man heute noch nicht abschließend sagen», sagte Kultusminister Helmut Rau (CDU). Vorrang habe nun «die Aufarbeitung des Geschehenen» mit den Betroffenen.
Oettinger fordert Computerkenntnisse für Eltern
Seit der Tat in Winnenden haben laut Innenminister Heribert Rech (CDU) zahlreiche sogenannte Trittbrettfahrer die Ermittlungen behindert. Bis Sonntag seien alleine 52 Amok-Drohungen für Schulen eingegangen, fünf Täter wurden bereits festgenommen. Die Polizei will nun präventiv verstärkt vorgehen und über die Strafkonsequenzen einer solchen Amokdrohung aufklären.
Unterdessen forderte Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) als Konsequenz aus der Gewalttat von Eltern ausreichend Computerkenntnisse für die Erziehung der Kinder. Wenn sich Kinder mit Rechnern und dem Internet beschäftigten, müssten Eltern sich «soweit auskennen», dass sie ihr Kind dabei «begleiten» und «kontrollieren» könnten, sagte er.
Zentrale Verriegelung von Klassenzimmern
Der Amokläufer Tim K. habe seine «zweite Identität» nicht «fernab des Elternhauses» gepflegt, sondern in seinem Jugendzimmer. Forderungen nach scharfen Zugangskontrollen an Schulen wies Oettinger aber zurück. Justizminister Ulrich Goll (FDP) forderte zum besseren Schutz von Schulen eine zentrale Verriegelung aller Klassenzimmertüren, deren Mechanismus etwa durch ein Lichtzeichen ausgelöst werde.
Bezüglich der Ermittlungen sagte Innenminister Heribert Rech (CDU), die im Internet aufgetauchte Tatandrohung des 17-jährigen Tim Kretschmer sei vermutlich eine Fälschung. «Vieles spricht dafür», sagte er. Allerdings gebe es diesbezüglich noch keine endgültig gesicherten Erkenntnisse.
Amokläufer hat sich per Kopfschuss getötet
Unterdessen wurden am Dienstag weitere Opfer des Amoklaufs beigesetzt. Eine Schülerin sei beerdigt worden, zudem je eine Lehrerin in Schwäbisch Gmünd und Weissach im Tal, sagte ein Polizeisprecher. Wann die Beerdigung des Amokläufers stattfinden wird, ist derzeit noch unklar. Laut vorläufigem Obduktionsergebnis vom Dienstag hat sich der 17-Jährige mit einem Kopfschuss selbst getötet. Es sei ein «Nahschuss» gewesen, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart.
Zu der geplanten zentralen Trauerfeier am Samstag in Winnenden erwartet die Landesregierung derzeit bis zu 100 000 Teilnehmer. Am Mittwoch soll um 10 Uhr eine landesweite Schweigeminute abgehalten werden. Oettinger will anschließend im Landtag ein Gedenkwort sprechen.
Vater soll Waffenbesitzkarte entzogen werden
Dem Vater des Amokläufers soll die Waffenbesitzkarte entzogen werden. Das Landratsamt Waiblingen leitete ein Widerrufsverfahren zu der Karte ein, wie die Behörde am Dienstagabend mitteilte. Man zweifele an der Zuverlässigkeit des Mannes. Der Vater des 17-Jährigen hatte die Waffe, die sein Sohn für den Amoklauf am vergangenen Mittwoch benutzte, im Schlafzimmer aufbewahrt. Seine Waffen und Munition wurden von der Polizei sichergestellt.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt zudem gegen den Vater wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung, da konkrete Anhaltspunkte vorlägen, dass er Kenntnis von den gesundheitlichen Problemen seines Sohnes hatte. Tim K. soll unter Depressionen gelitten haben. (ddp/ap)
09:20
#18
Ja, ja sind die Klugscheisser wieder unterwegs. Tun die Eltern nichts, heißt es, wenigstens entschuldigen hätten sie sich können, entschuldigen sie sich ist es auch wieder nicht in Ordnung.
Nimm dir deinen Kommentar mal selber als Beispiel:
Einfach mal die Fresse halten.
09:16
Ich freue mich, dass es auch nachdenkliche Stimmen gibt, die die unbarmherzigen Nachtreter beschämen.
21:25
Das ist ja nett, die Eltern entschuldigen sich. Gern geschehen, nichts für ungut!
Wieso halten die Eltern nicht einfach den Mund? Müssen sie noch einen draufsetzen?
21:20
#15
KEINE Eltern können diese Situation in der Zeit verarbeiten,(sie und die gesamte Familie)
da sie solch ein Ereignis noch vor dem Amoklauf IHRES Sohnes als für nicht möglich gehalten hätten. Sie werden es in Ihrem weiteren Leben nicht verarbeiten können.
Das schlimme ist, die nicht Rücksichtnahme der doch zum Teil an humanistischen Gymnasien erzogenen Journalisten.
Das es Ausnahmen gibt wie die B..d-Zeitung müssen wir einfach hinnehmen, aber es muss doch eine Presse geben, die weiter denkt und schreibt.
Ich denke auch, dass es die einzige Möglichkeit ist ,sich vor gewissen Teilen der Presse, aber auch von öffentlichkeitsgeilen Politikern, sich zu schützen, in dem man einen Rechtsanwalt einschaltet.
Ich möchte nicht wissen, wieviel Paparazzi die Familie belagern, um irgendein Bild zum höchst möglichen Preis an die Presse zu verkaufen.
Und die kaufen es auch noch!!!!!!!!!????????
21:16
Ja das stimmt, was pdhichtys da gesagt hat.
Auch ich bin ein Christ und werde immer Christ bleiben, auch wenn ich mit der Kirche nichts mehr zu tun haben möchte (bin schon mit 18 aus der kath. Kirche ausgetreten), ich war 5 jahre meines Lebens Meßdiener und habe viele schöne Stunden in der Kirche verbracht und das hat mich auch mitgeprägt - sicherlich auch mein sehr liberales Elternhaus; nur teile ich nicht die Ansichten des Papstes und seinen alten Männern, auch nicht die Ansichten der fanatischen Christen oder Moslems oder sonst welchen Glaubenbrüdern; aber wir Menschen brauchen Werte, und ich glaube, dass die Werte Jesus einzigartig sind --- denn nur die Liebe kann den Menschen wirklich retten. Meine Eltern haben mir die Werte wie Ehrlichkeit, Verantwortung, Brüderlichkeit, Gleichheit, Toleranz, Dankbarkeit, Gewaltlosigkeit, Mitgefühl, Hilfbereitschaft...nur um einige zu nennen mit auf dem Weg gegeben und ich denke mir, ich bin damit ganz gut gefahren.
Sicher sind wir Menschen, die sich Christ nennen nicht perfekt, alle machen Fehler und es gibt leider immer wieder schwarze Schafe unter dem Deckmantel Nächstenliebe, aber es gibt auch Menschen die sich für andere Menschen aufopfern... sie pflegen, heilen und mit ihnen sprechen - alles Menschen für Menschen.
Auch sollte man z. B. als Vater (denn eine Mutter wird es so oder so tun - denn nichts ist stärker als die Mutterliebe) seine Kinder lieben und achten. Es gibt viel Väter die ihre Kinder im Stich lassen, sich nicht richtig um sie kümmern - sei es nur mal Abends eine Gute-Nacht-Geschichte vorlesen; oder das Kind, wenn es traurig ist in den Arm nehmen, mit dem Kinde mal schmusen...es einfach das Gefühl geben, das Papi sein Kind lieb hat..also Geborgenheit geben - das ist wichtig für ein Kind. Ein Kind mit seinen Sorgen und Nöten...auch wenn sie noch so klein erscheinen, nicht alleine lassen. Wir müssen mehr mit unseren Kindern spielen, lachen und toben - so wie wir es früher als Kind auch getan haben. Kinder brauchen Zuwendung aber auch Regeln, nur dann können sie zu gesunden und verantwortungsvollen Menschen heranwachsen.
Die Eltern des Amokläufers werden sich ihr ganzes Leben fragen, was sie falsch gemacht haben....und nur sie werden es wissen. Welche Werte haben sie ihrem Sohn mitgegeben? Das nur Geld zählt?! Das nur das Ich zählt? Haben sie ihn zu oft alleine gelassen, mit seinen Gedanken? Auch weil sie Fehler gemacht haben, muss man ihnen Trost schenken, denn ihr weiteres Leben wird nicht einfach für sie werden. Alle Familien die einen Toten zu beklagen haben und Alle, die das Grauen letzte Woche miterlebt haben, sollten wir Trost und Zuversicht schenken und in unsere Gedanken miteinbeziehen.
20:33
Ich glaube, dass die Eltern mit der Situation einfach überfordert sind und das keine böse Absicht dahinter steckt wenn alles über einen Anwalt läuft. Sich in dieser Situation den Eltern der getöteten Kinder, der zerfleischenden Presse und der ganzen Umwelt entgegenzustellen, das ist, glaube ich noch zu früh.
20:33
Warum?
20:23
„…Meine Gedanken gehen auch zur Familie des Täters. Niemand kann ihren Schmerz, ihre Trauer und wohl auch ihre Scham ermessen. Ich möchte ihnen sagen: Was immer ein Mensch getan hat: er bleibt ein Mensch…“ Bundespräsident Johannes Rau am 3.Mai 2002 vor dem Dom zu Erfurt bei der Gedenkfeier für die Opfer des Amoklaufs am Gutenberggymnasium
20:22
#1
Dein Kommentar werte ich als Stammtischparole nach 22 Bier und 10 Korn.
Ich wünsche es Dir nicht, aber wenn Du
mal einen Menschen, den Du sehr magst verlierst,
der sich selbst sein Leben genommen hat und Du Dich immer und immer wieder fragst WARUM,WARUM,
warum habe ich nichts gemerkt?? Warum hat er sich nicht an mich gewandt??
DANN, glaube mir, wirst Du ganz still werden!!
Mein Mitgefühl gilt allen Opfern, sowohl den Schülern und Lehrerinnen, als auch den Angehörigen des Täters.
Wer würde der Familie des 18-jährigen Autofahrers, der sich und seine 3 Mitfahrer/rinnen in nächtlicher Stunde von der Disco aus gegen den Baum in den Tod fährt eine Mitschuld aufgrung falscher Erziehung vorwerfen???
Dies geschieht mehrfach pro Jahr.
Haben die Eltern auch da in der Erziehung versagt.
Vielleicht hat er ja vorher auf dem Computer Autorennspiele gespielt????????
Lächerlich!!
Versucht Euch mal in die Situation der Eltern, Schwester, Großeltern hinein zu versetzen, ich glaube, dann werdet Ihr ganz kleinlaut.
20:07
Wen jemand schon Schußwaffen und Schießübungen zum Hobby hat,müßen doch alle Alarmglocken läuten!!Wieso hat der Psychologe wo dieser verstörte Millionärssohn in Behandlung war,nicht nachgehagt und die Eltern zur Waffenabgabe gedrängt??
Ein richtig guter Arzt hätte den Junge gewandelt und den Amoklauf verhindert!!!!