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Enthüllungen

Wikileaks und die Risiken der Wahrheit

01.12.2010 | 17:56 Uhr
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
Foto: Oliver Lang/dapd

Essen.Kleine Lügen erhalten die Freundschaft: Was im Privaten gilt, wird auch in der Politik praktiziert. Vor allem Diplomaten müssen im Umgang miteinander gute Miene zum bösen Spiel machen. Wikileaks untergräbt diese Praxis.

Wir alle lügen, aus wissenschaftlicher Sicht sogar mehrmals am Tag. Oft lügen wir aus Angst, andere zu verletzen oder mit unserer Meinung anzuecken. Auch auf dem politischen Parkett sind die als „White Lies“ bezeichneten Schummeleien gang und gäbe, durchaus aus guten Gründen. Wie riskant die Wahrheit sein kann, zeigen diejüngsten Veröffentlichungen geheimer US-Einschätzungen über internationale Politiker auf Wikileaks.

Info
Was ist Wikileaks?

Enthüllen und aufklären – das wollen die Erfinder von WikiLeaks. Auf ihrer Homepage werden geheime Dokumente veröffentlicht, die Skandale aufdecken: über die Kundus-Affäre, über Scientology - und aktuell Zehntausende US-Berichte.

Auf der Internet-Plattform WikiLeaks kann jeder anonym Dokumente veröffentlichen, wenn sie im öffentlichen Interesse stehen. So wurden auf der Plattform bereits Unterlagen, die Steuertricks der Schweizer Privatbank Julius Bär offenbaren, Handlungsanweisungen für das US-Gefangenenlager Guantanamo und geheimes Scientology-Material oder die Mitgliederliste der rechten British National Party veröffentlicht. Auf WikiLeaks wurden auch große Teile der Kundusakte sowie ein Video öffentlich gemacht, das zeigte, wie US-Soldaten in Bagdad unbewaffnete Zivilisten erschießen.

Dabei prüft Wikileaks nach eigenen Angaben jedes Dokument auf seine Echtheit. Das Restrisiko, auf eine Fälschung hereinzufallen, liege bei höchstens einem Prozent. Um die Informationen öffentlich zu machen, wurde ein System „für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen“ geschaffen, wird auf der Homepage behauptet. Serverkosten, Registrierungs-Gebühren, Bankgebühren und Bürokratie-Kosten werden durch Spenden von Privatpersonen finanziert. Geld von Unternehmen oder Regierungen nimmt WikiLeaks laut Erfinder Julian Assange nicht an. (vk)

Hier geht’s zur Homepage von Wikileaks.

 

Während auf politischer Ebene stets absolute Höflichkeit herrscht, kamen in diesen Dokumenten die privaten Einschätzungen amerikanischer Botschaftsangehöriger auch über deutsche Politiker ans Licht. Günther Öttinger sei „eine lahme Ente“, Dirk Niebel wird als „schräge Wahl“ bezeichnet und CSU-Chef Seehofer sei „unberechenbar mit begrenztem Horizont“. Henning Riecke von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin sieht in diesen Veröffentlichungen aber keine politische Katastrophe. „Klar ist das ein peinlicher Moment. Aber was da drinsteht, könnte aus einer deutschen Tageszeitung stammen. Das sind nüchterne Einschätzungen. Auch die Deutschen würden genauso offen über Schwächen der Amerikaner diskutieren und könnten nur hoffen, dass sie nicht die nächsten sind, die erwischt werden .“

Beim Lügen schämt man sich

Menschen lügen immer dann, wenn sie sich selbst in ein besseres Licht setzen können oder andere vor Schaden bewahren wollen, erklärt Prof. Dr. Alfons Hamm vom Institut für Psychologie der Universität Greifswald. „Eine Lüge ist immer mit Scham verbunden“, sagt der Wissenschaftler, der sich mit Emotionen beschäftigt und dabei auch das Wesen der Lüge erforscht hat – denn immerhin verstoße man beim Lügen gegen Moralvorstellungen. Bei Kindern sei dies ganz deutlich zu erkennen, denn sie meiden dann den Blockkontakt. Nach einer „White Lie“ fühle man sich allerdings auch erleichtert, weil man auf diese Weise einen möglichen Konflikt vermieden habe. „Man erscheint dann sozial angepasst. Lügen macht das Leben leichter.“ Hamm nennt eine „White Lie“ deshalb auch Feigheitslüge oder Mitleidslüge. „In der Diplomatie suggeriert man, dass man jeden ernst nimmt, hat aber hintenherum sehr abwertende Urteile abgegeben.“ Damit habe Wikileaks die betreffenden Diplomaten bei einer Lüge erwischt, was für diese jetzt natürlich peinlich sei. Politik jedoch ganz ohne dieses Verwirrspiel – das hält Hamm nicht für möglich. „Auf dieser Ebene gibt es ja ganz andere Konsequenzen, wenn man immer seine wahre Meinung äußert.“ In diesem Fall sei der Schuss allerdings nach hinten losgegangen.

Keine Diplomatie ohne Geheimnisse

Henning Riecke wiegelt ab. So schlimm sei die Veröffentlichung der Politikerbeurteilungen nicht. „Ich glaube, dadurch wird man kurzfristig vorsichtiger miteinander umgehen. Doch die Beziehungen zwischen Ländern hängen ja auch noch von anderen Faktoren ab.“ Trotzdem dürfe nicht alles öffentlich gemacht werden, was in der Diplomatie besprochen werde. „Ohne Geheimnisse gibt es keine Diplomatie.“

Außenminister Westerwelle jedenfalls zeigte sich nach der Veröffentlichung überzeugt, dass der Vorfall die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten nicht beeinflussen werde. „Wir arbeiten mit der amerikanischen Regierung eng und freundschaftlich zusammen, und das wird auch so bleiben.“ Bleibt die Frage, ob das die Wahrheit oder eine „White Lie“ ist.

>>> Zum Wikileaks-Spezial

Rebecca Müller

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Kommentare
02.12.2010
15:38
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von Anybody | #11

Und ich dachte erkant wäre ausgewandert, nach Absurdistan,
Schmarotzende Pensionäre bleiben dem Deutschen Volk doch wohl erhalten.

02.12.2010
13:54
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von MisterB | #10

#6 von r.kant ,

Sie prangern die Drecksarbeit von einigen verwirrten Denunzianten an und verlangen gleichzeitig, dass sich Julian Assange auf Grund der Drecksarbeit von 2 Denunziantinnen in den Knast begeben soll...

...das ist genau die gleiche Logik, weswegen Sie als FDP/CDU-Sympathiesant überhaupt kein großes Interesse an der Wahrheit haben...

....man man man, trotz langer Abwesenheit immer noch so r.krankt wie eh und je...

02.12.2010
13:36
Blockierter Kommentar.
von Dunkelmänner im LVR | #9

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.12.2010
13:05
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von Ziviler Ungehorsam | #8

Die Gruft hat sich geöffnet

02.12.2010
13:03
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von Respect | #7

mal nen einblick in diplomatie zwischen heuchelei und wahrheit zu nehmen ist doch interressant.

wenn man demnaechst jetz noch die banken und energiekonzerne und deren email depechen quer liest ist doch klar das die eigentliche heuchelei wahrscheinlich bei den banken.etc..... hinter verschlossenen tueren liegt.
das geht alle an...
darum gehts uns auch so schlecht weil niemand ehrlich ist.... oder beteiligt wird.
die boerse bricht schon bei vorwarnung zusammen.
mit ehrlichkeit
damit laesst sich wohl kein geld verdienen....aber evt mit staatsabzocke der banken ...usw

wir sind die netten ist sehr schnell publiziert ....
und wikileaks schlecht.
da sind aber viele chancen drin fuer offenere weltpolitik zb...
aufregung sicher
aber nur solange hinter verschlossenen tueren nicht das wahre gesicht lauert.

demnaechst bei wikilead

02.12.2010
13:02
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von r.kant | #6

Wenn Wahrheit für Herrn Assange so wichtig ist, dann soll er sich doch mal den Behörden stellen und die Vorwürfe der Vergewaltigung gegen ihn aufklären.

Wer nichts zu verbergen hat muss sich ja wohl auch nicht verstecken, oder ??????

Ich halte Julian Assange für einen unsympathischen aufgeblasenen Wichtigtuer, der selbst nicht tut, sondern die Drecksarbeit von einigen verwirrten Denunzianten machen lässt und sich dann auf Aufklärer und Messias feiern lässt, während seine Zuträger für Jahrzehnte ins Gefängnis wandern.

02.12.2010
12:55
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von Ziviler Ungehorsam | #5

#1. Demokratie kann die Wahrheit vertragen. Unrechtssysteme oder Pseudodemokratien fürchten die Wahrheit. Denn das könnte ja zu aufgeklärten Bürgern führen.

02.12.2010
12:45
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von fliegepuk | #4

die veröffentlichung ist absolut richtig, damit politiker auch mal sehen können, dass sie sich nicht alles erlauben dürfen und auch mal richtig an den pranger gestellt werden.

02.12.2010
12:43
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von BeowulfOF | #3

Warum nicht für eine Welt kämpfen, die weniger Lügen, mehr Ehrlichkeit, Ehre, Anstand und Höflichkeit, Respekt und Mitgefühl aufbringt?

02.12.2010
12:40
Wikileaks und die Risiken der Wahrheit
von Löschtmichdoch | #2

Risiken der Wahrheit, wenn ich sowas lese.

Die Warheit bedeutet doch nur ein Risiko, wenn man etwas zu verbergen hat, sprich unethisch, unsozial,korrupt etc. handelt.

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