Weniger Haltestellen beim Rhein-Ruhr-Express
10.01.2011 | 07:00 Uhr 2011-01-10T07:00:00+0100
Essen.Der Rhein-Ruhr-Express soll den Schienen-Verkehr an Rhein und Ruhr zwar beschleunigen. Doch das geht wahrscheinlich nur durch die Streichung von Haltestellen.
So groß ist der Unterschied gar nicht: Der ICE braucht für die Fahrt von Dortmund nach Köln 47 Minuten, der schnellste Regionalexpress ist nur fünf Minuten länger unterwegs. So steht es zumindest im Fahrplan. In der realen Welt jedoch wird der Regionalexpress (RE) oft vom Fernverkehr ausgebremst: Dauert das Ein- und Aussteigen beim RE länger als geplant, muss er irgendwann den schnelleren ICE vorbeilassen, was weitere Minuten kostet und am Ende steht eine Viertelstunde Verspätung.
Kein Wunder, dass die Bahn beim Zukunftsprojekt Rhein-Ruhr-Express (RRX) das Ziel verfolgt, dass sich Nah- und Fernverkehr nicht mehr in die Quere kommen. Dafür gibt es zwei Wege. Der eine: Nah- und Fernverkehr bekommen getrennte Gleise. So wie jetzt bereits die S-Bahn über weite Strecken zwei Gleise für sich hat - und daher deutlich häufiger nach Plan fährt als der übrige Nah- und Fernverkehr.
Triebwagen bieten mehr
Türen für die Fahrgäste
Das Dumme: Um den übrigen Nahverkehr separat zu führen, bräuchte die Bahn drei Gleise je Richtung, je eines für Fernverkehr, RRX und S-Bahn. Sechs Gleise aber gibt es nur auf einem kurzen Stück zwischen Düsseldorf und Duisburg. Demnächst sollen sie für den RRX auf dem gesamten Stück zwischen diesen beiden Städten entstehen. Sonst aber ist es auf der RRX-Route dafür meist zu eng.
Manchmal schaut man ja so weit in die Zukunft, dass man über die eigenen Beine stolpert. Das ist gewissermaßen der Bahn passiert: Eifrig hatte man lange Jahre den Traum von einer Magnetschwebebahn als neuem Nahverkehrsmittel an Rhein und Ruhr geträumt, bevor man den RRX mehr oder weniger als „Ersatz“ ins Auge fasste. Wobei der allerdings den Bedürfnissen der Menschen zwischen Düsseldorf und Dortmund näher kommen dürfte als es der Schwebezug je gekonnt hätte.
Die Bahn räumte für den Techniktraum im ICE-Tempo eine Güterzugstrecke von Duisburg-Wedau durch die Innenstädte von Mülheim und Essen nach Bochum frei und legte sie still. Jetzt kommen im Norden des Reviers die Güterzüge dem Personenverkehr in die Quere... Und Profiteure des RRX-Vorläufers Metrorapid werden die Radfahrer. Die alte Bahnstrecke wird Fahrradweg: von Essen Mitte bis hinunter zum Rhein. Zurück kann man ja den RRX nehmen. Wenn der denn auch Fahrradabteile bekommt...
Also setzt die Bahn auf eine zweite Strategie: Der RRX muss schneller werden als der heutige Regionalexpress. Einfachste Lösung: seltener Halten. Daher sollen Stopps in Düsseldorf-Benrath, Köln-Mülheim und bei der Hälfte der Fahrten auch in Wattenscheid entfallen – zum Ärger vieler Pendler.
Weiterer Ansatz: Der Zug muss schnell anfahren und bremsen - das können Triebwagen eher als Züge mit Loks und Wagen. Bei Triebwagen ist die Antriebstechnik über die gesamte Länge verteilt.
110 Meter lang
Ebenfalls entscheidend für die Schnelligkeit: Wie zügig können die Menschen ein- und aussteigen? Da haben einstöckige Triebwagen Vorteile gegenüber den jetzt fahrenden Doppelstockwagen: Nur etwa halb so viele Fahrgäste drängeln sich pro Türe rein und raus. Auch die größere Zuglänge hat Vorteile, weil sich die Fahrgäste über 200 Meter am Bahnsteig verteilen können.
Deswegen soll der RRX in der Hauptverkehrszeit aus zwei rund 110 Meter langen Triebwagen bestehen. Das allerdings ist teuer für den Verkehrsverbund, weil die Bahn den Preis pro Stopp unter anderem nach der Zuglänge berechnet.
Hinzu kommt: Ob die Triebwagen auch im Design und Fahrkomfort im Vergleich zu den beliebten Doppelstockwagen ein „Premiumangebot“ des Nahverkehrs darstellen, wird von Experten bezweifelt.
Mischbetrieb gefährdet
pünktliche S-Bahnen
Ein weiterer Nachteil: Die Regionalzüge, die nicht zum RRX aufgewertet werden, werden degradiert, müssen über S-Bahn-Gleise fahren. So bei der dann wieder vorgesehenen Linie von Münster über Essen und Duisburg nach Mönchengladbach, bei Zügen von Essen nach Hagen. Dieser Mischbetrieb, der die S-Bahn vielerorts das exklusive Schienennetz kostet, wird vor allem zwischen Mülheim-Styrum und Essen-Steele Ost problematisch. Dort fahren schon heute S-Bahnen im Zehn-Minuten-Takt; und die S9 von Bottrop nach Wuppertal kreuzt diese Linien noch. Wie eng es zugehen wird, zeigt, dass die RRX-Planung einen Ausbau des Bahnhofs Steele-Ost vorsieht. Dabei soll dort kein RRX fahren. Aber wenn er denn käme, sorgt der RRX für neue Nadelöhre.
13:49
Bitte korrekt recherchieren: Gerade in Essen kann man das sehr gut beobachten, dass es gerade umgekehrt ist: ICEs müssen warten, RE werden vorgezogen. Daher fahren viele ICE in Essen schon 5 Min. verspätet ab. Das liegt daran, dass die DB für verspätete Regionalzüge Strafe an das Land zahlen muss, für ICE mit nur 5 oder 10 Minuten aber keine Sanktionen drohen. Die Strategie die Regionalzüge (manchmal sogar zwei, bevor der ICE bis Köln hinterherdackelt) zu bevorzugen fällt selbst dem Personal in Essen Hbf schwer, den Fahrgästen zu erklären. Und leider ist es wohl auch nicht möglich z.B. in Mülheim/Ruhr den dort haltenden RE wieder zu überholen. So jedenfalls die Auskunft in Essen Hbf.
20:01
Die IC/ICEs fahren zwischen Köln und Dortmund schon fast überall mit gleicher Geschwindigkeit wie die REs, ausnahme auf dem Abschnitt Köln-Duisburg, dort fährt der Fernverkehr mit 200 km/h. Trotzdem sind die IC/ICEs zwischen Köln und Dortmund schneller, weil sie weniger Halte haben wie die REs. Deswegen ist es absolut verständlich, dass die Fernverkehrszüge vorrang haben, weil, wie bereits erwähnt, sich Störungen weiträumiger auswirken würden.
18:49
@#20: Als ob derzeit irgendjemand für die popeligen 5 Minuten zwischen Dortmund und Düsseldorf einen ICE-Aufpreis bezahlen würde. Auf vielen Teilstücken sind REs jetzt schon genauso schnell wie manche ICs oder ICEs (z.B. Dortmund-Essen). Die meisten Fahrgäste fahren eh weiter Richtung Frankfurt oder Hannover oder sie haben Tickets, bei denen der Aufpreis nicht ins Gewicht fällt. Der Rest zahlt eher für den Komfort. Und ganz grundsätzlich muß das Ticketsystem den verkehrlichen Erfordernissen folgen und nicht umgekehrt - da müssen Bund und DB halt ihre Kalkulation an die Realitäten anpassen.
Und vom zweiten Teil rede ich ja die ganze Zeit. So wie es jetzt ist, funktioniert es nicht. Wenn verspätete Fernzüge ständig den RE-Fahrplan durcheinander bringen und keine Trassen für zusätzliche Züge frei sind, muß man eben die Geschwindigkeiten angleichen - bis man irgendwann genug Geld für zusätzliche Gleise hat.
16:44
naja, wenn der RE wirklich so schnell wie der ICE oder umgekehrt sein soll, dann würde aber niemand mehr den aufpreis für den ICE zahlen.
ausserdem funktionieren die 2 minuten u-bahnen auch nur, weil jede bahn auch überall hält.
gäbe es express u-bahnen, die nur an den großen bahnhöfen halten (ICE), würde das system mit 2 gleisen auch nicht mehr funktionieren.
ganz so einfach isses also nicht
22:56
@#14: Es geht um die Fahrplangestaltung. Wenn der RE genauso schnell ist wie der ICE, gibt es auch ohne Überholungen keine Folgeverspätungen.
@#16: Genauso wie man bei einer Autobahn durch Angleichung der Geschwindigkeiten eine höhere Kapazität schaffen kann (über ein Tempolimit bei Staugefahr), kann man das auch auf der Schiene tun. Diverse S- und U-Bahn-Systeme fahren auf nur zwei Gleisen mit Taktzeiten von zwei Minuten. Das geht natürlich nur, wenn alle Züge gleich schnell unterwegs sind. Dies ist zwischen Köln und Hamm nicht der Fall und daher gibt es dort auch noch ungenutzte Kapazitätsreserven, deren Hebung m.E. Vorrang vor der Geschwindigkeit haben sollte. Der Fahrgast sitzt lieber 60 Minuten in einem Zug als 55 Minuten zu stehen.
@#17: Das Problem der Rheinischen Bahn ist, daß sie - von Mülheim abgesehen - die Hauptbahnhöfe nicht anfährt und somit von einem Großteil des Fahrgastpotentials ausgeschlossen ist. Ideal ist sie also nicht. Zur Stillegung ist sie aber auch zu schade.
19:08
Die Bahn wurschtelt weiter. Der Nahverkehr hat immer noch keine eigenen Trassen, und die muss er stich auch noch mit dem Güterverkehr teilen. Die Rheinische Bahn von Wedau nach Bochum Nord wir in einem Radweg umgewandelt. Gefördert als Nahverkehrsprojekt vom RVR. Die Umwege sind seit dem im Ruhrgebiet planmäßig, und führen zu erheblichen Umwegen. Für mich nur eine Geldverschwendung.
Die Viersener Kurve, der Eiserner Rhein, die Betuwe-Linie, alle Planungen verlaufen schleppend. Die S-Bahnen im Rhein-Ruhr-Gebiet werden schon seit Jahren nicht ausgebaut. Zwischen Altenessen und Gelsenkirchen müssen sich die ICEs, die RE-Züge und der Güterverkehr zwei Gleise teilen. Der Bahnhof Essen Dellwig wird schon seit Jahren nicht zum Kreuzungsbahnhof ausgebaut. Weiterhin gibt es keine S-Bahn nach Wesel. Sinnvoll wäre, die S3 in beide Richtungen Auszubauen.
Dabei ist es für das Land NRW ernorm wichtig, einen guten Nahverkehr, eine gute Güterbahn zu den Seehäfen zu haben.
17:06
Der größte Fehler war die Stilllegung der Rheinischen Bahn. Die Trasse war Ideal für eine S-Bahn.
15:42
Einige haben hier schon den richtigen Hinweis gegeben.... mehr Schiene!
Was man so hört von höherer Taktung, mehr Wagen etc etc ist doch Quatsch.
Auch auf einer dicht befahrenen Autobahn kriegt man nur mehr Blech und Passagiere unter wenn es eine zusätzliche Spur gibt. Mehr Wagen oder eine höhere Zuflussregelung (Taktung) verstopfen die Autobahn noch mehr. Ergo - mehr Schiene = mehr Pünktlichkeit und Platz zum Überholen für den Fernverkehr.
13:04
Wie wärs einfach mit
- höherer und besserer Taktung
- besserer Berücksichtigung der Stoßzeiten mit längeren oder häufigeren Zügen
- Sauberen und komfortablen Wagen, mit akzeptablen, gepflegten Toiletten
- Berücksichtigung der wirklichen Körpergröße echter Menschen
- mehr gut ausgebildetem Personal
- preiswerten, großen, sauberen, gut bewachten Parkhäusern an den Bahnhöfen DO, BO, E, MH, DU und D
- Senkung der Fahrpreise
- funktionierendem WLAN in allen Zügen
- Zug-Verkehhrsmeldungen im Radio (Verspätungen, Ausfälle)
- eine Webung, die all das den Leuten vermittelt
Das würde viel mehr Leute in die Züge bringen, als 5 Minuten weniger Fahrzeit zwischen DO und D. Und das ist doch das Ziel der Übung, oder?
12:19
#7 von Riemker2
das ist aber sehr kurzsichtig gedacht. das fernzüge vorrang haben ist völlig richtig und auch gut so.
wenn ein RE warten muß um nen ICE vorbei zu lassen, dann stört das zwar unseren fahrplan hier im gebiet rhein/ruhr.
kommt aber in ICE zu spät dann stört das von berlin bis köln, von münchen nach hamburg und evtl. bis ins ausland.
welches das kleinere übel ist muß ich ihnen wohl nicht erklären