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Maybritt Illner

Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen

30.07.2010 | 13:09 Uhr
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
Maybrit Illner.

Essen. Der ZDF-Talk am Donnerstag. Das Thema war vorprogrammiert. Tanz in den Tod. Warum wurde die Loveparade zur Katastrophe? Maybritt Illner und Gäste suchten nach Antworten. Fazit: Indirekt plädierte die Runde für Sauerlands Rücktritt.

Kommt endlich mehr Licht in die Hintergründe des Tunnel-Unglücks von Duisburg? Bei Maybrit Illner gab es in der ZDF-Talkrunde den Versuch, schlüssige Antworten auf die quälenden Fragen nach dem Loveparade-Drama zu finden. 21 tote junge Menschen und Hunderte von Schwerverletzten. Warum? Wer trägt die Verantwortung und welche Konsequenzen sind erforderlich? Veranstalter, Planer und Entscheidungsträger schweigen. Sie kamen nicht in die Sendung.

Andere Männer, die mitreden wollten, stellten sich der Diskussion: Fritz Pleitgen, Geschäftsführer der Ruhr 2010; Rainer Wendt, Vorsitzender der deutschen Polizei-Gewerkschaft; Wolfgang Bosbach, CDU-Experte für die Innenpolitik; Paul van Dyk, DJ-Guru der Raver- und Techno-Szene; Manuel Lippka, seit 12 Jahren eingefleischter Loveparade-Besucher. Kein provokanter Gesprächskreis.

Fritz Pleitgen.

Als Berater des Krisenstabs vom Samstag noch immer sichtlich betroffen, warnte Journalist Fritz Pleitgen vor polemischen Analysen: „Es ist mir zu gefährlich. Wir sollten mit unseren Worten ganz vorsichtig sein und nicht zur vorschnellen Urteilen kommen.“

Pleitgen: Niemand habe den Sinn des Events bezweifelt

Denn Pleitgen betonte wie euphorisch im Vorfeld um die Duisburger Loveparade gebuhlt worden sein: „Zeitungen und Marketing-Konzeptler haben gesagt, es ist wünschenswert das zu machen.“ Schließlich sei es darum gegangen, den Gedanken einer lebendigen Kultur im Ruhrgebiet auch auf die Jugend zu übertragen.

Niemand habe den Sinn des Events bezweifelt oder es gar auf Teufel komm raus nach Duisburg holen wollen. Erst recht nicht, wenn es schwerwiegende Sicherheitsbedenken gegeben hätte. Pleitgen: „Stadtrat, Oberbürgermeister und Politiker hätten sich nicht beeindrucken lassen und gesagt, das ziehen wir jetzt durch.“

Jedoch sei im Gegensatz zur Organisation des Still-Lebens 2010, die drei Jahre gedauert habe, der Zeitfaktor für das Loveparade-Management im Revier wohl zu kurzfristig gewesen. Als die Entscheidung für Duisburg im Februar getroffen wurde, seien nur vier Monate zur Vorbereitung geblieben. Pleitgen: „Es kann sein, dass das Sicherheitskonzept nicht ausreichend war, um alles zu bedenken.“

Bosbach fordert indirekt Sauerlands Rücktritt

Trotzdem brach er eine Lanze für Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland. „Ein Mann, der bis dahin ein sehr beliebter Politiker gewesen ist. Ich habe das Gefühl, dass eine Jagd auf die Schuldigen ausbricht, die dann zumachen und gar nichts mehr sagen.“ Korrekt.

Sehr wohl sei ihm aber klar: „Wenn ich Oberbürgermeister bin und amtiere, dann muss ich auch amtieren, mich der Verantwortung stellen und nicht in Deckung gehen.“ Fritz Pleitgen hatte mehr Transparenz erwartet: „Ab Montag musste die Stadt Duisburg Farbe bekennen.“

Rainer Wendt, Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft.

Womit dann auch Wolfgang Bosbach seinen Parteikollegen Sauerland, den er für seine zupackende Art und Bodenständigkeit geschätzt habe, mächtig ins Visier nahm: „Politische, moralische Verantwortung heißt: Keine Flucht, sondern Übernahme der Verantwortung.“ Das saß. Und Polizei-Gewerkschaftschef Rainer Wendt setzte noch oben drauf: „Wo kommen wir hin, wenn ein politischer Amtsträger nicht die Verantwortung übernimmt, wenn 21 Menschen gestorben sind.“ Eine deutliche Aufforderung an Sauerland, endlich seinen Rücktritt als Oberbürgermeister zu erklären.

Wendt weiß offenbar mehr. Er sprach von Schlampigkeit der Behörden. Der DPolG-Vorsitzende verschärfte den Ton: „Die Rolle des Spitzenbeamten in Duisburg gilt es auch zu untersuchen. Spitzenbeamte, die Spitzengehälter bekommen. Diese Herren Dezernenten gehören auch nicht mehr in ihre Positionen.“

Mindeststandards bei den Sicherheitskonzepten

Die unverzügliche Aufklärungsarbeit der neuen Regierung in Nordrhein-Westfalen hingegen lobte Wendt: „Innenminister Jäger und Ministerpräsidentin Kraft haben sehr gute Arbeit geleistet. Das haben Herr Sauerland und seine Dezernten nicht gemacht.“

Wendt plädierte für eine bundesweite Verständigung auf gewisse Mindeststandards bei den Sicherheitskonzepten. Statt einem wirkungslosen Einvernehmen mit der Polizei sollten Genehmigungen, wie in England praktiziert, nur noch nach Zustimmung der Polizei erteilt werden. Was Wolfgang Bosbach animierte, eine Bundeszentrale für Sicherheitsfragen zu fordern. Bund, Land und Kommunen könnten gemeinsame Vorschriften entwickeln.

Diese Art „TÜV“ für große Festivals ging Paul van Dyk zu weit. Der Event-erfahrene DJ meinte: „Eine Expertise der Polizei reicht, Politiker sollten sich nicht einmischen.“ Für Manuel Lippka (30), Augenzeuge im Duisburger Todestunnel, bleibt nach allen Statements die Tragödie ein Rätsel: „Ich bin der Masse hinterher gegangen. Ich bin in eine Falle gegangen. Wie kann es sein, dass so etwas passiert?“

Lippka glaubt dennoch: „Es wird wieder eine Loveparade geben. Vielleicht in Berlin.“ Zustimmend pflichtete ihm Fritz Pleitgen bei: „Derartige Veranstaltungen braucht man.“ Unter konsequenten Bedingungen: „Der, der die Sicherheitsbedenken hat, muss auch das letzte Wort haben. Das muss die Lehre aus dieser Katastrophe sein.“

Hartwig Sellmann

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Kommentare
30.07.2010
19:29
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von kikimurks | #11

„Innenminister Jäger und Ministerpräsidentin Kraft haben sehr gute Arbeit geleistet.

Soso! Jäger als Fraktionsvorssitzender der Duisburger SPD als er die Entscheidung für eine LP mittrug? Kraft als sie als Oppositionsführerin Druck zu Gunsten der LP gemacht hat?

30.07.2010
18:08
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von fridolin | #10

Der Lychnmop sucht sich seine Opfer.
Es fehlen nur noch die Fackeln und Mistforken,hängtihn,hängt ihn.
Die ach so Betroffenenreissen jetzt ihre Mäuler auf.
Geilen sich auf an ihrer Pseudotrauer.
Auch für Politiker gilt die Unschuldsvermutung,
Keine Angst,die Staatsanwaltschaft wird schon ganze Arbeit leisten.

30.07.2010
17:39
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von Sachliche | #9

Wer muß denn nun angesichts der Meldung über ie Feuerwehr gehen? Jäger und Wendt, Sauerland und wer noch?
Kennt schon jemand die Ursache des Unglücks?
Es verdichtet sich doch gerade dramatisch, dass es Belange der Sicherheitskräfte betrifft. Und für eine öffentliche Strasse ist eben nun mal die Polizei verantwortlich, mit oder ohne Vertrag mit wem auch immer. Und die Karl-Lehr Strasse ist eine öffentliche Strasse!!!!!!!!!!!!!!!!!!

30.07.2010
16:41
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von nurgutnixboes | #8

Zum Kommentar # 1: Woher wissen Sie denn, daß Herr S. wirklich Mordrohungen erhalten hat? Natürlich passt es gerade sehr gut und wird ja offenbar auch geglaubt, wenn mitgeteilt wird, daß er Mroddrohungen erhalten haben soll. Und wenn nicht...?

30.07.2010
16:17
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von D. Clever | #7

Also ihr vier Sauerland-Befürworter-Vorredner:
Die Sendung war erfrischend sachlich, der einzige Laberkopf, Endlosredner war Pleitgen, der den OB reichlich in Schutz nahm und als einen Menschen darstellte, den ich so als Duisburger nicht kenne.
Ich kenne den Herrn nur als gerne auf Partys, überjovial, geltungsbedürftig und machtgeil. Andere runtermachend wenn sie ihm nicht in den Kram passen und darauf bedacht seine Freunde zu unterstützen und ,vornehm ausgedrückt, zu fördern.
Egal wie man die Sache dreht und wendet: Der Chef ist immer VERANTWORLICH! Also hat er bei einer derartig verunglückten Veranstaltung den Hut zu nehmen.
Ganz egal was vorher wer gesagt oder nicht gesagt hat. Das kann man tatsächlich alles NACHHER festellen.
Treten Sie zurück, machen Sie den Weg frei für die Angehörigen und Opfer, damit sie mit der Trauerarbeit beginnen können
Wer soll diesen Menschen noch auffordern? Es tut schon: Die CDU, die Bürger, die Kirche eigentlich die ganze Welt.
Ansonsten müssen wir Duisburger tatsächlich aktiv werden und ihn vertreiben.

30.07.2010
16:12
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von maso2010 | #6

Dieschwächste Sendung aller Zeiten, außer Hr. Pleitgen wußte keiner über die Geschehnisse auf dem Geländer Love Parade bescheid, - man gab nur Pressemitteilungen wieder - ein Besucher hat mit seine Kamera 2 minuten gefilmt und galt gleich als Kommentator über den ganzen Sacjverhalt. Der Experte hatte keine keine blasse Ahnung über das Gelände der Love Parade. Die anderen waren alle Freunde von Herrn Sauerland, lobten ihn in höchsten Tönen als Politiker um ihn anschließend zum sofortigen Rücktritt aufzufordern. Hatte Frai Illner nichts davon gewußt, das der OB und seine Familie Morddrohungen erhalten hatte. Da sollte er noch in dem Zustand nach Berlin kommen? Davon wurde nicht bekannt gegeben. Gut, dass anschließend kein Chat durchgeführt wurde.

30.07.2010
14:18
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von allein | #5

Es ist bedauerlich, dass sich M. ILLNER so sehr instrumentalisieren lässt: Eine Sendung mit der Tendenz, der OB müsse zurücktreten. Konnten die Dinge nicht ergebnisoffener diskutiert werden ? Konnte das Spektrum nicht weiter auseinander gezogen werden ? Angesichts der geladenen Teilnehmer und Interessenvertreter ging das wohl nicht, da sie überwiegend keine eigenen Erfahrungen mit der Love-Parade hatten, vielmehr nur das wiedergaben, was in den Medien schon eingeschliffen worden war. Der Disk-Jockey sah seine Großveranstaltungen und Verdienstmöglichkeiten davonschwimmen und setzte sich vehement für künftig gut gesicherte Veranstaltungen ein, ohne auf das Sicherheitskonzept in Duisburg, die offenbar gewordenen Querelen im Vorfeld und vor allem dessen tatsächliche Umsetzung nebst mangelhafter Hilfe durch Polizeikräfte näher einzugehen. Sachdifferenzierte Äußerungen waren so nicht zu erwarten. Das alles noch vor ersten Ermittlungsergebnissen der zuständigen Staatsanwaltschaft. Schade um die Sendezeit !

30.07.2010
13:19
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von allein | #4

Nachfrage: Warum wartet Herr Wendt - erfahrener Polizeihauptkommissar (gehobener Dienst), in der Regel Ermittlungsbeamter der Staatsanwaltschaft - nicht ab, bis die zuständige Staatsanwaltschaft mit ihren Ermittlungen zu ersten Ergebnissen gekommen ist ? Warum schießt er sich jetzt schon auf bestimmnte Personen ein ? - Fritz Pleitgen mit seiner ausgleichenden und ruhigen Art ist da sehr viel sachlicher und angenehmer.

30.07.2010
13:12
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von karlleokraus | #3

Natürlich hat Ruhr.2010 mit Geschäftsführer Fritz Pleitgen die Loveparade fast um jeden Preis für seine Erfolgsstory gewünscht. Es ist einfach eine Schutzbehauptung, dass es Sicherheitsbedenken im Vorfeld nicht gegeben habe, nur, die sollten und durften nicht in den Vordergrund geraten.
H. Pleitgen, mit ihrer Betroffenheit habe ich jetzt einfach meine Probleme.

30.07.2010
13:04
Wendt will Rolle der Duisburger Spitzenbeamten untersuchen
von allein | #2

Herr Wendt will etwas bewirken, verschärfte den Ton gegenüber den Spitzenbeamten und lenkt so sehr geschickt von der mangelhaften Hilfeleistung der Polizei ab: Er ist Interessenvertreter, will die schlecht vorbereitete - aber kenntnisreiche - Polizei entlasten. Man fragt sich, wie mit nur 12oo Beamten (so Spiegel-online) bzw. 4ooo Beamten (erste Meldungen) ein Ereignis wie die Love-Parade professionell begleitet werden kann - in Kenntnis der Sicherheitslücken. War man zu schlecht vorbereitet ? Wollte man die eigene Unzuständigkeit herausstreichen ? Jedenfalls nach der Bitte um Hilfe ging das nicht mehr, war professionelle Hilfe gefragt - von den Sicherheitsexperten. Das ständige Zielen auf die Stadtverwaltung und den Veranstalter, die sicherlich im Vorfeld Fehler gemacht haben, lässt den Eindruck aufkommen, dass - wenn schon nicht Rechnungen wegen des Übergehens der Polizei bei den Sicherheitsfragen beglichen wurden - die Polizei von ihrem Vorsitzenden jedenfalls verteidigt werden soll. Denn die erbetene Hilfe musste mit dem Eingeständnis beendet werden, die Polizeikette im Tunnel habe aufgelöst werden müssen - mangels schlechter Vorbereitung ?

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