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WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite

12.12.2010 | 16:43 Uhr
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
Die neue anonyme Upload-Seite der WAZ-Mediengruppe. Im Bild: David Schraven, Leiter des Ressorts Recherche.

Essen.Die WAZ-Mediengruppe hat den ersten anonymen Datenupload einer Zeitung im deutschen Internet eingerichtet. So können Menschen mit Hilfe von geheimen Dokumenten auf Missstände hinweisen - und dabei trotzdem anonym bleiben.

Die WAZ-Mediengruppe hat unter derwesten.de/recherche den ersten anonymen Datenupload einer Zeitung im deutschen Internet eingerichtet. „Wir wollen und werden nicht alles ungeprüft veröffentlichen, was dort hoch geladen wird. Wir nehmen die Dokumente und Papiere aber als Ausgangspunkt für weiterführende Nachforschungen“, sagte David Schraven, Leiter des Ressorts Recherche in der WAZ-Mediengruppe, das die neue Seite unterhält.

Die eingereichten Unterlagen seien vor allem Quellen für Stories, die journalistisch aufgearbeitet würden. „Ein Dokument ist in diesem Sinne nur ein Element unserer Arbeit.“ Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der fertigen Recherchen ist auch daran gedacht, ausgewählte Dokumente im Zusammenhang mit den Geschichten zu veröffentlichen. „Wir achten dabei aber sehr auf den Datenschutz und würden niemals Dokumente veröffentlichen, aus denen persönliche Angaben von unbeteiligten Mitarbeitern von Behörden oder Organisationen hervorgehen.“

Kontaktpunkt für interessierte Leser

Die Seite derwesten.de/recherche ist zunächst ein Kontaktpunkt für interessierte Leser. Sie können über diese Adresse direkt mit dem Team Recherche in Kontakt treten. Sie können anrufen, faxen, emailen oder ganz klassisch die richtige Postadresse erfahren, wenn sie mit dem Ressort in Verbindung treten wollen. „Wir wollen näher an unsere Quellen rücken“, sagt Schraven. „Wir wollen Hemmschwellen überbrücken und unser Ressort für Kontakte öffnen. Die Leute sollen wissen, mit wem sie es zu tun haben.“ In diesem Sinne sei der Dateiupload auch keine wirkliche Neuerung, sondern nur eine weitere Möglichkeit Kontakt mit dem Ressort Recherche zu finden. „Auch heute kriegen wir Post mit Dokumenten und Hinweisen, auch anonym. Wir bieten mit der neuen Kontaktseite unseren Lesern nur eine weitere technische Möglichkeit an, uns direkt anzusprechen“, sagt Schraven. „Der Datenupload ist deshalb anonymisiert, weil es Leute gibt, die ihren Namen aus persönlichen Gründen nicht nennen können, die aber trotzdem auf Missstände hinweisen wollen, die ihnen bekannt sind. Diese Haltung respektieren wir. Wir sehen den Informantenschutz als Basis der grundrechtlich garantierten Recherchefreiheit. Das ist ein hohes Gut, das es zu verteidigen gilt.“

Die Verbindungen zum Dateiupload der Seite derwesten.de/recherche sind wie beim Online-Banking vollständig verschlüsselt und gesichert. Die Daten werden auf getrennten Systemen auf Servern im Ausland gespeichert. Dokumente oder Emails, die dorthin hoch geladen werden, sind zu keinem Zeitpunkt unverschlüsselt. Es besteht kein Kontakt zu den übrigen IT-Systemen der WAZ-Gruppe. Die Datenverbindungen können als abhörsicher gelten.

Schraven kennt auch schon Daten, die er gerne bekommen würde. „Ich brauche alles zur Loveparade, da gibt es Dokumente aus der Polizei und aus dem Innenministerium, deren Inhalt meiner Ansicht nach an die Öffentlichkeit gehören.“

DerWesten

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Kommentare
12.12.2010
19:14
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von don krawallo | #37

Dann braucht die WAZ ja keine jurnaliesten mehr wenn die nur noch abschreiben was ihnen zugetragen wird interessanter ansatz kosten zu reduzieren

12.12.2010
19:13
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von Klima | #36

Ihr schreibt eh nur Dinge, die nicht dieses BRD System in Frage stellen. Also warum sollen wir gerade euch vertrauen, ihr Lügenmedien?

12.12.2010
19:11
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von BerndBruns | #35

Ich bin da ganz anderer Meinung wie die Vorkommentatoren. Ungeachtet der WAZ-Kritik am gleichwohl redaktionell genutzten Wikileaks, halte ich dieses Projekt erst einmal für eine lobenswerte mediale Innovation in Deutschland, die ihresgleichen sucht. Diese sollte man nicht schon im Vorfeld mit Kritik zuschütten, bevor erste Ergebnisse vorliegen.

Grundsätzlich ist doch zu begrüßen, wenn die WAZ die in engagierten Lesermeinungen im Umfeld von strittigen redaktionellen Kommentaren artikulierten Bedürfnisse der Bürger aufgreift und ein auf Deutschland bezogenen gesicherten Uplade-Server im Ausland für brisante Dokumente zur Verfügung stellt. Ich bin überzeugt: Da werden alsbald andere Medien nachziehen und den allseits gewünschten investigativen Journalismus neue Impulse bescheren. Der Erfolg dieser richtungsweisenden Innovation hängt im Grunde von zwei Faktoren ab:
1. Wie staatstragend ist die Redaktion bei der Filterung und Veröffentlichung brisanter amtlicher Dokumente? Die unübersehbare Nähe der Leit-Medien zu den Mächtigen, bis in den Bereich der Kumpanei, begründet durchaus Skepsis;
2, Bei einer erneuten politisch angestrebten Vorratsdatenspeicherung für alle Bürger ist das Projekt gestorben. Durch Rasterfahndung ließe sich sofort ermitteln, von welchem Anschluss der namentlich bekannte neue WAZ-Server angewählt wurde. Damit übersteigt das Risiko der Informanten den Bereich üblicher Zivilcourage.
Ich bin auch nicht durch die Naivität gekennzeichnet, dass sich staatliche Institutionen an Recht und Gesetz halten. Im Gegenteil: Ich traue diesem Staat jedes Verbrechen zu, einschließlich der als Suizid getarnten Tötung von Bürgern, die gewisse Kreise stören.

Soweit die Vorkommentatoren hier unreflektiert der WAZ vorwerfen, Informanten zum Rechtsbruch aufzufordern, ist das schlicht lächerlich. Investigativer Journalismus auf der Grundlage von Dokumenten, die von den amtlichen Autoren für die Veröffentlichung nicht vorgesehen waren, ist seit jeher das unverzichtbare Rechercheinstrument um den Anspruch der Medien als Vierte Gewalt zur staatlichen Kontrolle überhaupt realisieren zu können. Jeder Journalist ist auf solche internen Informationen angewiesen, wenn er nicht nur Agentur- und Verlautbarungsjournalismus betreiben will. Die Vierte Gewalt braucht in diesen Zeiten neues adäquates Handwerkszeug - auch zum Schutze ihrer Informanten - wie diesen neuen sicheren WAZ-Server.

Die WAZ fordert jetzt - mit meinem Beifall - Informanten auf, bisher unveröffentlichte amtliche Fakten zur Katastrophe der Loveparade anonym auf den neuen Server zu laden.

Ich hätte da noch eine weitere Aufforderung: Gebraucht werden diskrete Informanten mit Akteneinsicht zum Suizid der lebenfreudigen Richterin Kirsten Heisig. Die amtliche, offizielle Version der Polizei und Staatsanwaltschaft stinken bestialisch zum Himmel. Obwohl in diversen Medien erhebliche Zweifel an den offiziellen Verlautbarungen zum Tod der Richterin geäußert wurden, fand sich in der deutschen Presselandschaft nur ein Journalist, der sein Recht auf adäquate Information der Staatsanwaltschaft Berlin einklagte. Er bekam durch Urteil des Oberverwaltungsgericht diesen Rechtsanspruch bestätigt. Doch die Staatsanwaltschaft hüllt sich bezüglich der Todesumstände dieser Richterin bis dato weiterhin in Schweigen...
http://deutschelobby.wordpress.com/2010/08/06/wisnewski-verklagt-staatsanwaltschaft-auf-auskunft-im-fall-heisig/

12.12.2010
19:10
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von r.kant | #34

Und D.Schraven braucht alles zu Loveparade.

Will die WAZ-Mediengruppe etwas den ungenehmen CDU-Bürgermeister in Duisburg loswerden und das mit Hilfe von Denunzianten?

Zumindest kommt man dann vielleicht billig an Informationen die man sonst mit Mühe recherchieren müsste.

Eigentlich kann die WAZ-Mediengruppe dann doch gleich ihre Zeitung komplett von Denunzianten gestalten und schreiben lassen. Dann braucht man weder Journalisten, noch Praktikanten, sondern nur noch Denunzianten!

Schöne neue Medienwelt!

12.12.2010
19:09
Blockierter Kommentar.
von holmark | #33

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

12.12.2010
19:09
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von David Schraven | #32

Hallo zusammen,

ich habe auch gegen Wikileaks geschrieben.

Weil ich es unverantwortlich fand und finde, wie Wikileaks das Leben von
Informanten gefährdet, indem einfach mal so Namen und Positionen
rausgepustet werden. Genau das will ich nicht machen. Deswegen werden die
Dokumente nicht einfach veröffentlicht, sondern ausgewertet,
nachrecherchiert und dann auszugsweise zusammen mit den Geschichten
veröffentlicht. Der Informantenschutz und der Datenschutz sind uns sehr
wichtig.

Warum? Nun, Der FDP-Mann aus dem Büro von Guido Westerwelle, der vor
wenigen Tagen seinen Job verloren hat, ist nur ein mehr oder weniger
harmloser Fall. Aber an seinem Beispiel kann man erahnen, wie es anderen
Menschen ergeht, die nicht das Glück haben, in einer Demokratie zu leben -
und die auch von Wikileaks enttarnt wurden.

Was ist denn mit den Informanten der US-Botschaften, die nun im Iran oder
in Saudi-Arabien oder in Pakistan verschwinden?

Hat sich mal einer über diese Menschen Gedanken gemacht? Glaubt irgendwer,
der pakistanische oder iranische Geheimdienst macht sich die Mühe,
herauszufinden, wer von den fünf Leuten in der Abteilung X nun der
US-Botschaft dieses oder jenes gepetzt hat? Im Zweifel werden alle fünf
Leute umgelegt, oder zumindest ein wenig gefoltert.

Genau das will ich nicht. Genau das will ich verhindern.

@ Balou99 # 20

Das einige Kommentare gelöscht werden, macht übrigens durchaus Sinn, da
ihre Veröffentlichung ebenso unverantwortlich ist, da sie beleidigend sind
oder rassistisch oder unter der Gürtellinie. Sie behindern eher eine
sinnvolle Diskussion, als dass sie diese befördern würden. der Kommentar
#19 ist so ein Fall, den würde ich auch löschen. Das ist kaum als Kritik zu
bezeichnen.

@ sandvik #5
Die IP-Adressen werden nicht gespeichert. Die Server der Upload-Seite
stehen im Ausland. Die Datenverbindungen sind gesichert, die Dokumente
werden verschlüsselt und liegen nie unverschlüsselt irgendwo herum. Die
Technik der neuen Seite ist von der restlichen IT der WAZ-Gruppe komplett
getrennt. Es gibt keine Überschneidungen. Ich glaube nicht, dass da
irgendwas passieren kann.

Ich glaube eher, dass in wenigen Wochen jede Zeitung einen ähnlichen
Upload hat.

Wir haben damit auch kein neues Grundmuster in der journalistischen Arbeit
neu erfunden. Wir haben nur eine neue technische Möglichkeit hinzugefügt,
mit uns in Kontakt zu treten. Eben den anonymen Briefkasten und den
anonymen Upload.

Der Upload in meinen Augen auch nur ein Teil der ganzen Nummer. Wir wollen
näher an den Leser, an den Informanten ran. Wir wollen uns öffnen und
Zugangshemmnisse einreißen. Jeder soll uns ansprechen können. Immer,
jederzeit, egal wie.

Und damit sind wir genau bei dem, worum es geht, und warum ich Wikileaks
kritisert habe.

Ein veröffentlichtes Dokument sagt erst mal gar nichts. Es ist bestenfalls
die Quelle für eine Story. Und die gilt es zu finden, zu recherchieren und
zu belegen. Ein Dokument ist in diesem Sinne nur ein Element der ganzen
Arbeit.

Deswegen finde ich die Spiegel-Stücke oder die Guardian-Sachen über die
US-Depeschen auch durchweg gut und in Ordnung. Das ist stabiles, sauber
aufgearbeitetes Material. So geht das. Und so ist das richtig. Dagegen kann
man nichts sagen.

Ich denke, in NRW gibt es genügend Dokumente, die ebenfalls so
veröffentlicht werden können. Denken wir doch nur mal an die Papiere zur
Loveparade. Da ist noch viel aufzuarbeiten.

@ stealthy #18 Das wäre auch gut. Da die Daten aber anonym und
verschlüsselt in dem Email-Kontakt versandt werden, geht das auch. Diese
Botschaften kann keiner mitlesen.

Wie gesagt, wir erfinden das Rad nicht neu. Wir eröffnen einfach mehr
Wege, auf denen Informanten zu uns kommen können.

Am Liebsten ist mir ja immer noch einer ruft einfach an. Deswegen haben
wir ja auch die Telefonnummer groß auf die Seite geschrieben.

Wir bereiten das Portal übrigens seit etwa fünf Monaten vor. Wir haben
damit angefangen, kurz nachdem ich hier bei der WAZ eingestiegen bin.

12.12.2010
19:03
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von r.kant | #31

Und da stellt sich mir die Frage, werden dann nur die Informationen veröffentlicht, die den Parteien schaden, die von der doch stark SPD-orientierten WAZ-Mediengruppe nicht unterstützt werden?

12.12.2010
19:02
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von r.kant | #30

Da verdient sich King Julian Asange mit seinem Denunziantentum eine goldene Nase und ist auch in der Damenwelt wie ein Popstar angesehen und schon will die WAZ_Meidengruppe auf den lukrativen Zug aufspringen und ebenfalls mit dem Denunziantentum Geld verdienen und die Auflage steigern.

Was soll man davon halten?

12.12.2010
18:44
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von Moribundis | #29

Tja, liebe WAZ. Der Leser hat gesprochen!
Und NUR fünf Kommentare gelöscht.
Vielleicht kommt doch noch was bei euch an!

12.12.2010
18:41
WAZ-Mediengruppe startet anonyme Upload-Seite
von Marie 2010 | #28

@24
so sieht das aus!
Wer wirklich brisante Daten hat, wird versuchen sie zu verkaufen. Sollten EDLE Motive dahinterstehen, ist Internet genau so offensichtlich wie ein Glasfenster, und der derjenige handelt lieber exakt so, wie 24 es beschrieben hat. Macht ihr wieder Satire?

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