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Volkswagen zieht Konzernumbau durch

03.06.2012 | 15:11 Uhr
Foto: /dapd

Europas größter Autokonzern Volkswagen tauscht zahlreiche Spitzenpositionen aus und will so schlagkräftiger werden. Die Lkw-Töchter werden stärker miteinander vernetzt. Außerdem bestimmt VW einen eigenen Konzernvorstand für das China-Geschäft, wie der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Samstag in Stuttgart sagte.

Stuttgart/München (dapd-bwb). Europas größter Autokonzern Volkswagen tauscht zahlreiche Spitzenpositionen aus und will so schlagkräftiger werden. Die Lkw-Töchter werden stärker miteinander vernetzt. Außerdem bestimmt VW einen eigenen Konzernvorstand für das China-Geschäft, wie der Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn am Samstag in Stuttgart sagte.

Von dem Umbau sind insgesamt mehr als 30 Personen betroffen, darunter drei Managerinnen. Mit den eingeleiteten Maßnahmen sieht Winterkorn für VW "mehr denn je alle Voraussetzungen, um der beste Mobilitätskonzern der Welt zu werden". Medien hatten bereits Ende vergangener Woche über einen bevorstehenden Konzernumbau berichtet. Die Aufsichtsräte von Volkswagen, Audi und MAN beschlossen dann am Freitag und Samstag in Stuttgart und München die Personalwechsel.

Die wichtigsten der neu vergebenen Posten bekleiden die Manager Leif Östling und Jochem Heizmann. Heizmann übernimmt das neu geschaffene Vorstandsressort für China. Bislang war er Konzernvorstand für die Nutzfahrzeuge. VW verkaufte 2011 in China 2,3 Millionen Fahrzeuge und fuhr dort ein operatives Ergebnis von 2,6 Milliarden Euro ein.

Heizmanns Nachfolger wird Leif Östling, bislang Chef des schwedischen Lastwagenherstellers Scania. Er soll die drei Lkw-Töchter MAN, Scania und VW-Nutzfahrzeuge stärker zusammenführen und damit profitabler machen. Martin Lundstedt rückt innerhalb des Scania-Vorstands zum Chef auf.

Der 66-jährige Östling galt lange Zeit als Skeptiker der Zusammenarbeit mit den anderen Marken im VW-Konzern. Immerhin hatte er Scania auch ohne den Wolfsburger Koloss im Rücken zu einem der profitabelsten Fahrzeughersteller der Welt gemacht. Winterkorn sagte, die Entscheidung, Östling mit seinen 40 Jahren Erfahrung an die Spitze des Nutzfahrzeugressorts zu stellen, sei relativ leicht gefallen. Inzwischen sehe Östling gemeinsam mit dem restlichen Vorstand die Chance, durch die Zusammenarbeit der Nutzfahrzeugmarken Synergien von 200 Millionen Euro oder mehr zu heben.

Die Münchner Tochter MAN wird gestärkt. Der Vorstandsvorsitzende Georg Pachta-Reyhofen wird als Mitglied der VW-Konzernleitung zusätzlich das Industriegeschäft mit Motoren koordinieren. Ob Volkswagen die volle Entscheidungsmacht bei MAN anstrebe, ließ Winterkorn offen. Dazu wäre ein Anteil von 75 Prozent nötig. Erst im April hatte Volkswagen seinen Anteil an MAN auf 74 Prozent erhöht.

Bei Audi hat Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer das Nachsehen. Er werde sich um eine andere Tätigkeit außerhalb des Konzerns bemühen, sagte Winterkorn. Er wird vom Marketingleiter im VW-Konzern, Luca de Meo, ersetzt.

Die personellen Veränderungen sollen im Wesentlichen mit Wirkung zum 1. September 2012 umgesetzt werden. Wichtig sei es Volkswagen gewesen, alle Posten mit Leuten aus dem eigenen Konzern zu besetzen. Das Unternehmen wolle "möglichst viele Mitarbeiter haben, die schon woanders im Konzern tätig waren, um die Vernetzung sicherzustellen", sagte Winterkorn.

Das Unternehmen habe mit dem Umbau die "richtigen Personen auf den richtigen Positionen, um die Strategie 2018 zum Erfolg zu führen", sagte Winterkorn. Dann will VW der größte Autohersteller der Welt werden und zehn Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen. 2011 waren es 8,4 Millionen. Zu seiner eigenen Rolle in sechs Jahren wollte sich Winterkorn nicht äußern. "Mein Vertrag läuft bis 2016", sagte er.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht mit der Rochade vor allem Audi gestärkt. "Die bisherige Innovationsmüdigkeit könnte behoben werden", sagte der Leiter des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen. Weder beim Leichtbau, der Kerndisziplin von Audi unter dem heutigen VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch habe Audi in den letzten Jahren Punkten können noch bei neuen Antrieben.

Kritisch wertet er die Personalie Heizmann. Mit ihm lenke man den Fokus zwar auf die China-Produktion, aber nicht auf den dortigen Markt. Dabei habe sich VW unter dem heutigen China-Verantwortlichen Karl-Thomas Neumann von seinen langanhaltenden Marktanteilsverlusten erholen können. Für Neumann wird derzeit eine neue Position im Konzern gesucht.

dapd

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