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Prozess

Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf

23.11.2010 | 19:19 Uhr
Gewaltvideospiele wie „Counter Strike“ haben Tim K. offenbar zu seinem Amoklauf in Winnenden inspiriert. (Foto: dapd)

Winnenden. Ein Gewaltvideospiel hat offenbar Tim K. zu seinem Amoklauf inspiriert. Der 17-Jährige war wohl „süchtig“ nach Spielen wie „Counter Strike“. Derweil wird gegen eine Betreuerin wegen des Verdachts der Falschaussage ermittelt.

Die Amoktat von Winnenden und Wendlingen im März vergangenen Jahres ist möglicherweise einem Gewaltvideospiel nachempfunden worden. Die Tat sei ähnlich wie in einem der Videospiele abgelaufen, die der Amokläufer Tim K. jahrelang gespielt habe, sagte sein bester Freund am Dienstag auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters im Prozess gegen den Vater von Tim K. vor dem Landgericht Stuttgart.

Der Amoklauf in Winnenden

In Spielen wie „Counter-Strike“, die der 17-jährige Täter seit der siebten Klasse oft stundenlang gespielt habe, gehe es unter anderem darum, Türen aufzumachen, zu schießen und Geiseln zu nehmen. Dabei seien die Lieblingswaffen des 17-Jährigen - ein Maschinengewehr und eine Beretta-Pistole - ähnlich der Tatwaffe gewesen, fügte der 18-Jährige hinzu, der mit Tim K. seit der zweiten Klasse befreundet war. Am Nachmittag hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die Betreuerin der Familie von Tim K. unter anderem wegen des Verdachts der Falschaussage eingeleitet.

Der Vater von Tim K. muss sich seit Mitte September vor Gericht verantworten, weil er laut Anklage seinem Sohn Zugriff auf eine erlaubnispflichtige Schusswaffe sowie Munition ermöglicht hat. Der 17 Jahre alte Schüler hatte am 11. März 2009 bei einem Amoklauf in Winnenden und seiner anschließenden Flucht in Wendlingen 15 Menschen und anschließend sich selbst getötet. Viele der Opfer starben durch Kopfschüsse. Die Tatwaffe hatte er aus dem Schlafzimmer der Eltern entwendet.

„Tim war regelrecht süchtig nach Videospielen“

Der 18-Jährige Freund betonte, Tim K. sei beim Videospielen „richtig aufgegangen“. Er habe bei seinen Spielfreunden oft damit angeben, dass er der beste Spieler sei, weil er seine Gegner im Spiel oft mit einem Kopfschuss getötet habe. In einer polizeilichen Vernehmung vom März 2009, mit der der Vorsitzende Richter Rainer Skujat den Zeugen während der Vernehmung konfrontierte, hatte der Freund zudem angegeben, Tim K. sei in der neunten und zehnten Klasse regelrecht süchtig nach Gewaltvideospielen gewesen.

Der Freund beteuerte, er habe von der Amoktat nichts gewusst. Seinen Worten zufolge hat Tim K. keine Hinweise darauf gegeben, dass irgendetwas nicht stimme. Sogar einen Tag vor der Bluttat, als er den Amoktäter zum letzten Mal traf, sei ihm nichts Außergewöhnliches aufgefallen.

Widersprüche über den Zugang zum Waffentresor

Der 18-Jährige verwies bei seiner Vernehmung zudem auf einen Besuch im Hause des Angeklagten zwischen 2006 und 2007, bei dem er sich die Waffen des Vaters aus einem im Wohnzimmer stehenden Waffentresor ansehen durfte. Allerdings machte er widersprüchliche Aussagen darüber, wer den Waffentresor aufmachte. Während der polizeilichen Vernehmung von März 2009 soll er ausgesagt haben, Tim K. habe ihm „richtige Waffen“ zeigen wollen und habe den Tresor geöffnet. Vor Gericht konnte sich der 18-Jährige jedoch nicht mehr an diese Details erinnern.

Tränen des Entsetzens in Winnenden

Am Nachmittag hatte die Betreuerin der Familie des Amokläufers ihre frühere Zeugenaussage zurückgenommen, die Eltern seien über Mordfantasien ihres Sohnes informiert gewesen. Unter Tränen sagte die ehrenamtliche Helferin, die die Familie des Amokläufers noch Monate nach der Tat betreute, sie habe sich erst nach der Vernehmung am 11. November wieder daran erinnert, dass die Eltern von den Mordfantasien ihres Sohnes erst am 4. August 2009, also rund fünf Monate nach der Tat, aus einem psychiatrischen Gutachten erfahren hätten. Eine Kopie dieses Gutachtens habe sie von den Eltern von Tim K. bekommen und zusammen mit anderen Akten aus dem Prozess bis heute aufbewahrt. Mit der Übergabe der Akten hätten die Eltern ihr Entsetzen und ihr Zorn über die Falschaussagen im Gutachten zum Ausdruck bringen wollen, sagte die Betreuerin.

Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin ein Verfahren wegen versuchter Strafvereitelung und des Verdachts der Falschaussage gegen die Frau ein. Die Frau müsse entweder bei ihrer ersten oder bei ihrer zweiten Aussage die Unwahrheit gesagt haben, sagte die Staatsanwaltschaft zur Begründung. Zudem sollte die Wohnung der Notfallseelsorgerin von der Polizei nach relevanten Akten durchsucht werden.

Befangenheitsantrag gegen Psychiater angenommen

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Zuvor hatte die Kammer einen Befangenheitsantrag der Verteidigung gegen einen psychiatrischen Sachverständigen für begründet erklärt. Der Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Klinikums Stuttgart, der mit der Erstellung eines Persönlichkeitsprofils des Amokläufers beauftragt war, wurde somit vom Prozess ausgeschlossen. Hintergrund für den Antrag war, dass der Psychiater entgegen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft zur Erstellung des Gutachtens eines der Opfer des Amoklaufs psychologisch betreute. Die Verteidigung hatte erklärt, dieser Vorgang lasse Zweifel an der Unparteilichkeit und Unbefangenheit des Chefarztes aufkommen. Das Gutachten sollte darüber Aufschluss geben, ob der Angeklagte den Amoklauf oder ein ähnliches Tötungsdelikt hätte vorhersehen können beziehungsweise müssen. (dapd)

DerWesten


Kommentare
11.01.2011
20:01
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Name von Moderation entfernt | #41

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

24.11.2010
20:43
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von F.U.B.A.R. | #40

Hallo Alter Sack nochmal. Wie Sie sehen läßt sich mit Verbalattacken (Wobei ich mich da frage, was genau Sie meinen.) doch eine anständige Diskussion, ich sag mal am Leben halten. Und wie ich sehe, sind wir ja einer Meinung.

Und, die Erde dreht sich halt weiter, die Zeiten ändern sich. Man muss halt versuchen sich anzupassen. Und bei unserem Lebensstil insgesamt tut mir Fragenstellerchen fast schon leid. Früher war wohl alles besser, aber einfacher. Gut gegen Böse, West gegen Ost. Heute heißt es Jeder gegen Jeden. Und es gibt keine einfachen Antworten auf komplexe Fragen wie: Warum handelt ein Mensch wie er handelt?

24.11.2010
18:38
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von Fragenstellerchen | #39

@Alter Sack meldet sich noch einmal zu Wort: ich habe sämtliche Kommentare durchgelesen um einen Gesamteindruck zu erhalten und ich bin nachwievor der Meinung, dass man die Erfahrungen der Weltkriegskinder, also auch meiner Großeltern nicht verleugnen sollte. Ich glaube im übrigen dem Poster unbedacht, dass er für seinen Großvater schreibt. Ich habe auch einen sehr engen Kontakt zu meinen Eltern und Großeltern. Die sind diesem neuen Medium nicht so fremd wie sie denken, aber leider größtenteils gesundheitlich eingeschränkt und müssen sich daher der Mithilfe ihrer Enkel und Kinder versichern. Da der Wortlaut des Großvaters des Vorposters unbedacht bzgl. seiner Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg dem meiner Eltern sehr ähnelt, muß ich leider anmerken, dass ein persönlicher Angriff Ihrerseits hierauf nicht angemessen war.

24.11.2010
18:24
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von Alter Sack meldet sich noch einmal zu Wort | #38

#36 @F.U.B.A.R.
nah also, geht doch auch anders. Das sind doch mal Argumente, statt pauschale Verbalattacken. Ich gebe Ihnen bei Ihrem Eintrag vollkommen Recht. Leider ist aber das genau das Problem. In wieviel Kinderzimmern stehen heute, wie selbstverständlich vom Kindergartenalter an, ein Fernseher, eine Playstation etc., teilweise PC mit ungefiltertem Internetzugang? Wer als Eltern schon da versagt, wird auch sicherlich nicht auf die Uhr gucken, wie lang die lieben Kleinen sich da geistig vollmüllen lassen. Das ganze potenziert sich dazu hoch, wenn wiederum diese Kinder mal Kinder haben werden, wo Ihnen das Vorgelebte weiter gegeben wird.

#37 @Fragenstellerchen
Vielleicht lesen Sie erst einmal die anderen Kommentare weiter oben, um vielleicht besser zu verstehen, warum ich mich auf dieses Niveau herab gelassen habe. Seltsam ist es immer wieder, wenn irgendwann das Niveau nach unten eine gewisse Grenze erreicht hat, wird schlagartig zurück gerudert.
Deshalb danke an dieser Stelle liebes @Fragenstellerchen für den eigenschlagenen Kurswechsel.

24.11.2010
17:23
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von Fragenstellerchen | #37

da muß ich als mühsam erziehendes Elternteil FUBAR völlig recht geben. WIR Eltern stehen in der Verantwortung für das tun und lassen unserer Leibesfrucht. Erziehung und Bindungsaufbau zum Kinde machen Mühe und sind oft schmerzhaft, müssen aber nichtsdestoweniger sein. Ohne wenn und aber.
Zu dem Poster Alte Saecke haben mehr Erinnerungen im Hirn kann ich nur eines sagen.
Sie werden schnell persönlich und beleidigend mit ihrer Wortwahl. Lassen Sie bitte davon ab. Vorallem dann, wenn Sie den Weltkrieg nicht selbst als Opfer durchlebt oder besser überlebt haben, sollten Sie sich besser nicht weiter über einzelne Vorposter auslassen. Vielen Dank.

24.11.2010
16:58
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von F.U.B.A.R. | #36

Es kommt darauf, was man als Amoklauf bezeichnet. Jeder Mord bzw. Tote durch eine Schusswaffe ist ein kleiner Amoklauf (Väter im Sorgerechtsstreit die Ihre eigenen Kinder töten etc.).

Ich würde aber eine Wette eingehen, das in Kreisen von legalen Schusswaffenbesitzern genauso viele Mörder und Irre gibt wie beim Rest der Bevölkerung. Und was nehme ich wenn ich schon die Knarre daheim habe? Bestimmt nicht das Brotmesser! Und Familienstreitigkeiten o.ä. dürfte seit dem Existieren von menschlichen Wesen geben.

Ich bleibe dabei: Wenn Eltern es nicht schaffen Ihren Kindern eine ordentliche Erziehung angedeihen zu lassen tragen diese auch die Verantwortung wenn die Kinder aus der Bahn kommen. Was spielt mein Kind, wann, wie lange?

24.11.2010
15:14
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von Das Hirn wurde wohl schon weggeballert | #35

Schießsportvereine etc. gab es vor dem Videozeitalter auch schon und da ist nie ein Amoklauf passiert. Brot ist übrigens ein Lebensmittel und ohne Luft können wir nicht atmen. Wenn Du das schon mit Deinen heißgeliebten Ego-Shoote Spielen auf einem Level setzt, na das gibt einem aber gewaltig zu denken.
Vielleicht sollte man mal unterscheiden zwischen dem was wirklich wichtig fürs Leben ist und dem was verzichtbar im Leben ist, auch wenn es der Ersatz für irgendein scheinbar größeres Defizit in der Perönlichkeit eines Menschen ist.
Ich frage mich, was fehlt euch eigentlich im Leben, wenn ihr so auf diese Spiele abfahrt ?
ABER WAS IST SCHON NORMAL ;-)

24.11.2010
15:09
Videospiel inspirierte Tim K. wohl zu Amoklauf
von Wenn_man_keine_Ahnung_hat | #34

@30

Also kann man laut Ihrer Aussage ein Flugzeug fliegen, wenn man den MS Flugsimulator bedienen kann ?

3d Dastellung reduziert Denkmuster ? Sie zitieren Studien, welche denn bitte, es gibt mind. genauso viele Studien welche die Unbedenklichkteit von Telespielen und deren Darstellung erklären.

Nur ein Beispiel, ich spiele ab und an auch ein Killer-Spiel, dann ist es dazu gekommen, daß ich einen Schießstand besuchen durfte.

Dort können ungebübte unter Anweisung mit scharfen Waffen schießen, richtigen Waffen.
Angefangen mit einer 9mm, über eine 45erMagnum hin zu Tontaubenschießen mit einem doppelläufigen Schrotgewehr.
Vorab wurde lediglich der Personalausweis gesichtet, als ich der betreuenden Person mitteilte, Sie solle mir erklären wie ich mit dem 45er umzugehen hatte, bekam ich als Antwort: Wie das weisste nicht ? Fazit hier: Nur weil ich ne Maus bediene, erlange ich noch nicht die Fähigkeit mit einer Waffe zu schießen bzw. zuverlässig zu zielen.
Das war mein erster und letzter Besuch eines Schießstandes, ich habe mich die ganze Zeit sehr unwohl gefühlt, da ich mir bewusst war, daß ich eine tödliche Waffe in der Hand hielt.

Solange in unserer Gesellschaft Menschen wie diese Amokläufer durch das Raster fallen und diese Menschen auch noch an Schusswaffen herankommen, werden Amokläufe immer wieder passieren.

Vielelicht sollte man sich um solche Themen wie Mobbing und Ausgrenzung kümmern, anstatt irgendwelche neuen Medien verantwortlich zu machen.
Als Aussenstehender ist das immer sehr einfach.

24.11.2010
13:17
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24.11.2010
13:15
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