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Unruhen

Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran

16.06.2009 | 07:01 Uhr
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran

Teheran. Laut einem iranischem Radio sind sieben Menschen bei den Unruhen im Iran getötet worden. US-Präsident Barack Obama zeigt sich äußert beunruhigt und warnt vor einem Blutvergießen. Der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mussawi hat sich für eine Wiederholung des Wahlgangs ausgesprochen.

Bei Zusammenstößen nach der Großdemonstration in Teheran gegen die umstrittene Wiederwahl des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad sind nach Angaben des staatlichen Rundfunks sieben Menschen getötet worden. Sie seien bei einem Schusswechsel ums Leben gekommen, nachdem mehrere Menschen am Montagabend versucht hätten, «eine militärische Einrichtung anzugreifen», hieß es am Dienstag im iranischen Radio.

Es war die erste Bestätigung für einen Zwischenfall nach der Großkundgebung am Asadi-Platz, bei der hunderttausende Anhänger des nach offizieller Lesart unterlegenen Reformkandidaten Mir Hossein Mussawi friedlich demonstriert hatten. Der Radiobericht nannte nur wenige Einzelheiten, die Beschreibung der Ereignisse deckte sich jedoch mit einem Zwischenfall, der von Augenzeugen und einem Fotografen der Nachrichtenagentur AP beobachtet worden war.

Als sich die Menge nach Einbruch der Dunkelheit aufzulösen begann, versuchte eine Gruppe Demonstranten, das Gebäude einer mit den Revolutionsgarden in Verbindung stehenden Freiwilligenmiliz am Rand des Platzes in Brand zu stecken und zu stürmen. Daraufhin gaben Personen in dem Gebäude Schüsse auf die Demonstranten ab. Dabei wurde nach Angaben eines AP-Fotografen mindestens ein Mensch getötet und mehrere weitere schwer verletzt.

Am Montag hatten in der Hauptstadt Teheran hunderttausende Anhänger des nach offizieller Lesart unterlegenen Reformkandidaten Mir Hossein Mussawi friedlich demonstriert.

Barack Obama warnt vor einem Blutvergießen im Iran. (Foto: ap)

US-Präsident Barack Obama hat sich «tief beunruhigt» über die Gewalt nach der Präsidentenwahl im Iran gezeigt. Der Druck für eine Untersuchung der Vorwürfe der Wahlfälschung dürfe jedoch nicht zu Blutvergießen führen, sagte Obama am Montag in Washington. Gleichzeitig betonte er, es sei falsch, angesichts der beunruhigenden Nachrichten zu schweigen. Er gehe davon aus, dass die iranische Führung die «Unregelmäßigkeiten» bei der Wahl untersuchen werde, sagte Obama am Montag (Ortszeit) in Washington.

Obama bietet direkte Diplomatie an

Obama bekräftigte auch nach der Wiederwahl von Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad sein Angebot einer direkten Diplomatie mit der Islamischen Republik. Harte Diplomatie «ohne Illusionen» über den Iran und die Differenzen zwischen beiden Ländern sei für die nationale Sicherheit der USA von entscheidender Bedeutung, erklärte der US-Präsident.

Bei der Zahl von Verletzten und Toten bei den Demonstrationen ist die Nachrichtenlage weiter unklar. Ein iranischer Fotograf sagte, er habe in Teheran eine Leiche gesehen. Der Demonstrant sei durch eine Schusswunde ums Leben gekommen. Wie ein AFP-Korrespondent berichtete, fielen am Ende der Demonstration mit hunderttausenden Teilnehmern Schüsse, auch Tränengas wurde eingesetzt. Zahlreiche Menschen verließen demnach den Ort der Kundgebung in Panik.

Die Unruhen im Iran nehmen weiter zu. (Foto: ap)

Eine iranische Exil-Organisation, der Nationale Widerstandsrat, sprach dagegen von mehreren Toten und Verletzten. Bei den Protesten in Teheran und anderen Städten seien mindestens zehn Demonstranten getötet worden.

Prüfung des Wahlergebnisses

Der geistliche Führer des Landes, Ayatollah Ali Chamenei, ordnete eine Prüfung des umstrittenen Wahlergebnisses an. Der Wächterrat sei beauftragt worden, die Betrugsvorwürfe des zweitplatzierten Kandidaten Mussawi «genau» zu prüfen, sagte Chamenei. Wie das iranische Fernsehen berichtete, sollte das Gremium am Dienstag über die Vorwürfe beraten. Ahmadinedschad traf unterdessen zu einem Gipfeltreffen im russischen Jekaterinenburg ein, wie ein Delegationsmitglied berichtete. Der Staatschef hatte die Reise wegen der Proteste verschoben.

Mussawi hatte sich am Montag auf der Großdemonstration in Teheran für eine Wiederholung des Wahlgangs ausgesprochen. «Wir sind bereit, wieder an einer Präsidentschaftswahl teilzunehmen», sagte der Herausforderer von Amtsinhaber Ahmadinedschad bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit den Wahlen am Freitag.

Der unterlegene Kandidat Mir Hossein Mussawi sagte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit der Wahl vom Freitag zur Menge: «Wir müssen unsere Rechte, die mit Füßen getrampelt wurden, zurückgewinnen. Wir müssen diese Lüge beenden und gegen den Betrug aufstehen.» Er selbst sei bereit, dafür jeden Preis zu zahlen. «Sonst bleibt nichts übrig vom Vertrauen der Menschen in die Regierung und das herrschende System.»

Mussawi hat nur geringe Hoffnung auf Annullierung

Mussawi sagte, er habe nur geringe Hoffnung, dass der Wächterrat das gefälschte Wahlergebnis annullieren werde. Die Demonstranten antworteten mit Sprechchören: «Lang lebe Mussawi!» Ayatollah Ali Chamenei hatte das Expertengremium islamischer Rechtsgelehrter am Montag mit einer Überprüfung der Wahlergebnisse beauftragt. Mussawi kündigte für Dienstag eine weitere Demonstration im Norden Teherans an.

Nach AFP-Schätzungen protestierten in Teheran mehrere hunderttausend Mussawi-Anhänger, obwohl die Kundgebung zuvor untersagt worden war. Zwei Polizisten sprach von 1,5 bis zwei Millionen Teilnehmern.

Der Sohn des des letzten persischen Schahs, Resa Pahlewi, verwies angesichts der Massenproteste auf Parallelen zur Islamischen Revolution 1979, die zum Sturz seines Vaters geführt hatte. Das heutige Klima im Iran rufe Erinnerungen an die Ereignisse vor mehr als 30 Jahren wach, die zur Machtübernahme des heutigen Regimes geführt hätten, sagte Pahlewi dem US-Fernsehsender CNN. Der frühere Thronfolger, der heute in den USA lebt, forderte insbesondere US-Präsident Obama auf, «Solidarität» mit den Iranern zu zeigen.

Aufruf zu Gesprächen über umstrittenes Atomprogramm

Die US-Regierung hat den Iran zur Teilnahme an Gesprächen über das umstrittene Atomprogramm des Landes aufgefordert. Bislang habe Teheran nicht auf die Einladung zu neuen Verhandlungen mit den fünf permanenten UN-Sicherheitsratsmitgliedern und Deutschland geantwortet, sagte die stellvertretende amerikanische UN-Botschafterin Rosemary DiCarlo am Montag.

Die USA hielten an den Mitteln der Diplomatie fest und würden sich an den Verhandlungen beteiligen, um auf der Grundlage gegenseitigen Respekts Ergebnisse zu erzielen, sagte DiCarlo bei einer Sitzung des Sicherheitsrats in New York. Die Verhandlungen wären die ersten Gespräche seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama im Januar. Obama will mit der diplomatischen Eiszeit gegenüber Teheran brechen und sich direkt an Verhandlungen beteiligen.

Wenige Stunden zuvor hatte der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed ElBaradei, den Iran aufgefordert, das US-Verhandlungsangebot anzunehmen. Bei einer Sitzung des IAEA-Direktoriums in Wien sagte ElBaradei, der Iran habe seit einem Jahr Nachfragen und Besuchsanträge ignoriert, die zum Ziel gehabt hätten, «die militärische Dimension des iranischen Nuklearprogramms auszuschließen». Teheran beteuert jedoch, die Atomtechnologie solle nur zivil genutzt werden. (ap/afp)

DerWesten

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Kommentare
26.06.2009
23:11
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von Nikita O. | #27

grad hat ein guter freund von mir erfahren, dass sein 15 jähriger cousin bei demos im iran getötet wurde, seine eltern haben gesagt, die polizei hätte den erst geschlagen und anschließend getötet...

17.06.2009
09:30
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von imaz | #26

Nachtrag:
Er hat nicht dazu aufgefordert, dass sich der Westen
insbesondere Deutschland, in die inneren Angele-
genheiten des Iran so massiv einmischen sollen.

17.06.2009
09:26
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von imaz | #25

# 24 sandra 79
Das mit den Schreihälsen war Nicht auf Sie ge-
münzt.
In meinem Kommentar # 21 meinte ich ab dem Absatz:
Mir persönlich ist es völlig egal - - - - - - -).

ARD Videotext :
Nach Ansicht von US- Präsident Obama sind die
Unterschiede zwischen Irans Präsident Ahmadi-
nedschad und Oppositionsführer Mussawi nicht
sehr gross.
Unabhängig vom Ausgang der Präsidentenwahl
hätte man in beiden Fällen mit einem Regime
umgehen müssen, das den Vereinigten Staaten
historisch feindlich gesinnt gewesen wäre, das
einige Probleme mit seiner Nachbarschaft ver-
ursacht hat und hinter Atomwaffen her ist.
sagte Obama dem Sender CNBC.
Nun sei es am iranischen Volk, eine Entscheidung
zu fällen, so Obama.

17.06.2009
08:54
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von sandra79 | #24

Ich glaube, ich habe auf ard.de gefunden, was Sie meinen. Wahrscheinlich fühlen Sie sich dadurch in jenem Satz bestätigt:
Die bleiben bei ihrer Atompolitik und dass der Westen an das Gas oder Öl kommt, ist ohne Krieg undenkbar, ganz gleich wer da das Sagen hat.
Danach hat aber niemand mehr einen Kommentar geschrieben und Ihnen widersprochen oder Sie dafür angegriffen.

Nebenbei: Dass Obama nicht der tolle Ich-bin-ganz-anders-als-meine-Vorgänger-und-mache-alles-neu-Präsident ist, wie anfangs suggeriert wurde, ist mir nicht erst seit gestern klar. Er ist ähnlich selbstgerecht wie die anderen Herren, behandelt den Rest der Welt eben nicht auf Augenhöhe und glaubt bei jedem Konflikt auf der Welt, die USA hätten die Pflicht und vor allem das Recht, ihn zu lösen - allein.

17.06.2009
08:25
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von sandra79 | #23

Was hat er gesagt? ARD-Videotext funktioniert bei mir nicht.

17.06.2009
08:19
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von imaz | #22

Ich würde jedem der Schreihälse, die mich gestern
heftig angegriffen haben, den letzten Teil meines
Kommentars zu lesen und mit dem zu vergleichen,
was Obama dazu sagt. ARD Videotext.
Als ich das gesten schrieb, konnte ich wohl schlecht
wissen was Obama heute gesagt hat

16.06.2009
22:00
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von imaz | #21

# 17 sandra 79
Ich muss Sie wieder korrigieren. Ich war sogar
schon 2X im Iran, allerdings nicht aus politischen
Gründen sondern habe mir als interessierter
Mensch die archeologischen Sehenswürdigkeiten
angesehen. 2X 4 Wochen, ca 6000 Km pro Reise.
Ich habe Augen und Ohren offengehalten, behaup-
te aber nicht, den Iran im Ganzen zu kennen.
Eines habe ich aber gemerkt. Bei uns werden von
interessierten Gruppen Sachen erzählt, die einfach nicht stimmen. Die Unkenntnis der Men-
schen hier wird schamlos für billigste Propaganda
ausgenutzt. Mir persönlich ist es völlig egal, wer da
an der Macht ist, ändern wird sich am System ohne
hin nichts. Die bleiben bei ihrer Atompolitik und dass der Westen an das Gas oder Öl kommt, ist
ohne Krieg undenkbar, ganz gleich wer da das Sagen hat.

Zu#19 und #20 kein Kommentar. die kommen-
tieren sich selbst.

16.06.2009
21:11
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von Glueck.Auf | #20

Liebe WAZ,
wenn der Beitrag 1 gelöscht wird,dann bitte aber auch die üblen Beleidungen von imaz in Beitrag 5.
Wer hier Kommentatoren derart beleidigt, verdient hier kein Forum.
Islamisten-Hetze hat in dieser Zeitung nichts zu suchen
Vielen Dank.

16.06.2009
21:06
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von sonich | #19

@imaz
wessen Geistes Kind SIE sind haben Sie in diesem Forum schon sehr oft ausgebreitet.
Sie wechseln IHRE Meinung stets so,das diese Ihnen genehm ist und hier von der Linken Klientel sabbernd aufgenommen wird.
Leute wie Sie braucht kein Land der Welt.
Ihr Weltbild vestellt Ihnen die Sicht auf die Dinge des Alltags,auf die Sie sich wirklich konzentrieren sollten.
Ich lehne Leute Ihrer Glaubensrichtung nicht ohne eigene Lebenerfahrung ab.
Wer wie Sie und Ihre Glaubensgenossen nicht in der Lage ist sich in diesem Land geräuschlos zu integrieren,der sollte mit dummen Sprüchen wie der Ihren sehr vorsichtig sein.
Meine Aufnahmefähigkeit dürfte die Ihre bei weitem übersteigen,da ich die Schule bis zum Ende erlebt habe.Im Gegensatz zu Ihnen und vieler sonstiger Mohammedaner.
Ach ja, es steht iIhnen natürlich jeden Tag FREI,dieses anscheinend für Sie doch so schlimme Land in Richtung IHRER geliebten Heimat zu verlassen.
Gute Reise......

16.06.2009
19:11
Vermutlich sieben Tote bei Demonstrationen im Iran
von Psycholine | #18

Der im Fernsehen gegen die Demonstranten gerichtete Kommentar eines geistigen Führers zeigt doch, dass es ziemlich egal ist, wer denn nun die Wahl gewonnen hat, denn was gibts zu gewinnen für das Volk? In diesem Kommentar hieß es, die Demonstranten sollten nicht glauben, dass der Geheimdienst sie nicht erkennen und zur Rechenschaft ziehen würde- oder verhaften, weiß ich nicht mehr so genau.
Aha. Mit dem Geheimdienst drohen. Was sagt mir das? Auch der hat nur neue Befehlshaber?
Im übrigen schließe ich mich der geäußerten Meinung an: Selbstreinigungsprozeß erstmal abwarten! Mehr Vertrauen in die Macht des Vilkes.

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