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Verdi will Testkäufer in Banken verhindern

18.01.2011 | 17:31 Uhr
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern

Essen.Der Druck auf die Banken wird immer größer: Die Bundesbank warnt Anleger vor teuren Finanzprodukten. Jetzt sollen verdeckte Testkäufer Filialen überprüfen. Dagegen hat Verdi bereits 60 000 Unterschriften gesammelt.

Der Druck auf die Banken wird immer größer: Die Bundesbank warnt Anleger vor teuren Finanzprodukten. die Bundesregierung will den Anlegerschutz verbessern und die Bankenaufsicht verdeckte Testkäufer in die Filialen schicken. Die Emotionen kochen hoch: Die Gewerkschaft Verdi hat seit dem Jahreswechsel über 60 000 Unterschriften gegen eine Kriminalisierung der Beschäftigten gesammelt. Und Hans-Bernd Wolberg von der WGZ-Bank, warnt vor einer „Wirtschafts-Stasi“.

Zu den Fakten: Im Laufe des Jahres will die Bankenaufsicht Bafin Testkäufer in die Banken schicken, die überprüfen sollen, ob die Kunden beim Kauf von Finanzprodukten eine ordentliche Beratung erhalten. Denn nach Erkenntnissen der Stiftung Warentest aus dem letzten Sommer lässt die Aufklärung in den Geldinstituten noch immer zu wünschen übrig. Auch nach der Lehman-Pleite bieten Banker ihren Kunden offenbar immer noch hochriskante Produkte an und schlampen beim vorgeschriebenen Beratungsprotokoll.

Das soll sich nun ändern: Der Finanzausschuss des Bundestags berät heute über einen Gesetzentwurf der Bundesregierung, der die Anleger besser schützen und der Bafin mehr Rechte einräumen soll. So soll es für die rund 300 000 Bankberater in Deutschland ein Melderegister geben. Verstoßen sie gegen Anlegerschutz-Regeln, kann die Bankenaufsicht ein bis zu zweijähriges Tätigkeitsverbot aussprechen.

Keine „verdeckten Ermittler“

Von Testkäufern ist in dem Gesetzentwurf allerdings nicht die Rede. „Das ist eine Verwaltungsvollzugshandlung der Bafin“, sagt ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums verklausuliert. Soll heißen: Es liege allein im Ermessen der Bankenaufsicht, ob sie Testkäufer einsetzt. Eine Bafin-Sprecherin gab sich auf Anfrage dieser Zeitung verschlossen. „Die Ausschreibung läuft“, bestätigte sie. Alle anderen Antworten blieb sie schuldig: Werden Privatdetektive oder Sicherheitsfirmen die Testkäufe tätigen? Wie oft müssen Banken mit einem Überraschungsbesuch rechnen? Was kostet die Aktion? Die Bafin-Sprecherin: „Das wird alles noch geprüft.“

Nachdem Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) kurz nach Weihnachten die Aussendung von „verdeckten Ermittlern“ in die Banken angekündigt hatte, spricht auch ihr Ministerium nun moderater von Testkäufern. Zumal die Bafin Hoheitsgebiet des Finanzministers ist.

Demonstrative Unaufgeregtheit zeigt der Zentrale Kreditausschuss, unter dessen Dach sich Privatbanken- und Sparkassenverbände zusammengeschlossen haben. Testkäufer seien doch längst im Auftrag der Bafin und der Banken selbst unterwegs, heißt es bei der Spitzenorganisation.

„Grenzen des guten Geschmacks überschritten“

Diese Gelassenheit vermag der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken allerdings nicht zu teilen: „Verdeckte Ermittler bekämpfen Verbrecher, wir aber sind nicht kriminell“, sagte sein Präsident Uwe Fröhlich. Hans-Bernd Wolberg, Vorstand der Düsseldorfer WGZ, die Zentralbank für Volks- und Raiffeisenbanken in NRW ist, setzt noch einen drauf und spricht von Ungeheuerlichkeit und Populismus. Die „Grenzen des guten Geschmacks sind endgültig überschritten“, so Wolberg.

Testkäufe im Auftrag der Bafin lehnt auch der Bankenexperte Wolfgang Gerke ab: „Gegenüber den Mitarbeitern grenzt das schon an Big-Brother-Methoden“, sagte der Professor dieser Zeitung. „Für mich überwiegen die Bedenken, weil die Aufsichtsbehörde Bafin die Testkäufer beauftragt.“

Leistungsdruck wächst

Die Bankberater in den Filialen stehen ohnehin unter wachsendem Leistungsdruck. Ein Insider berichtet, dass Controller inzwischen tägliche Umsatzprofile erstellen, die Aufschluss darüber geben, wie viele Finanzprodukte der Einzelne zu welcher Tageszeit verkauft hat. Erfüllt der Berater das vom Bankvorstand vorgegebene Ziel nicht, muss er mit Restriktionen rechnen.

Die Konsequenzen be­schreibt Uwe Foullong, Vorstand der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Er spricht von einer „Kriminalisierung der Bankberater“ und warnt davor, dass Testkäufe die Zahl der psychischen Erkrankungen noch weiter in die Höhe treiben würden.

Frank Meßing

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Kommentare
20.01.2011
13:49
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von hanshorsthausen | #10

ver.di ist halt krampfhaft bemüht, die nicht mehr vorhandene, Daseinsberechtigung nachzuweisen.
In der einen Pressemitteilung wird auf die Banken geschimpft, jetzt werden die Methoden der Banken geschützt Wie steht es eigentlich um den Organisationsgrad bei den Banken, Kollege Ackermann schon einen Aufnahmeantrag unterschrieben.

19.01.2011
14:55
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von peterderalte | #9

Da passiert endlich mal was Kundenfreundliches,
schon wird wieder dagegen gewettert.
Was kann Verdi denn dagegen haben, oder will
man die schwarzen Schafe bei den Banken schützen?.
Wenn da immer alles mit rechten Dingen zugehen würde, bräuchte man diese Testkäufe ja garnicht.

19.01.2011
14:19
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von joergel | #8

Jetzt sollen Testkäufer Schuld sein, weil sie Bankberater kriminalisieren? Verdi sammelt deshalb Unterschriften dagegen?
Verdi billigt also, dass die Bankvorstände ihre Mitarbeiter massiv zu Ungunsten der Käufer unter Druck setzen. Verdi nimmt in Kauf, das Controller die Bankberater bis in Kleinste kontrollieren und die Berater bei nicht genügend erzieltem Profit bestraft werden. Verdi läßt zu, das die Bankmitarbeiter von ihrem Arbeitgeber bis zur Erkrankung psychisch unter Druck gesetzt werden, usw., usw.
Endweder hat Verdi nicht begriffen, dass dieses System durch die geplanten Testkäufe über kurz oder lang am Ende wäre. Einfach weil sich die Bankberater dann wirklich um die besten Anlagemöglichkeiten für ihre Kunden bemühen müßten - und nicht um den größten Profit für die Bankvorstände, da jeder Kunde auch ein Testkäufer sein könnte.
Oder sind da vielleicht ein paar Gelder geflossen, so von Bankvorstand zu Gewerkschaftsvorstand?
Anders ist für mich kaum erklärbar, warum eine Gewerkschaft sich so auf die Arbeitgeberseite schlägt...

19.01.2011
12:11
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von RitterKokosnuss | #7

Zitat: Würden alle Kunden nur das abschließen was sie auch wirklich verstanden haben und sich nicht von Rendite bzw. Steuervorteilen blenden lassen, wäre das Problem sofort gelöst.
Hauptsache Sie als Profi verstehen das, was Sie verkaufen........

19.01.2011
12:10
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von RitterKokosnuss | #6

Heul! Mein Chef will, dass ich Umsatz mache, und dann auch noch mit zickigen Kunden und dann auch noch fair. Heul!
Tja, wer dachte dennn damals, als wir Bankbeamte wurden, dass wir verkaufen müssen? Und jetzt wollen die Behörden zum Schutz der Kunden auch noch kontrollieren, dass hier alles korrekt abläuft, mit Testkunden! Und wie erkenne ich die? So ein Mist ! Geweeeeeeerkschaaaaft! Hiiiiilfääääääää!
.
Wir haben eine Bankenkrise hinter uns, wo Omas und Opas hochriskante Wertpapiere in leckeren Umverpackungen (Deckblätter=Sparkasse, werthaltiges Zertifikat=Lehmanns) verkauft wurden. Und das muss ein Ende haben! Hier ist wirklich ausnahmsweise der Staat gefordert, genauso wie bei Lebensmitteln und Futtermitteln.

19.01.2011
07:52
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von dinobett | #5

Wer Beratung möchte sollte zu einem unabhängigen Berater gehen. In der Bank und beim Versicherungsvertreter (der ich selbst bin) wird verkauft und nicht beraten. Für eine Beratung bekomme ich genau 0 €.
Kein Mensch verlangt vom Mercedes Verkäufer dem Kunden zu sagen das er bei BMW das bessere Auto erhält.
Würden alle Kunden nur das abschließen was sie auch wirklich verstanden haben und sich nicht von Rendite bzw. Steuervorteilen blenden lassen, wäre das Problem sofort gelöst.

18.01.2011
23:48
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von Pucky | #4

Selbstverständlich soll die Bankenaufsicht Testkäufer durch die Filialen schicken, die Finanzwirtschaft hat ja bewiesen, dass sie nur den Provisionen hinterhergieren und die Menschen über den Tisch ziehen... wenn die Blase dann platzt, dann hat die Bank NIIIEE so beraten und die Menschen sind ihr Geld los.
Die Banken müssen erst einmal beweisen, dass man ihnen wieder vertrauen kann.

18.01.2011
20:05
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von EinKnaeuel | #3

Verdi soll sich um seine Mitglieder kümmern. Auch sie werden als Bankkunden übers Ohr gehauen.
Gewerkschaften, die als Unterstützer der Arbeitgeber und der Banken auftreten, verlieren an Glaubwürdigkeit, da die Arbeitgeber und Banken eh nur eines wollen, ganz schnell, ganz viel Geld, möglichst, ohne einen ct. an den Kunden zu bezahlen und für Gehälter auszugeben...

18.01.2011
19:44
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von xxyz | #2

Es gibt immer wieder Bankberatungen, die eindeutig nicht zum Vorteil der Kunden sind. Ein mir bekannter Fall: Nehmen Sie doch einen höheren Kredit auf, dann können Sie, falls sie Bedarf haben, das Geld direkt von ihrem Konto nehmen.
Dieses Verhalten muss bekämpft werden. Dass die Gewerkschaften davon ausgehen, dass ihre Mitglieder nicht korrekt beraten und sie deshalb schützen wollen, kann ich nicht nachvollziehen. Gewerkschaften sollten die Verbraucher schützen, nicht die Banken.

18.01.2011
19:23
Verdi will Testkäufer in Banken verhindern
von Elektrosteiger | #1

Habe ich das jetzt richtig verstanden???
Die Gewerkschaft VERD.DI unterstützt die BANKSTER???
Sach ma. wo lebt VER.DI denn jetzt???

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