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USA-Experte sieht Washingtons strategische Neuausrichtung gelassen

04.02.2012 | 11:07 Uhr

Europa sollte nach Ansicht des USA-Experten Henning Riecke gelassen auf die Neuausrichtung der Vereinigten Staaten reagieren. "Warum denkt jeder, dass die USA nur in eine Richtung gucken können", sagte der Experte für die Außen- und Sicherheitspolitik der USA bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) der Nachrichtenagentur dapd mit Blick auf die Münchner Sicherheitskonferenz.

Berlin (dapd). Europa sollte nach Ansicht des USA-Experten Henning Riecke gelassen auf die Neuausrichtung der Vereinigten Staaten reagieren. "Warum denkt jeder, dass die USA nur in eine Richtung gucken können", sagte der Experte für die Außen- und Sicherheitspolitik der USA bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) der Nachrichtenagentur dapd mit Blick auf die Münchner Sicherheitskonferenz. Hier wollen mehr als 300 Politiker, Militärs und Experten am Samstag über den Aufstieg Asiens und die europäische Antwort darauf beraten.

Hintergrund der Diskussionen über ein "beginnendes transpazifisches Zeitalter" ist die seit Jahren zu beobachtende Ausrichtung der amerikanischen Außen- und Verteidigungspolitik auf Asien. Riecke sagte, diese Orientierung habe "offensichtlich wirtschaftliche und geostrategische Erwägungen". Schließlich würden im asiatisch-pazifischen Raum "neue Kräfte aufwachsen", die sich wie China immer stärker in die internationale Politik einmischten. Darauf müssten die USA eine Antwort finden.

Eine Schwächung des transatlantischen Bündnisses zwischen den USA und Europa bedeute das nicht, fügte Riecke hinzu. "Die transatlantische Brücke ist eine der wichtigsten Grundlagen für die US-Politik", betonte er. Daran werde auch der verstärkte Blick nach Asien nichts ändern. Andere Interpretationen seien seiner Auffassung nach "Fehleinschätzungen". Auch in Zukunft würden die USA politisch, militärisch und wirtschaftlich auf ein Bündnis mit Europa setzen. "Die USA geben ihr Interesse an Europa nicht auf."

Zurückhaltend bewertete der DGAP-Außenexperte die Umbrüche in der arabischen Welt. Zum einen gebe es dort andere Ursachen als in Osteuropa, wo vor zwei Jahrzehnten der Eiserne Vorhang fiel. Hier seien in den 1980er- und 90er-Jahren vor allem politische Gründe Auslöser für die Reformen gewesen; in der arabischen Welt sei es zumeist der Wunsch nach einem persönlichen wirtschaftlichen Aufschwung gewesen.

Zum anderen habe Osteuropa bei der Transformation auf die Unterstützung internationaler und westeuropäischer Organisationen zurückgreifen können. Das sei in der Nahost-Region anders. "Dabei können bürgerliche Freiheiten auch neue wirtschaftlichen Perspektiven eröffnen", sagte Riecke. Es müsse noch mit einer "längeren Phase des Übergangs" in der arabischen Welt gerechnet werden. Die Frage, ob die Welt durch die Umstürze sicherer geworden ist, lasse sich heute noch nicht beantworten.

dapd

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