Unterlagen zur Loveparade beschlagnahmt
25.07.2010 | 12:47 Uhr 2010-07-25T12:47:00+0200
Duisburg.Die Suche nach der Ursache für die Tragödie hat begonnen: Nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten und 342 Verletzten hat die Staatsanwaltschaft die Planungsunterlagen beschlagnahmt.
Nach der Massenpanik bei der Loveparade in Duisburg mit 19 Toten und 342 Verletzten haben Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft am Sonntagmorgen die Planungsunterlagen zu der Techno-Party beschlagnahmt. Das berichtete die in Essen erscheinende „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ am Sonntag vorab. Danach liegt unter anderem die Anzeige eines Feuerwehrmanns vor, der genau vor dieser Gefahrenstelle gewarnt habe, an der das Unglück passierte.
Nach der Massenpanik mit mindestens 19 Toten bei der Loveparade in Duisburg hat am Sonntag die Suche nach den Verantwortlichen begonnen. Augenzeugen äußerten scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen bei dem Raver-Spektakel mit mehr als einer Million Teilnehmern vom Samstag. Politiker forderten eine genaue Untersuchung des tragischen Vorfalls, bei dem nach Polizeiangaben mehr als 340 weitere Menschen verletzt wurden.
Kritik am Konzept
Das Unglück ereignete sich am Samstag kurz nach 17.00 Uhr an einem überfüllten Tunnel, dem einzigen Zugang zu dem Partygelände am alten Duisburger Güterbahnhof. Der Duisburger Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe sagte in der ARD, die späteren Opfer seien offenbar an einer Tunnelwand hochgeklettert und abgestürzt. Nach ersten Angaben der Polizei wurden im Bereich des Tunnels „Menschen überrannt“. Ermittlungen zur Klärung des genauen Unfallhergangs wurden eingeleitet.
Augenzeugen berichteten, im Tunnelbereich habe es „einfach gar keine Ausweichmöglichkeit“ gegeben. „Und obwohl es voll war, haben die immer mehr Leute reingelassen.“
Auch Loveparade-Gründer Dr. Motte kritisierte in seinem Internet-Blog die Sicherheitsvorkehrungen. Ein einziger Zugang durch einen Tunnel berge „die Katastrophe in sich“. An der zum dritten Mal im Ruhrgebiet veranstalteten Loveparade hatten laut Organisatoren über den gesamten Tag verteilt 1,4 Millionen Menschen teilgenommen. Nach dem Unglück wurden laut Polizei alle Notausgänge des Areals geöffnet, die für den Verkehr gesperrte Autobahn 59 neben dem Güterbahnhof wurde als Fluchtweg freigegeben.
Die Techno-Party wurde trotz der Tragödie noch eine Weile fortgesetzt. Der städtische Krisenstab habe gewollt, „dass diese Veranstaltung in Ruhe ausklingt“ und keine Panik entstehe, begründete Ordnungsdezernent Rabe die Entscheidung.
Die Veranstalter der Loveparade sprachen den Angehörigen der Opfer in einer Internetmitteilung ihr Beileid aus. „Unser Anliegen, ein fröhliches Miteinander von Menschen durchzuführen, ist heute von den tragischen Unglücksfällen überschattet worden“, hieß es in der kurzen Erklärung auf der Internetseite www.loveparade.net, die auf völlig schwarzem Hintergrund erschien. Unter den Todesopfern waren nach ersten Erkenntnissen auch eine 27-jährige Australierin, eine Italienerin und ein 22-jähriger Niederländer.
Polizei warnte bereits vorab
Sicherheitskräfte haben nach Angaben der Deutschen Polizeigewerkschaft bereits vor der diesjährigen Loveparade in Duisburg massive Vorbehalte geäußert. Das Gelände, auf dem die Techno-Party stattfand, sei viel zu klein gewesen, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Polizeigewerkschaft, Wolfgang Orscheschek, am Sonntag.
Die 19 Toten und 342 Verletzten, die es bei einer Massenpanik am Rande der Loveparade gab, seien „Opfer materieller Interessen“ geworden, kritisierte der Gewerkschafter. Die Stadt Duisburg sei bei der Planung der Loveparade von Veranstalterseite derart in die Enge getrieben worden, dass sie trotz „eindringlicher Warnungen aus dem Sicherheitsbereich“ nur habe „Ja“ sagen können. Für Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sei in der Planungsphase die Entscheidung für oder gegen die Loveparade eine Gratwanderung gewesen. „Er hätte nur richtig entschieden, wenn die Loveparade ohne dieses schreckliche Geschehen zu Ende gegangen wäre“, sagte Orscheschek.
10:13
Da ich selber Mutter einer Loveparade Teilnehmerin bin melde melde ich mich ebenfalls zu Wort.
Wenn man sich das Gelände von oben einmal ansieht fällt schnell auf, dass sich dieses vor der Stadt befindet. So nach dem Motto, die Imageaufbesserung nehmen wir gern mit, aber die Feiernden sollen mal schön draußen vor der Stadt bleiben. Es wurde in meinen Augen nur nach dem Minimalprinzip organisiert, mit wenig Mitteln den maximalen Erfolg erzielen.
Die ist traurig gedacht und endete für viele tödlich........
Jetzt kann man nur noch hoffen, dass sich die Verantwortlichen auch verantwortlich zeigen und sich den Fehlern stellen...dies sind sie der Bevölkernung schuldig...
01:11
Ich war auf der Loveparade und bin ziemlich genau zur Unglückszeit an der Stelle gewesen (genau weiß ich die Zeit nicht, aber ich erinnere mich, gegen 17:05 auf dem eigentlichen Veranstaltungsgelände angelangt zu sein, und der Weg über die Rampe von der Unglücksstelle bis dahin ist nicht weit). Ich empfand die Situation dort als sehr unangenehm, aber bemerkte nichts von dem eigentlichen Unglück, und habe erst nach der Loveparade davon erfahren. Selbst als die Veranstaltung kurz vor elf vorzeitig beendet wurde, sagte man nicht warum - auf der Leinwand hinter der Hauptbühne wurde ein romantisches Bild eingeblendet (Vollmond über dem Meer). War vielleicht gedacht als einigermaßen geschmackvoller, besinnlicher Ausklang, aber die meisten im Publikum dachten wohl, dass DJ David Guetta sich ein besonders extravagantes Intro ausgesucht hätte. Als dann nach ca. 10min die Ansage kam, dass die Loveparade vorbei sei, wurden viele wütend. Die Begründung, man habe keine zweite Panik auslösen wollen, ist nachvollziehbar. Aber es ist ein schlimmes Gefühl, im Nachhinein zu erfahren, dass wir stundenlang fröhlich gefeiert haben, während wenige hundert Meter entfernt Tote und Verletzte lagen.
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Kurze Zeit vor dem Unglück, so zwischen 16:30-45 wohl, gab es mehrfach Lautsprecherdurchsagen der Polizei auf der Karl-Lehr-Straße (nahe Ecke Grabenstraße/Seniorenheim), dass der Veranstalter den Zugang über die Karl-Lehr-Straße zeitweilig (!) gesperrt habe und man doch bitteschön zum Bahnhof zurück sollte, um durch den anderen Eingang zum Veranstaltungsgelände zu kommen. Einige sind tatsächlich umgekehrt, aber viele, darunter auch ich, sind schließlich weitergelaufen. Die meisten haben wohl angenommen, dass es sich um eine Desinformation handelte: Laut den ausgeteilten Lageplänen hätte man nur um den Bahnhof herumlaufen können und wäre Stunden später wieder beim gleichen Eingang gelandet. Möglicherweise war da tatsächlich schon der Zugang am Nordostende des Geländes geöffnet (im Lageplan für Besucher nicht eingezeichnet, aber dort sind später glaube ich auch die Floats rausgefahren) - wahrscheinlicher ist jedoch, dass man versucht hat, die Leute zu täuschen, in guter Absicht selbstverständlich. Und die Behauptung, man könnte am Tunnel nicht mehr weiter, stellte sich jedenfalls gleich als falsch heraus: Vor dem Tunnel waren zwar Vereinzelungssperren (der Ausdruck aus der PK: Gatter, durch die man nur einzeln durchlaufen konnte und die leicht abzusperren sind), aber die Ordner dort haben uns anstandlos durchgelassen. Im Tunnel selbst waren viele Leute, und ein unangenehmer Lärm durch Trillerpfeifen und Fußballfan-artiges Gegröhle, aber kein nennenswerter Stau. Am Tunnelausgang allerdings konnte man schon die Leute herausklettern sehen, und wir gerieten am rechten (also nördlichen) Rand des Tunnelausgangs in ein sehr ungemütliches Gedränge, so dass ich mir tatsächlich Sorgen machte um meine Sicherheit und um die der Leute um mich herum. Als allgemeine Panik hätte ich es noch nicht bezeichnet, aber ein oder zwei Mädchen schrien laut, und ich kann nicht ausschließen, dass das bereits der Moment war, wo auf der anderen Seite die Leute von der Treppe abstürzten. Das Gedränge ließ in Richtung Rampe dann schnell nach und wir schauten nicht zurück, sonst hätten wir den Rest des Tages wohl anders verbracht.
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@ #20 (marc78) warum wurden immer noch mehr menschen zu dem gelände gelassen obwohl es schon voll war das verhanstaltungs gelände. - Nein, das Problem war der Zugang. Auf dem Veranstaltungsgelände selbst war noch reichlich Platz. Selbst vor der Bühne, wo sich das Publikum wie bei jedem größeren Konzert drängte, schienen die Veranstalter alles im Griff zu haben, es gab dort eine Barriere um den inneren Bereich herum, die den Andrang kanalisierte.
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@ #23 (Moerser_): Guter Hinweis. Es gab auch einen Polizeibeamten, der oben an der Leiter an der Ostseite (eigentlich eher ein Gerüstteil) aus der Nähe gefilmt hat, wie dort die Leute hochkletterten, während seine Kollegen ihnen über die Brüstung halfen.
16:59
Furchtbar wenn man sich dann die zahlreichen wiedersprüchlichen Aussagen der Verantwortlichen anhören muß:
www.global-talk.org/gesellschaft/4785-augenzeugenbericht-loveparade-duisburg.html
16:43
Dieses rückgratlose Gefasel auf der PK war unerträglich, aber wer hätte von den schmierigen Protagonisten (Sauerland, Schaller und Rabe) was anderes erwartet.
Zurücktreten und in U-Haft. Die ganze Bande.
So eine Tragödie kommt dabei raus, wenn man total unfähigen und beratungsresisitenten Hampelmännern das Feld überlässt.
16:22
Viel Beilied den Trauernden,
schuld ist ganz klar aus meiner sicht derordnungsdienst....wenn man bedenkt das schon live um 15 uhr im Wdr gezeigt wurde wie menschen der enge durch zäune entkommen wollten und nicht eingegriffen wurde.....steht fest das es überfordertes personal gab oder die anweisung klar hieß: einkesseln und nicht eingreifen.
Sauerland, Krisenstab und Polizeidirektor gehören eingesperrt, wegen dieser missglückten planung.
15:58
@52 Du hast vollkommen recht. Allerdings hat es bei Verweigerung einiger Mitarbeiter bereits Tote gegeben. man hat es hier darauf ankommen lassen...
15:44
... Ich erinnere einmal an den Großbrand am Ddorfer Flughafen. 17 Tote. ...
#40 von mario manga , am 25.07.2010 um 13:55
Hallo Mario,
ich hatte das Glück, nach dem Düsseldorfer Flughafenbrand gegen Ende 2008 eine Veranstaltungsstätte in Düsseldorf durch die behördliche Abnahme zu geleiten.
Das Bauordnungsamt der Stadt Düsseldorf als Aufsichts- und Abnahmebehörde hat sich zusammen mit Feuerwehr und sonstigen Beteiligten vorbildlich verhalten.
Der betreffende Mann vom Bauordnungsamt meinte wörtlich ..wir hatten den Brand am Flughafen, seitdem sind wir, was Brandschutz, Notausgänge und deren Kennzeichnung sowie Panikvermeidung betrifft, viel penibeler geworden. Es mag sein, dass Sie unsere Forderungen an diese Veranstaltungsstätte als arg überzogen empfinden, aber wir möchten nie wieder eine derartige Situation haben, in der wir Leichen bergen müssen, weil bei der Sicherheit Mängel auftraten!
Diesen besonnenen Mann des Düsseldorfer Bauordnungsamtes hätte man in der Loveparade-Planung DU haben müssen - die Loveparade 2010 hätte an diesem Ort mit diesen beschissenen Zugangswegen gar nicht stattgefunden.
Aber leider haben wir nicht in jeder Behörde Mitarbeiter, die zu ihrer Verantwortung und bei Mängeln zu ihrer Verweigerung einer Genehmigung stehen.
19 Tote und 352 Verletzte sind eine Tatsache dafür, daß das Sicherheitskonzept fehlerhaft war. Das kann man nicht wegdiskutieren!
15:21
Ab in die Kiste fuer Sauerland und Rabe.
Hab gerade die PK der Ahnungslosen verfolgt und bin entsetzt, sprachlos.
ZUM KOTZEN!
15:16
Das dramatische ist, dass die Situation vorhersehbar war. Jeder Veranstaltungstechniker hätte normalerweise warnen müssen.
Wenn die Stadt meint, sie wäre quais erpresst worden, das alles zu genehmigen, entbindet das nicht von der Verantwortung.
Auf der letzten Loveparade waren über 1,5 Mio Besucher. Das Duisburger Gelände war nur für 500.000 Menschen zulässig,- also definitiv nicht geeignet.
Das Zuleitungskonzept war falsch durchdacht. So ein Gelände darf nicht nur einen Zugang haben.
Pervers ist, dass die A59 zwar gesperrt war, aber über die Zufahrten Hochfeld und HBF wäre sie ein idealer Zubringer gewesen.
Bei 19 Toten und 342 Verletzten kann man sich nicht rausreden.
Es gibt eine Genehmigung der Stadt Duisburg. Die Einhaltung muß bei solchen Dimensionen von der Stadt kontrolliert werden. Das Gelände hätte bei 500.000 Personen geschlossen werden müssen.
Die Staatsanwaltschaft muß prüfen, welche Verfehlungen es im Genehmigungsverfahren gab. Dafür haftet allein und persönlich der Genehmigende. Die Ausrede, man wurde vom Veranstalter genötigt kann nicht gelten. Wir leben in einem Rechtstaat. Als weiteres muß geprüft werden, wo der Veranstalter die Auflagen des Ordnungsamtes verletzt hat. Allein beim Betrachten der Fernsehbilder sind mir bei den Absperrungen massive Mängel aufgefallen. Auch wurden diverse Vorschriften der Versammlungsstättenverordnung nicht eingehalten. Hier haftet der Veranstalter und die vor Ort verantwortlichen Veranstaltungstechniker persönlich.
Die Situation mit 19 Toten macht sprachlos. Das Finden der Schuldigen ist jedoch relativ einfach. Die zugrundeliegenden Rechtsvorschriften sind klar und deutlich festgelegt, wie Telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung. Da geht keine Erklärung, es gibt keine Ausnahmen,- so auch hier.
In diesem Fall wurde sträflichst gehandelt, von der Stadt und dem Veranstalter.
Jetzt muß rücksichtslos ermittelt werden. Man kann auch gar nicht argumentieren, es hätten sich einige Leute nicht an die Regeln auf dem gelände gehalten. Genau diese Situation muß im Sicherheitskonzept berücksichtigt werden.
Die Treppen an der Brücke hätten so abgesichert werden müssen, dass niemand auf die Idee kommen konnte, sie zu nutzen. Die Brücken hätten oben mit Zäunen abgesichert werden müssen. Bei dieser Menge hätte es mindestens 3 vorgeschaltete Umleitungspunkte geben müssen, um die Menge zu entspannen. Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass man Fachmeinungen eingeholt hat. Es hätte der eigene Kopf eingeschaltet werden müssen.
Als ich vor vier Moanten erstamls auf dem Gelände war,- rein aus eigenem Interesse habe ich mich gefragt, wie das alles funktionieren soll. Es konnte gar nicht gut gehen. Es war eine vorprogrammierte Katastrophe. Mein 14 jähriger Sohn hat mich auch gedrängt und erpresst, weil er unbedingt mit mir zur Loveparade gehen wollte. Auch ich wäre gerne gegangen, denn ich war in Berlin sehr oft dort. Ich habe ihm verboten alleine hinzugehen und ihm erklärt, was alles wegen der Sicherheitsmängel geschehen könnte. Er war zwar sauer, aber blieb mit mir zu Hause vor dem Fernseher. Hinterher hat er verstanden warum.....
15:12
Ich war gestern auf der LoPa und habe die Menschen im Tunnel selber gesehen. Uns kamen immer wieder weinende Menschen entgegen, die von Helfern aus der Masse gezogen wurden.
Nach der Pressekonferenz bin ich wuntentbrannt zum Duisburger Rathaus gefahren und habe einem Radio-Journalisten erzählt, was ich gestern gesehen hab. Ich hab ihm gesagt, die Medien sollen nicht locker lassen. Bitte, bitte glaubt nichts, was auf der Pressekonferenz erzählt wurde. Jeder der da war, weiß es besser!