Turbo-Abitur ohne Konzept - von T. Schumacher
30.08.2010 | 18:33 Uhr 2010-08-30T18:33:00+0200Die amateurhafte Einführung des Turbo-Abiturs in NRW war eine Fehlleistung, die zum Machtverlust von Schwarz-Gelb beigetragen hat.
Nicht die auf acht Jahre verkürzte Gymnasialzeit war die Ursache, sondern die pädagogische Unterlassungssünde: 14-jährige Kinder unter Dauerstress, zu wenig Freizeit als Ausgleich, ausufernde Stundenpläne und Schulen, die mit ihrer Infrastruktur auf diesen heimlichen Ganztag gar nicht eingestellt waren.
Dass damit die schon von der alten rot-grünen Regierung initiierte Schulzeitverkürzung insgesamt einen herben Rückschlag erleiden musste, sollten CDU und FDP nicht vergessen haben. Aus einer normalen bildungspolitischen Debatte – wie bringt man mehr junge Leute früher an die Unis und zum Examen? – wurde eine Systemfrage. Seither dürfen sich die Ideologen austoben. Das Ergebnis ist, dass nicht wenige Eltern und Schulleiter zum Abi in neun Jahren zurück wollen.
Wenn die Koalition den Schulen die Wahl über acht oder neun Jahre überlassen will, braucht sie dafür nicht nur eine Mehrheit im Landtag, sondern endlich auch ein Konzept, das die Schüler am Turbo-Gymnasien entlastet. Und sie braucht klare Vorgaben. Schüler, Eltern und Lehrer dürfen nicht noch zusätzlich verunsichert werden.
23:26
;-) auf der Gesamtschule kann man auch Abi machen und da hat man dann wieder 13 Jahre Zeit ... oder man macht erst die FOR mit Quali und dann die Oberstaufe auf nem Gymnasium. Da steigt man dann aber nicht in die 11. Klasse ein, sondern in die 10. und hat somit auch drei Jahre Oberstufe (und wieder 13 Jahre bis zum Abi) ...
17:36
G8 - das größte Chaos für Schüler in den letzten Jahren. Kein Konzept, keine Bücher, kein reduzierter Unterrichtsstoff, zweimal in der Woche 10 (zehn!!!) Unterrichtsstunden, Zwangspause in der Mittagszeit (natürlich ohne Mensa o.Ä.), Lehrer, die nicht wissen, was sie wann unterrichten sollen, doppelter Abiturjahrgang 2013 (und ein Staatssekretär, der mir vor drei Jahren auf meine Frage, ob man sich schonmal Gedanken gemacht hat, was mit dem doppelten Jahrgang ausbildungsmäßig 2013 passieren soll, geantwortet hat, es sei zu früh, um sich darum Gedanken zu machen), keine Freizeit mehr für Schüler, um Freunde zu treffen oder Sport zu machen (was doch sooo wichtig sein soll) - und so könnte man beliebig fortsetzen.
Unsinn hoch drei.
13:57
#4 Unser Kind besucht mittlerweile die 8. Klasse Gymnasium. Bei uns war es so, dass in der 6. Klasse einmal die Woche Ganztag unterrichtet wurde. In der 7. hatten wir, aufgrund Lehrermangels, nur 30 Stunden. Jetzt in Klasse 8 zweimal die Woche bis 16.00 Uhr. Hauptfächer werden in der 8. und 9. Stunde unterrichtet. Als Resümee dieser Jahre: Verunsicherte Kinder, Eltern und Lehrer. Von der Ursprungsklasse mit 33 Kindern sind ganze 11!!! übrig geblieben. Wie es weiter geht - man weiß es nicht...
13:38
Wieso stehen nur die 14-jährigen Schüler unter Dauerstress ? Das Turbo-Abi beschert den bereits den 6. und 7.Klässlern mehr Stress, Nachmittagsunterricht ab der 7. Klasse, 2. Fremdprache ab der 6. Klasse. Stoff in Bio und auch Mathe teilweise bereits aus der Oberstufe, etc. Und die Kids sind im Schnitt 11 oder 12 Jahre alt.
07:24
Es lebe der Wettbewerb. Gymnasium mit G8, Gemeinschaftsschule mit G9.
Und möglichst ohne Zentralabi, damit die Schulen auch ihre eigenen Schwerpunkte setzen können. Das landeseinheitliche Mac Menu das in der Oberstufe gelehrt wird, mag zwar vergleichbar sein, aber nur Vielfalt kommt so nicht zu stande.
Staatlich verordneten Einheitsdenken hat Deutschland bisher immer in Katastrophen geendet.
06:01
Wie die Arbeitsverdichtung in der Wirtschaft nicht recht funktioniert, so funktioniert auch nicht die Lernverdichtung in Schule und Studium. Einzelne mögen als sog. Workoholics dies schaffen; aber auch sie zahlen einen hohen psychischen und sozialen Preis.