TUI reduziert Hapag-Lloyd-Anteil auf 22 Prozent
14.02.2012 | 22:32 Uhr 2012-02-14T22:32:10+0100Nach monatelangen Verhandlungen trennt sich der Reisekonzern TUI von weiteren Anteilen an der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium um den Unternehmer Klaus-Michael Kühne und der Stadt Hamburg. Nach Angaben des Senats der Hansestadt vom Dienstagabend zahlt die Gruppe für die Aufstockung ihres Anteils um etwa 16 Prozent 600 Millionen Euro.
Hamburg (dapd). Nach monatelangen Verhandlungen trennt sich der Reisekonzern TUI von weiteren Anteilen an der Hamburger Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium um den Unternehmer Klaus-Michael Kühne und der Stadt Hamburg. Nach Angaben des Senats der Hansestadt vom Dienstagabend zahlt die Gruppe für die Aufstockung ihres Anteils um etwa 16 Prozent 600 Millionen Euro. Die Transaktion erfolgt demnach in einem mehrstufigen Verfahren.
TUI reduziert dadurch seinen Anteil auf rund 22 Prozent. Das Unternehmen will sich ganz von der Reederei trennen und mit dem Verkaufserlös Schulden zurückzahlen und das Touristikgeschäft erweitern. Das Konsortium Albert Ballin, in dem die Stadt Hamburg, der Logistikunternehmer Kühne sowie Banken, Versicherungen und andere Privatinvestoren zusammengeschlossen sind, hält derzeit 61,6 Prozent an Hapag-Lloyd, künftig werden es knapp 80 Prozent sein.
Nach Angaben der Stadt sieht die erzielte Verständigung vor, dass zunächst ein hoch verzinstes TUI-Darlehen im Umfang von 100 Millionen Euro durch Hapag-Lloyd getilgt und im Umfang von 125 Millionen Euro durch Albert Ballin angekauft wird. Von dem sich daraus ergebenden Gesamt-Investment des Konsortiums in Höhe von 600 Millionen Euro trägt die Stadt 420 Millionen Euro, der Logistikunternehmer Kühne 160 Millionen Euro sowie die Versicherungen Hanse-Merkur 13 Millionen Euro und Signal Iduna sieben Millionen Euro.
Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) sprach von einem guten Ergebnis, das den Interessen der Stadt und den Anforderungen der Reederei gerecht wird.
Das Konsortium Albert Ballin war 2008 bei Hapag-Lloyd eingestiegen. Die Stadt wollte damit die Übernahme der Reederei durch einen Konkurrenten vermeiden, der möglicherweise die Firmenzentrale in Hamburg geschlossen und Tausende Beschäftigte entlassen hätte.
Der Anteil an der verlustträchtigen Hapag-Lloyd drückt den TUI-Aktienkurs seit Monaten, während Europas größter Reisekonzern in der Touristik derzeit die Konkurrenz hinter sich lässt. In der weltweiten Containerschifffahrt hingegen herrscht seit einem Jahr ein Kampf um Marktanteile. Dadurch sind die Reeder in die roten Zahlen gefahren, obwohl der Welthandel zunimmt. Auch Hapag-Lloyd fährt Verluste ein. Am Mittwoch (15. Februar) findet in Hannover die TUI-Hauptversammlung statt.
"Ein Hamburger Unternehmen mit 7.200 Beschäftigten in 130 Ländern, davon 2.500 in Deutschland, mit 1.200 Seeleuten und 120 Auszubildenden, mit 40 Schiffen unter deutscher Flagge gehört zur Substanz der deutschen Wirtschaft", sagte Hamburgs ver.di-Landeschef Wolfgang Rose. Wenn Deutschlands größte Reederei jetzt an den Standort Hamburg gebunden werden könne, dann mache das die ganze Stadt und ihren Hafen stärker.
Wenn die Stadt Hamburg ihren Anteil an Hapag-Lloyd erhöht, dann erfolgt das nach Angaben des Senats über die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV). Die städtische HGV hält auch alle anderen Anteile an öffentlichen Unternehmen in Hamburg und verwaltet bereits die übrigen Anteile an Hapag-Lloyd.
Das Ergebnis der Gespräche mit TUI und dem Konsortium will der Hamburger Senat in eine Drucksache fassen und dann der Bürgerschaft zur Abstimmung vorlegen. Die Zustimmung des Parlaments sei notwendig, sagte Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD).
dapd