Türkischstämmige Bewerber werden bei Jobsuche diskriminiert
08.02.2010 | 13:22 Uhr 2010-02-08T13:22:00+0100
Bonn.Türkischstämmige Stellenbewerber müssen auf dem deutschen Arbeitsmarkt offenbar mit erheblichen Vorurteilen kämpfen. Das belegt eine aktuelle Studie. Bei vergleichbarer Qualifikation wurden Bewerber mit türkischem Namen seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen.
Stellenbewerber mit türkischem Migrationshintergrund werden offenbar auf dem deutschen Arbeitsmarkt deutlich benachteiligt. Eine aktuelle Studie belegt eine entsprechende „ethnische Diskriminierung“, wie das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) am Montag auf ddp-Anfrage in Bonn mitteilte.
Forscher der Universität Konstanz hatten in einem Feldversuch mehr als 1000 Bewerbungen auf Praktikumsstellen für Wirtschaftsstudenten verschickt. Dazu verwendeten sie inhaltlich gleichwertige Bewerbungsunterlagen, denen per Zufall ein Name eindeutig deutscher oder türkischer Herkunft zugeordnet wurde.
Die fiktiven Bewerber hatten den Angaben zufolge nicht nur vergleichbare Qualifikationen und Fähigkeiten, sondern waren zudem ausnahmslos deutsche Staatsbürger und Muttersprachler. Dennoch erhielten Bewerber mit türkischen Namen insgesamt 14 Prozent weniger positive Antworten.
Mehr Vorurteile in kleineren Unternehmen
In kleineren Unternehmen war die Ungleichbehandlung sogar noch ausgeprägter: Hier hatten Bewerber mit türkisch klingenden Namen trotz gleicher Qualifikation eine um 24 Prozent geringere Chance auf ein Vorstellungsgespräch. Die Autoren führen diese Diskrepanz darauf zurück, dass Großunternehmen häufiger standardisierte Auswahlverfahren mit weniger Raum für subjektive Einschätzungen nutzen.
Im internationalen Vergleich stehen deutsche Arbeitgeber laut IZA jedoch „nicht so schlecht da“: Ähnliche Studien belegten für Länder wie die USA, Großbritannien oder Schweden eine deutlich größere Benachteiligung ethnischer Minderheiten. Allerdings wurden im Feldversuch der Konstanzer Forscher ausschließlich Stellen für hoch qualifizierte Bewerber untersucht. Es sei also „denkbar, dass in Branchen, die weniger vom Fachkräftemangel betroffen sind, auch in Deutschland noch stärker diskriminiert wird“. (ddp)
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