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Türkei schließt wegen Kämpfen in Syrien die Grenze

25.07.2012 | 17:14 Uhr
Foto: /AP/Burhan Ozbilici

Die Türkei hat angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien am Mittwoch alle Grenzübergänge in das Nachbarland geschlossen. Die Sicherheitslage lasse keinen Handelsverkehr mehr zu, Flüchtlinge würden aber auch weiter nicht abgewiesen, sagte Wirtschaftsminister Zafer Caglayan.

Beirut (dapd). Die Türkei hat angesichts der zunehmenden Gewalt in Syrien am Mittwoch alle Grenzübergänge in das Nachbarland geschlossen. Die Sicherheitslage lasse keinen Handelsverkehr mehr zu, Flüchtlinge würden aber auch weiter nicht abgewiesen, sagte Wirtschaftsminister Zafer Caglayan.

Aus Protest gegen das Regime von Baschar Assad setzten sich unterdessen weitere Diplomaten ab. Auch der desertierte General Manaf Tlass rief erstmals öffentlich zum Widerstand auf. Vor allem in Aleppo gingen die Kämpfe weiter. Nach Angaben eines Aktivisten wurden dort seit Dienstag etwa 40 Menschen getötet.

"Wir haben erhebliche Bedenken bezüglich der Sicherheit türkischer Lastwagen auf dem Weg von und nach Syrien", sagte Caglayan. Über die 900 Kilometer lange Grenze wurde einst ein Handelsvolumen von etwa 2,5 Milliarden Euro abgewickelt. Seit Beginn der Unruhen im März 2011 war der Verkehr aber bereits um 87 Prozent zurückgegangen. Zuletzt hatten Rebellen mindestens zwei Grenzübergänge zur Türkei unter ihre Kontrolle gebracht. An dem Grenzposten Bab al Hawa wurden Dutzende türkische Lastwagen von Bewaffneten geplündert.

Aus Teilen der Stadt Aleppo wurden auch am Mittwoch heftige Kämpfe gemeldet. "Die Lage ist derzeit sehr schwierig. Es gibt Gefechte in Wohngebieten und seit gestern sind etwa 40 Menschen getötet worden", sagte der in der nordwestlichen Wirtschaftsmetropole ansässige Aktivist Mohammed Said. Ununterbrochen werde geschossen, in Vierteln in der ganzen Stadt, zum Teil auch nahe des Zentrums.

Bisher gingen die Regierungstruppen nur in sporadischen Vorstößen gegen die Rebellen vor und könnten die betroffenen Gebiete nicht unter ihre Kontrolle bringen, sagte Said. Andere Aktivisten berichteten allerdings, dass die Regierung Verstärkung in Richtung Aleppo geschickt habe. Bereits am Dienstag hatten die Assad-Truppen auch Kampfhubschrauber in Aleppo eingesetzt.

Der desertierte Brigadegeneral Tlass, der einst ein enger Vertrauter Assads war, sagte am Dienstagabend dem Fernsehsender Al Arabija, die Syrer müssten jetzt zusammenarbeiten, um ein neues, demokratisches Land aufzubauen. Es war sein erster öffentlicher Auftritt, seit er sich Anfang Juli ins Ausland absetzte. Sein langes Schweigen hatte Spekulationen aufkommen lassen, ob er sich dem Aufstand anschließen oder nur dem Bürgerkrieg entkommen wollte.

Aus Protest gegen die Gewalt des Regimes kehrten unterdessen zwei weitere syrische Diplomaten Assad den Rücken. Die Botschafterin in Zypern, Lamia al Hariri, habe sich von Damaskus losgesagt und sei in Katar gelandet, teilte ein Sprecher des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC) am Mittwoch mit. Auch ihr Mann Abdel Latif Dabbagh, der bis zuletzt Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten gewesen sei, habe sich abgesetzt, sagte das in Abu Dhabi ansässige SNC-Mitglied Schadi al Chesch.

Auf internationaler Ebene sorgte der von Assad angedrohte Einsatz von Chemiewaffen im Falle eines ausländischen Angriffs weiter für Empörung. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) forderte "alle Kräfte in Syrien nachdrücklich dazu auf, verantwortlich zur Sicherung etwaiger Chemiewaffenbestände beizutragen". Jedem im Land sollte klar sein, dass der Einsatz von Chemiewaffen völkerrechtlich geächtet sei, sagte der Minister der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Zuvor hatte auch Russland Syrien vor dem Einsatz von Chemiewaffen gewarnt. Das Außenministerium in Moskau erklärte am Dienstagabend, Syrien habe eine Konvention zum Verbot von Chemiewaffen unterzeichnet. Die russische Regierung erwarte, dass die Führung in Damaskus ihre internationalen Verpflichtungen einhalte.

Israel kündigte sofortiges Handeln an, sollte die radikalislamische Hisbollah syrische Lager mit chemischen und biologischen Waffen plündern. "Für uns ist das der Kriegsfall", sagte Außenminister Avigdor Lieberman im israelischen Radio. Bereits in den vergangenen Tagen hatten israelische Politiker gewarnt, dass die Streitkräfte des Landes bereit seien, die Inbesitznahme syrischer Waffen durch die libanesische Hisbollah-Miliz mit einem Angriff auf die Waffenarsenale zu verhindern.

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dapd

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